15A Anhang zu Morphologie

{15A-211 Θ}   Wortstämme und Wortarten

Nach unserer Auffassung sind Wortarten eine Klassifizierung der Wörter, die in der Sprache verwendet werden. Dementsprechend können Wortstämme an sich keiner Wortart zugerechnet werden. Werden sie ohne Änderung in der Sprache verwendet, werden sie zu Stammwörtern, die einer Wortart angehören. Es kann also eine gewisse Affinität zwischen Wortstamm und einer bestimmten Wortart bestehen. Diese ist jedoch nicht a priori vorhanden, sondern wird durch die Verwendung als Stammwort geschaffen.

Diese Auffassung wird unterstützt, wenn man betrachtet, wie Fremdwörter in die filipinische Sprache importiert werden (siehe Beispiel ni-released in {15-2.4}).


{15A-212}   Wortstämme in Wörterbüchern

In filipinischen bzw. Tagalog Wörterbüchern wird häufig der Wortstamm als Haupteintrag mit Wortart {N} = Substantiv angegeben. Daraus kann nicht unbedingt geschlossen werden, dass dieses Wort tatsächlich als Substantiv in der Sprache verwendet wird. Vermutlich wird der Eintrag vorgenommen, um dem Benutzer das Verständnis der Wortfamilie zu erleichtern. L. J. English { LJE} verfährt hier sehr sorgfältig. Ist der Wortstamm eingeklammert, kann davon ausgegangen werden, dass er nicht als Substantiv verwendet wird. Ist er nicht eingeklammert, aber durch ein zweites Wort - meist ein Gerundium - ergänzt, wird das Stammwort nicht oder nur sehr selten als Substantiv verwendet, wenn kein Beispielsatz dazu angegeben ist:

(ubos), pag-ubos, pagkaubos: Kein Stammwort ubos.
lakad, paglakad: Beispielsatz zu Substantiv lakad, gebräuchlich.
lapit, kalapitan: Kein Beispielsatz zu Substantiv lapit, selten bzw. ungebräuchlich.
putol: Kein Beispielsatz zu Substantiv putol, selten bzw. ungebräuchlich.

Die Begriffe 'selten' und 'ungebräuchlich' sind schwer eindeutig festzulegen. Ungebräuchliche Konstruktionen können jedoch allgemein verständlich sein. Dann können sie verwendet werden, um einem besonderen Effekt zu erzielen (z.B. in einem Schlagertext) und dadurch plötzlich gebräuchlich werden.

In unserem Wörterbuch { Möller 2013 WB} gehen wir wie folgt vor:


{15A-213}   Beispiele: Wortstämme, die mit abweichender Betonung Substantiv und Adjektiv bilden

 
{X/N} - {J}{X/N} - {J}{X/N} - {J} {X/N} - {J}
babad - babạd basag - basạg bawas - bawạs bihag - bihạg
bilog - bilọg bunot - bunọt buhay - buhạy galit - galịt
gayat - gayạt gutom - gutọm pagod - pagọd sunog - sunọg
takot - takọt uhaw - uhạw

Beispiele: Wortstämme, die gleichzeitig Substantiv und Adjektiv sind

 
{X/N} - {J}{X/N} - {J}{X/N} - {J} {X/N} - {J}
abọt - abọt bata - bata batọ - batọ dalạ - dalạ
kasạl - kasạl patạy - patạy takas - takas

{15A-214 Θ}   Klassifizierung der Wortstämme

Entsprechend ihrer Verwendung als Stammwort können filipinische Wortstämme bezüglich ihrer Affinität zu wortartähnlichen Klassen {*} eingeteilt werden. Die folgende Tabelle ist ein Ansatz zu einer solchen Einteilung.

