14 Phonologie und Orthografie

14-1 Einleitung

(1) Das Thema dieser Arbeit ist die Syntax der filipinischen Sprache. Als Ergänzung betrachten wir in diesem Kapitel einige Fragen der filipinischen Phonologie und Orthografie (palatunugan, palabaybayan).

Unsere Darstellung der filipinischen Phonologie befasst sich mit der Phonologie der aus der eigenen Sprache stammenden Wörter {14A-101 }. Hinzu kommt die Anpassung von Fremdwörtern (salitạng banyaga) an die filipinische Phonologie, wobei diese Wörter zu Lehnwörtern (salitạng hirạm) werden. Naturgemäß ist die Phonologie nicht angepasster Fremdwörter nicht Bestandteil der filipinischen Phonologie.

Filipino ist eine Sprache, die nur wenig geschrieben und damit auch wenig (vor)gelesen wird {1-1.4}. In der Regel wird Filipino in Gesprächen und Unterhaltungen verwendet, die naturgemäß der Umgangssprache angehören. Daher stellt sich die Frage nach einer Standardlautung (bigkạs-batayạn) in besonderer Weise. Unter Hochlautung wird von den meisten Sprechern eine weitgehend orthografische Lautung verstanden. Wir folgen eingeschränkt dieser Meinung und betrachten in der Regel als Standardlautung, was orthografisch dargestellt wird, und als Umgangslautung (oder Umgangssprache) die gesprochenen Abweichungen davon {*}. Unter Überlautung (sobrang-bigkạs) verstehen wir eine extrem orthografische Aussprache.

{*} Diese Aussage ist abzuwandeln, wenn in Texten der Schriftsprache bei direkter Rede eine Umgangslautung orthografisch dargestellt wird, was häufig geschieht.

Der Silbenbau ist recht einfach in der filipinischen Sprache, so dass wir diesem Thema weniger Aufmerksamkeit widmen. Ein für uns interessanteres Thema ist die Zweisilbigkeit der meisten filipinischen Wortstämme. Beide Silben zeigen ein gewisses Maß an Gleichwertigkeit. Wir versuchen zu betrachten, welche phonologischen Beziehungen zwischen den Silben der Wortstämme bestehen. Die Ergebnisse versuchen wir in Zusammenhang mit der Bildung abgeleiteter Wörter zu bringen {14A-102}.

Eigenschaften der filipinischen Phonetik und Phonologie sind der Reichtum an kurzen Silben und die deutliche Trennung der Silben. Dadurch entsteht ein Sprechstil mit vielen kurzen, aber schnell aufeinanderfolgenden und oft etwas abgehackt klingenden Silben. Eine Besonderheit der filipinischen Phonologie ist die Doppelungsfreudigkeit. Gleiche Laute, Silben und Wortstämme werden auffallend häufig wiederholt. Deswegen betrachten wir diese Eigenschaft in einem gesonderten Abschnitt {14-4}.

(2) In der Phonologie und Phonetik wird zwischen phonemischer und phonetischer Darstellung unterschieden. Die phonemische Darstellung ist gemeinsam für alle Aussprachevarianten (Allophone) eines Wortes, während die phonetische Darstellung ein bestimmtes dieser Allophone darstellt. Im Prinzip kann dieselbe Lautschrift für beide verwendet werden. Phonetische IPA-Transkriptionen werden in eckige Klammern [ .. ] gesetzt, während für phonemische Transkriptionen Schrägstriche verwendet werden / .. / (deutsches Beispiel großem /'gro:səm/ für ['gro:sm̩] und ['gro:səm], filipinisches Beispiel hindị /hin'diʔ/ für [hɪn'dɪʔ], [hɪn'di:] und [hɪn'di:h]).

In spitze Klammern < .. > werden orthografische Darstellungen gesetzt.

(3) In der filipinischen Sprache wird häufig die Aussprache der Einzelwörter geändert, wenn sie, was nahezu stets der Fall ist, gemeinsam mit anderen Wörtern in phonologischen Phrasen {**} verwendet werden. Somit ist der Begriff Einzelwort etwas realitätsfern. Trotzdem betrachten wir in den meisten Abschnitten dieses Kapitels die Phonologie der Einzelwörter (kurz Wörter genannt), da sich daraus ihre Aussprache im Phrasenverband herleitet, die wir als Lautänderungen in Abschnitt {14-2.5} und an weiteren Stellen behandeln. In unserem kurzen Abriss der Phonologie verzichten wir in der Regel auf eine gesonderte phonemische Darstellung und stellen die häufigste Aussprachevariante in eckigen Klammern dar.

