Lubog ng Araw
Sonnenuntergang

Fast alles ist falsch
in diesem so schönen Land



So schön wie auf dem Foto sind sie wirklich, die Sonnenuntergänge in den Philippinen. Nicht jeder hat einen Blick aufs Meer genau nach Westen, aber überall ist die Natur gewaltig und faszinierend. Unser Grundstück in Lipa liegt am Hang, der beinahe genau nach Westen zeigt. Am Ende unseres Grundstückes fließt ein kleiner Bach, dessen Ufer mit 15 Meter hohem Bambus gesäumt sind. Dahinter kommen Wiesen mit ein paar Einfamilienhäusern und dahinter ein Hügel mit alten Kokospalmen. Den Abschluss des Panoramas bildet die Kuppe des Berges Makolot mit fast 1000 Meter Höhe, der etwa 10 km von uns entfernt ist. Nochmal 15 km weiter ist die See, die wir natürlich nicht sehen können, die aber dafür sorgt, dass wir die prächtigsten Wolkenbildungen erleben können. In unserem Garten blüht es 365 Tage im Jahr, und das Wort "tropisch" ist für uns nicht exotisch, sondern der Alltag. Die eine große Kokospalme ist einer unserer Obstbäme, und wir haben darauf zu achten, dass die Kokosnüsse regelmäßig gepflückt werden, denn eine herabfallende Kokosnuss ist nicht das angenehmste.

Ich habe nicht die Absicht, umfangreiche Naturschilderungen zu verfassen. Aber ich glaube, einen Bericht aus den Philippinen sollte man damit beginnen. Die Schönheit der Natur ist hier unser Alltag und nicht nur etwas für den Urlaub. Ich habe bewusst das Wort Paradies vermieden, denn das Land ist wirklich kein Paradies, vor allem für die meisten der Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind.

Und nun komme ich zu den eigentlichen Themen, die mich all die Jahre bewegt haben und noch bewegen: Warum ist ein so schönes und übrigens auch reiches Land kein Paradies für seine Bewohner? Da ich Naturwissenschaftler bin, bin ich gewohnt, mit Daten umzugehen und von Daten zu lernen. In einer kleinen Tabelle habe ich einige ungefähre statistische Daten zusammengetragen, und auf eine Zahl möchte ich hier eingehen.

Das Wirtschaftswachstum der Philippinen beträgt zwischen 3 % und 5 % im Jahr. Ist das nicht recht ordentlich? Leider ist es eine schockierende Zahl. Da die Bevökerung mit etwa 2.5 % je Jahr zunimmt, bleiben pro Person zwischen 0.5 % und 2.5 % Wachstum. Da aber das Bruttosozialprodukt nur etwa 1200 EUR je Person und Jahr beträgt, kann der durchschnittliche Philippine mit einem Wachstum von 6 bis 30 EUR pro Jahr rechnen, von dem er den Ausbau der Strom-, Wasser-, Straßen- und anderen Netze, den Aufbau einer Industrie, die Verbesserung der Landwirtschaft usw. finanzieren muss. Der Rest (wieviel ist das noch pro Monat?) kommt seiner persönlichen Kaufkraft zugute.

Das ist die mathematische Seite. Man kann das Problem auch von einer praktischen Seite angehen, was zum selben Ergebnis führt. Wenn das Land so tropisch und so wunderschön ist, dann müssten doch die Touristen zu Millionen kommen. Aber weit gefehlt, kaum jemand kommt hierher.

Was ist also falsch? Die Antwort ist einfach, aber deprimierend: Fast alles ist falsch hier in diesem Land. Und was sind die Ursachen? Sind es einfach unterentwickelte Menschen, oder gar unentwickelbare Menschen, die die Tropensonne stumpf und faul macht? Oder sind es unsere "westlichen Werte", die wir in 350 Jahren Kolonialismus gelehrt haben (einschließlich der Religion)? Oder sind es unsere "westlichen Werte", die wir heute als Kapitalismus der Globalisierung praktizieren? Oder fehlt das Geld, was die Spanier, die Amerikaner und dann die Präsidenten Marcos und Estrada gestohlen haben? Oder liegt es am Fehlen von Technologie? Halten wir sie als Monopol fest? Oder sind die Leute einfach zu dumm oder zu faul, um die Tricks zu lernen? Oder fehlen bei dunkler Hautfarbe die Erfolgs-Gene, die wir Europäer und Amerikaner glücklicherweise haben?

Und wenn wir wüssten, warum fast alles falsch läft, wollen wir, dass sich etwas ändert? Wenn ein Land wie die Philippinen den gleichen Stand wie Deutschland erreichte, was würde dann aus uns? Wären wir Deutschen dann noch eines der reichsten und angesehensten Länder der Welt oder nur ein statistischen 2 % der Weltbevökerung?

Die Philippinen werden in absehbarer Zeit sicher nicht den gleichen Stand wie Deutschland erreichen und unser Ansehen in den Schatten stellen. Ich glaube eher umgekehrt: Wenn die armen Länder etwas weniger arm wären, wäre das aus vielen Gründen für die reichen Länder nützlich (ich spreche nicht von ethischen oder moralischen Werten, das muss jeder mit sich selbst ausmachen). Zahlungskräftigere Handelspartner sind bessere Handelspartner. Armut erzeugt soziale Spannungen, die sich in internationalen Konflikten entladen können (oder bei der friedliche Touristen entführt werden). Arme Menschen sind mehr und gefährlicher krank, und im Zeitalter des Airbus gibt es keine Grenzen für gefährliche Krankheiten mehr.


Philippinen und Deutschland - ein Vergleich in Zahlen (aus dem Jahr 2001)

Die Zahlen sollen keine Konkurrenz zu statistischen Jahrbüchern sein, sondern nur die Größenbeziehungen verdeutlichen.

 PH DEMaßeinheit
Bevölkerung und Größe des Landes
Bevölkerungszahl (etwa 1995) 7582Mln. Ew.
Landfläche 3003701000 km2
Größte Ausdehnung des Landes 1800900km
Bevölkerungsdichte 225220Ew. / km2
Bevölkerungswachstum 2.50.0% / Jahr
Mittlere Lebenserwartung Jahre
Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren ≈ 50≈ 15%
Wirtschaftliche Leistung
Bruttoinlandsprodukt je Einwohner 110028 000EUR / Ew.
Wachstumsrate Bruttoinlandsprodukt 3 - 61% / Jahr
Wachstum BIP je Einwohner (1) 6 - 40280EUR / Jahr
Anteil der Landwirtschaft am BIP 301%
Kraftfahrzeugdichte 1050Kfz. / 100 Ew.
Autobahnnetz 200≈ 20 000km
Telefondichte (einschl. Mobilfunk, etwa 2007) 40130 Tel. / 100 Ew.
Klima und Landschaft
Mittlere Jahrestemperatur 27100C
Mittlere jährliche Niederschlagsmenge 2000700mm
Höchste Erhebung 29542963m
Entfernung der höchsten Erhebung von der See 50020km

(1) = Berücksichtigt ist die unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung.

Einige neuere Zahlen (2005 - 2009)

Bevölkerung 2008 90 Millionen Einwohner (Nr. 12 in der Welt)
Bruttoinlandsprodukt je Einwohner 2008 1907 USD (Nr. 119)
Desgl. kaufkraftbereinigt (PPP, 2008) 3539 USD (Nr. 122)
Human Development Index 0.771 (mittlerer Entwicklungsstand, Nr. 90)



Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/landbote/falsch.htm   25. Mai 2001 / 03. Juli 2010

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