{**} Phonologische Phrasen sind von syntaktischen Phrasen zu unterscheiden. Vereinfacht gesprochen, ist eine phonologische Phrase (auch prosodische Phrase) eine Gruppe von Wörtern, die durch Sprechpausen abgegrenzt werden kann.

14-2 Laute, Buchstaben, Silben und Wörter

(1) Gemäß der in der Einleitung vorgenommen Vorgabe haben wir uns mit der Phonologie der aus der filipinischen Sprache stammenden Wörter zu befassen. Wegen mangelnder Quellen aus vorspanischer Zeit ist jedoch schwer festzustellen, ob einige phonologische Elemente durch spanischen Einfluss auf filipinische Wörter übertragen wurden.

(2) Die filipinische Sprache verwendet ausschließlich die lateinische Schrift, die im Zuge der spanischen Kolonisation im 16. Jahrhundert eingeführt wurde. Vorher wurde eine Silbenschrift Alibata - oder vermutlich richtiger Baybayin - verwendet {14A-201}.

Das Prinzip der filipinischen Orthografie ist phonologisch ('Schreib, wie du sprichst.'). Morphologische und etymologische Ableitunsbeziehungen werden dabei vernachlässigt. Bei indigenen Wörtern schafft das phonologische Prinzip eine einfachen Zusammenhang zwischen gesprochener und geschriebener Sprache, bei Lehn- und Fremdwörtern können dadurch erhebliche Probleme entstehen {14-2.6}.

Elemente der spanischen Orthografie wurden in die Orthografie der philippininschen Sprachen übernommen und teilweise bis in das 21. Jahrhundert beibehalten. So wurde der Laut [ k ] als <c> oder <qu> geschrieben (die spanische Orthografie kennt kein <k>); teilweise wurde das spanische <ñ> verwendet. Eigennamen wie Bontoc oder Parañaque erinnern noch heute daran.


14-2.1 Laute und Buchstaben

Die einfache Lautstruktur (Laut = tunọg) scheint die Benutzung des Internationalen Phonetischen Alphabetes (IPA) weitgehend entbehrlich zu machen, daher ist dieses System in den Philippinen kaum bekannt {14-5.1}. Trotzdem eignet es sich hervorragend für die filipinische Sprache, da es eine eindeutige phonetische Transkription für alle Laute darstellt. Wir verwenden es regelmäßig.


14-2.1.1 Konsonanten

Die filipinischen Konsonanten (katinig) lassen sich in folgender Tabelle darstellen:

 LabialDentalAlveolar PalatalVelarGlottal
 Pan-
labi
Pang-
ngipin
Pang-
gilagid
Impit

Plosiv
Pasara
Stimmlosp t  k ʔ
Stimmhaftbd   g 
Nasalmn   <ng> ŋ 
FrikativStimmlosf  s   ʃ   h
Stimmhaft<w> v      ʒ    
LiquidLateral Pagilid  l   
Vibrant Pakatal r    
Halbvokal   Malapatinik  <y> j <w> v 
Stimmlos (walang tinig), stimmhaft (may tinig).

Dieses einfache Konsonantenschema erlaubt eine Darstellung mit lateinischen Buchstaben mit einigen Besonderheiten. Als Konsonanten stellen die Buchstaben <y> und <w> regelmäßig die Laute [ j ] und [ v ] dar. Der velare Nasallaut [ ŋ ] wird durch die zwei Buchstaben <ng> dargestellt, die in der filipinischen Sprache ein Digraphem (digrapo) bilden. Der glottale Plosiv [ ʔ ] (glottaler Verschlusslaut, von uns Po genannt, impịt na pasarạ) tritt in der filipinischen Phonologie sehr häufig auf, wird in der Regel jedoch orthografisch nicht dargestellt {14A-2111}.

Die Konsonanten [ d ] und [ r ] stehen in der filipinischen Phonologie in einer besonderen Beziehung zueinander {14-2.5.1}.

Der Laut [ f ] gehört zur filipinischen Phonologie, da in die filipinische Sprache Wörter mit diesem Laut aus anderen philippinischen Sprachen aufgenommen worden sind (Beispiel fagaw, {14A-2112}). Das Schema der Konsonanten ist möglicherweise weiter zu ergänzen. Ein stimmhaftes [ z ] und die Laute bzw. Lautkombinationen [ nj ], [ tʃ ] und [ dʒ ] kommen in einigen filipinischen Sprachen bzw. Dialekten selten vor { Aganan 1999 p. 4}. Weiterhin werden durch umgangssprachliches Zusammenziehen von Silben die Laute [ ʃ ] und [ ʒ ] häufig gebildet {14-2.1.2}.


14-2.1.2 Konsonantenkombinationen

Im Allgemeinen besitzt die filipinische Phonologie keine Konsonantenkombinationen (kumpọl-katinig, englisch 'cluster') innerhalb einer Silbe. Vorwiegend umgangssprachlich, werden häufig Silben zusammengezogen, wobei der Vokal einer unbetonten vorderen Silbe entfällt und eine Konsonantenkombination in der nachfolgenden betonten (oder alleinigen) Silbe entsteht. Diese Kombination kann als solche gesprochen werden, oder es werden statt dessen andere Konsonanten in die filipinische Phonologie eingeführt.

In nicht angepassten spanischen und englischen Lehnwörtern finden sich häufiger Konsonantenkombinationen, die jedoch nach unserer Definition nicht der filipinischen Phonologie angehören {14-2.6}.


14-2.1.3 Vokale

(1) Das Schema der filipinischen Vokale besteht aus fünf Phonemen / a i o u e /, die gespannte und ungespannte Allophone besitzen {14A-2131}. Zwischen den Lauten der Phoneme / o / und / u / besteht eine beschränkte Allophonie, desgleichen für / e / und / i /.

i   ɪ ʊ   u
e   ɛ  ɔ   o
 a   ʌ 

Es gibt kurze und lange Vokale. Die Vokallänge hängt weitgehend mit der Betonung zusammen {14-3.1}. Die Vokallänge wird ebenso wie die Betonung orthografisch nicht gekennzeichnet. Lange Vokale werden auch durch Lautänderungen gebildet {14-2.5.3}. Die Wahl der Allophone ist nur beschränkt dem Sprecher überlassen. Vereinfachend kann folgende Tabelle aufgestellt werden.

PhonemKurzer VokalLanger Vokal

/ a /Vorwiegend [ ʌ ] akọ [ʔʌ'kɔ],
seltener [ a ].
Stets [ a ] bakit ['ba:.kɪt].
/ i /Vorwiegend [ ɪ ] kidlạt [kɪd'lʌt],
seltener [ i ].
Vorwiegend [ i ] biro ['bi:.rɔ]
seltener [ ɪ ].
Möglichkeit des Lautwechsels von / i / nach [ e: ɛ ] {14-2.5.7}.
/ o /Häufiger [ ɔ ] hapon ['ha:.pɔn],
weniger häufig [ o ].
Häufiger [ o ] oo ['ʔo:.ʔɔ]
weniger häufig [ ɔ ].
Möglichkeit des Lautwechsels von / o / nach [ u: ʊ ] {14-2.5.5}.
/ u /Vorwiegend [ ʊ ] pulạ [pʊ'lʌ],
seltener [ u ].
Vorwiegend [ u ] mura ['mu:.rʌ]
seltener [ ʊ ].
/ e /Häufiger [ ɛ ] ate ['ʔa:.tɛ],
weniger häufig [ e ].
Häufiger [ e ] ewan [ʔe:.vʌn]
weniger häufig [ ɛ ].
Möglichkeit des Lautwechsels von / e / nach [ i: ɪ ] {14-2.5.7}.

(2) / a / ist der bei weitem am häufigsten vorkommende Vokal in filipinischen Wörtern, / e / ist selten {14A-2132}. Ein dem Laut [ ə ] ähnlicher Vokal (mittlerer Zentrallaut 'Schwa') kommt in der filipinischen Phonologie fast nicht vor.

Über die indigenen filipinischen Vokale bestehen unterschiedliche Meinungen {14A-2133}. Sicher ist, dass / a i u / und sehr wahrscheinlich auch / o / in vorspanischer Zeit verwendet wurden. / e / ist weniger sicher. Unsicher ist auch, ob lange Vokale auf den Einfluss anderer Sprachen zurückzuführen sind.


14-2.1.4 Diphthonge

Es werden folgende Diphthonge (kumpọl-patinig) gebildet (in orthografischer Darstellung):

iw iy uy
ey oy
 aw ay 

Über die genaue Phonetik der filipinischen Diphthonge haben wir nur wenig Daten gefunden, im Anhang {14A-2141} sind einige Daten mit Beispielen zusammengestellt.

Die phonologische Bindung zwischen den Bestandteilen des Diphthonges ist in der filipinischen Sprache nicht sehr eng. So kann eine Silbengrenze den Diphthong in Vokal und Konsonant aufspalten {14-2.5.6}. Vermutlich ist das der Grund, warum in der filipinischen Orthografie die Diphthonge durch Vokal + Konsonant (<w> oder <y>) dargestellt werden. Das entspricht teilweise der spanischen Orthografie (Beispiel spanisch <hoy> und filipinisch <baboy>), jedoch nicht in allen Fällen (Beispiel spanisch <carabao> und filipinisch <kalabaw>). Diese Darstellung schafft einen deutlichen Unterschied zwischen Diphthong und Hiatus (wie z.B. in tao ['ta:.ʔɔ]).


14-2.2 Silben und Wörter

14-2.2.1 Silben

(1) Die filipinische Sprache besitzt keine Silben ohne Vokal. Auch gibt es - von möglichen Ausnahmen abgesehen - keine nackten Silben {14-2.5.6}. Ist kein anderer Konsonant der Anlaut, steht [ ʔ ], der Konsonant Po, vor dem Vokal. Steht nur ein Konsonant zwischen zwei Vokalen, so bildet er in der filipinischen Sprache den Anfangsrand der zweiten Silbe (Beispiele bago ['ba:.gɔ], hiwain [hɪ'va:.ʔɪn]). Zwei aufeinanderfolgende Konsonaten an einer Silbengrenze werden auf beide Silben verteilt (Beispiel binyạg [bɪn'jʌg]). Silben in filipinischen Wörtern können folgende Strukturen besitzen:

KV   KVK

(2) Enthält eine Silbe einen Diphthong, so kann nach diesem in der gleichen Silbe kein Konsonant folgen. Man kann sagen, dass der Diphthong die Kombination Vokal und Konsonant ersetzt. Daher kennzeichnen wir bei der Beschreibung des Silbenaufbaues den Diphthong VD. Da die filipinische Sprache keine nackten Silben besitzt, ist die einzige Silbenbildung mit Diphthong:

KVD

Kompliziertere Silben kommen in filipinischen Wörtern nicht vor (Ausnahme sind Silben mit Konsonantenkombinationen {14-2.1.2}). In der filipinischen Phonologie werden Silbengrenzen beim Sprechen deutlich beachtet; das gilt sowohl innerhalb eines Wortes und zwischen Wörtern. Silbengelenke, nackte Silben u.Ä. gibt es nicht (Ausnahme {14-2.5.6}).

(3) Etwa die Hälfte der Silben der filipinischen Stammwörter endet auf einen Vokal (siehe jedoch {14-2.5.4 (2)}), die knappe Hälfte auf einen Konsonanten (einschließlich [ ʔ ]) und die etwa restlichen 5 % auf einen Diphthong {W Stat-Phon 2.3}. Alle Konsonanten können am Silbenanfang stehen, wenn auch mit sehr unterschiedlicher Häufigkeit.

(4) Am Silbenende liegen vermutlich bezüglich der Konsonanten Einschränkungen vor. Wir haben in der Schriftsprache kein Beispiel mit [ h ] am Silbenende gefunden, [ h ] kann jedoch als Wortauslaut vorkommen {14-2.5.4 (2)}. Das einzige Beispiel mit [ r ] an einem Silbenende ist adạrna [ʔʌ'dʌr.nʌ], das möglicherweise kein Wort filipinischen Ursprunges ist. Der Konsonant [ b ] steht selten am Silbenende (Beispiel labnạw [lʌb'nʌʊ]).

Po [ ʔ ] ist viel häufiger am Silbenanfang als am Silbenende. [ n ] und [ ŋ ] sind häufiger am Silbenende als am Anfang. Da <y> und <w> am Silbenende Diphthonge bilden, kommen sie dort als Konsonanten nicht vor.


14-2.2.2 Einsilbige Wörter

Einsilbige Wörter sind Kurzwörter {11-1} (wenn es nicht Abkürzungen von zweisilbigen Wörtern sind, Beispiel di von hindị). Sie können folgenden Aufbau haben:

KVKVKKVD

Beispiele sind:

  [ʔe:] ang   [ʔʌŋ] ay   [ʔaɪ]
sa   [sʌ]
na   [nʌ]
ng, nang   [nʌŋ]
man   [mʌn]
daw   [daʊ]

Die meisten enklitische Kurzwörter enden auf Vokal, Konsonant [ n ] oder Po (Ausnahme daw).


14-2.2.3 Zweisilbige Stammwörter

Mit nur wenigen Einschränkungen können Silben zu zweisilbigen Wörtern kombiniert werden. Der Großteil der filipinischen Stammwörter hat folgenden Bau:

KV.KVKV.KVKKV.KVD

KVK.KVKVK.KVKKVK.KVD

KVD.KVKVD.KVKKVD.KVD

In der nachfolgenden Tabelle sind einige Beispiele aufgeführt.

oo ['ʔo:.ʔɔ]
aga ['ʔa:.gʌ]
paạ [pʌ'ʔʌ]
bago ['ba:.gɔ]
mga   [mʌ'ŋʌ]
uọd [ʔʊ'ʔɔd]
apat ['ʔa:.pʌt]
uw  [ʔʊ'vɪʔ]
loọb [lɔ'ʔɔb]
laban ['la:.bʌn]
bata  ['ba:.tʌʔ]
apọy [ʔʌ'pɔɪ]
bahay ['ba:.haɪ]

adyạ [ʔʌd'jʌ]
gab-ị [gʌb'ʔɪ]
gandạ [gʌn'dʌ]
an-ạn [ʔʌn'ʔʌn]
buklọd [bʊk'lɔd]
akd [ʔʌk'dʌʔ]
akbạy [ʔʌk'baɪ]
lakbạy [lʌk'baɪ]
labnạw [lʌb'naʊ]

ayna ['ʔa:ɪ.nʌ]
baysạ   [baɪ'sʌ]
aynạt [ʔaɪ'nʌt]
laywạn   [laɪ'vʌn]
ay-ạy [ʔaɪ'ʔaɪ]
lay-aw ['laɪ.ʔaʊ]
sawsạw [saʊ'saʊ]

Obige Darstellung bezieht sich auf Einzelwörter {14-1 (3)}. Die Hinzufügung eines Endkonsonanten wird als Lautänderung in der phonologischen Phrase betrachtet und in Abschnitt {14-2.5.4 (2)} behandelt.


14-2.2.4 Drei- und mehrsilbige Stammwörter

Drei- und mehrsilbige Stammwörter sind in der filipinischen Sprache viel seltener als zweisilbige Stammwörter. Möglicherweise sind einige dieser Wörter Lehnwörter, Ableitungen oder Zusammensetzungen, die als solche nicht oder nur schwer erkennbar sind.


14-2.3 Silben in den Wortstämmen

Laute und Silben verhalten sich unterschiedlich, wenn sie an verschiedenen Stellen in einem Wortstamm stehen. Die dafür geltenden Regeln stehen in einem Zusammenhang mit den Regeln für Lautänderungen bei der Bildung abgeleiteter Wörter. Wegen der trotzdem bestehenden Unterschiede betrachten wir hier Regeln, die innerhalb eines Wortstammes gelten und in einem anderen Abschnitt Lautänderungen {14-2.5}.

Wir betrachten zunächst Beziehungen zwischen dem Endlaut einer Silbe und dem Anlaut der nächsten Silbe innerhalb eines Wortes. Es schließen sich andere Beziehungen zwischen aufeinanderfolgenden Silben an.


14-2.3.1 Vokale an Silbenende und am Anfang der nächsten Silbe (Hiatus)

Wir betrachten die Kombination [_V.ʔV_] in zwei aufeinanderfolgenden Silben, die als Hiatus bezeichnet wird {14A-2311}. Dabei endet eine Silbe mit einem Vokal und die nachfolgende Silbe beginnt mit [ ʔ ]. Diese Kombination kommt in etwa 4 % der Wortstämme vor {W Stat-Phon 7}. Vokal / a / verbindet sich mit / a / (Beispiel daạn) , aber auch mit anderen Vokalen (Beispiele paẹt, baịt, baon). Bei / e i / und / o u / als Silbenendlaut kommen fast ausschließlich die gleichen Vokale in der nächsten Silbe vor, und die nächste Silbe ist betont (Beipiele leẹg, biịk, poọk, buọ. Beispiel Ausnahme bei Betonung oo).


14-2.3.2 Doppelkonsonanten

Treffen in zwei- und mehrsilbigen Wortstämmen zwei Konsonanten am Silbenende und Silbenanfang der nächsten Silbe zusammen ([_K.K_]), so sind diese Konsonanten unterschiedlich. Durch Affigierung entstehen Doppelkonsonanten (Beispiele: paggawạ [pʌg.gʌ'vʌʔ], pangngalan [pʌŋ'ŋa:.lʌn]).


14-2.3.3 Nach Nasallauten folgende Konsonanten

Genauer haben wir die Beziehung zwischen Silben, die auf einen Nasallaut enden, und dem Anfangskonsonanten der folgenden Silbe betrachtet (auch für drei- und mehrsilbige Wörter) {14A-2331}, {W Stat-Phon 6}:

Es soll darauf hingewiesen werden, dass hier die Beziehungen zwischen Lauten innerhalb von Wortstämmen betrachtet werden. Die Frage stellt sich anders, wenn man Lautänderungen bei abgeleiteten Wörtern betrachtet, bei denen ein auf [ ŋ ] endendes Präfix verwendet wird {14-2.5.2}.


14-2.3.4 Aufeinanderfolgende Silben

Für zweisilbige filipinische Stammwörter haben wir einige Verhaltensweisen durch statistische Vergleiche gefunden:


14-2.3.5 Vokale o und u

In mehrsilbigen Stammwörtern kommt der Vokal / o / in der Regel nur in der letzten Silbe vor {W Stat-Phon 4.1}, Beispiele in {14A-2351}. Ausnahmen sind Wörter mit Lautfolge /_o.ʔo_/ (Beispiel loọb [lɔ'ʔɔb]); eine weitere Ausnahme ist bohọl [bɔ'hɔl], das keine Variante von buhọl [bʊ'hɔl] ist. Der Vokal / u / kommt in der letzten Silbe fast nicht vor (Beispiele für Ausnahmen sind sampụ [sʌm'pʊʔ] und das aus inạ ko zusammengezogene Naku! [nʌ'ku:]).


14-2.3.6 Konsonanten in verschiedenen Silben

Wir betrachten die Konsonanten [ d ] und [ r ] zusammen, da sie sich in gewissem Maße ergänzen {14A-2361}. [ r ] gehört zu den seltener vorkommenden Konsonanten der filipinischen Phonologie, am Silbenende kommt er fast nicht vor. Am Wortanfang kommt [ r ] sehr selten vor (Beispiel rabạw [rʌ'baʊ]). Am Silbenanfang innerhalb eines Wortes steht häufiger [ r ] zwischen zwei Vokalen (Beispiel araw ['ʔa:.raʊ]). Der Konsonant [ d ] kommt häufig am Wortanfang vor und am Silbenanfang, wenn die vorige Silbe auf einen Konsonanten endet. Zwischen zwei Vokalen ist [ d ] sehr selten (Beispiel duda ['du:.dʌ]).

Als Silbenanlaut kommt Po [ ʔ ] häufig in der ersten Silbe eines Wortstammes vor, in anderen Silben fast ausschließlich nach auf Vokal endender voriger Silbe [_V.ʔV_] (Beispiel loọb [lɔ'ʔɔb], Beispiel für Ausnahme an-ạn [ʔʌn'ʔʌn]). Durch Affigierung entstehen häufig Kombinationen der Form [_K.ʔV_] (Beispiel mag-away [mʌg'ʔa:.vaɪ]). Am Silbenende kommt Po nur in der letzten Silbe eines Wortes vor, dort jedoch häufig.


Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/filipino/sy_tunog_1.htm
19. April 2010 / 14. Oktober 2013

Die filipinische Sprache - Ende 14 Phonologie und Orthografie (Datei 14/1)

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