{*}   Der beschränkende Begriff 'Affinität zu wortartähnlichen Klassen' soll ausdrücken, dass Wortstämme damit keineswegs die Zugehörigkeit zu Wortarten annehmen. Sie sind Stämme und keine Wörter und können dies daher nicht {15A-211 Θ}.
Affinität des Wortstammes zu

keine
Konkretum
Abstraktum

Eigenschaft

Eigenschaft

Tätigkeit

Tätigkeit

...

---{N}{N}{J}{VA} {**} {VP} {**}{...}
[arap]
 bahay
 gandạ
 ganạp  
 putol  
 ubos  
 tungkọl
 bata  bata 
 tulog  tulog 
 alịs  alis 
 sabit  sabitsabit 
 mahạl  mahạl mahal 
 kain kain 
{**}   Verben werden stets mit Affixen gebildet, der Wortstamm kann als verkürzte Verbform verwendet werden.

Die Tabelle zeigt, dass eine Anzahl Wortstämme alleinstehend nicht verwendet werden (erste Spalte links). Andere besitzen Stammwörter, die eindeutig in eine der Gruppen Konkreta/Abstrakta, Eigenschaften und Tätigkeiten eingeteilt werden können. Weitere Stammwörter gehören mehreren Gruppen an, können also verschieden verwendet werden.

Wortstämme, die entsprechend dieser Einteilung der Gruppe Eigenschaften zugehören, können das Stammwort als Substantiv oder als Adjektiv bilden.

Eine andere Betrachtungsweise ist folgende: Wortstämme können vom filipinischen Sprachgefühl mit Konkretum/Abstraktum, Eigenschaft oder Tätigkeit assoziiert werden und dementsprechend ohne Affixe als Stammwort verwendet werden. Wortstämme, die nicht mit einer dieser Gruppen assoziiert werden, können nicht alleinstehend als Stammwort verwendet werden.

Aus der Tatsache, dass Wortstämme mit Affixen Verben bilden, darf nicht geschlossen werden, dass das Sprachgefühl sie mit Tätigkeiten identifiziert. So hat der Stamm arap sowohl abgeleitete Verben wie mangarap und abgeleitete Substantive wie pangarap. Wegen der fehlenden Identifzierung mit einer Tätigkeit ist ein Satz wie Arap na ako unverständlich und daher nicht möglich.

Weitere Beispiele sind:

 
{X}arap
{X/N}anạk bahay baịt buhay bilog butas gandạ lason pagod
{X/J}ganạp pangit
{X/VA}dap hasa lapit putol uw
{X/VP}ubos
{X/...}agạd {D} doọn {MA.PD} tungkọl {O}
{X/N,J}abọt bata dalạ kaya
{X/N,D} mukh
{X/N,VA}ligo tulog
{X/N,VP}alịs
{X/N,J,VA}sabit
{X/N,J,VP}mahạl
{X/VA,VP}kain
Sonderfälledal ist {X/VA}. Die {X/VA}-Form ist eine Verkürzung von magmadalị {VA01/mag-madali}.
tapon {XN ? X/VP}.
tuwịd Die Wortfamilie von tuwịd enthält verkürzte Bildungen (z.B. matwịd und mangatwiran).

{15A-215}   Sinnverwandte Wortstämme, die sich nur im Anlaut unterscheiden

 
alọg - kalọg baya - haya kambạl - tambạl ipit - sipit
ipon - tipon pigil - tigil dinịg - kinịg

{15A-251}   Bedeutungsänderung filipinischer Wörter

Wir schließen hier bereits in die filipinische Sprache integrierte Lehnwörter ein, die einem lokalen Bedeutungswandel unterliegen.

 
Ursprüngliche Bedeutung Neue Bedeutung

bala {N/Es} GeschossCD-Platte, Wechseldatenträger
pagọng SchildkröteComputermaus
pala--an {8A-217}Behälter
palabigasan
System
palaugnayan
sabitAufgehängt sein. Im übertragenen Sinn, sich hinten am Jeepney anhängen, ohne zu bezahlen, entspricht dem deutschen Trittbrettfahrer.

{15A-321}   Gebrauch der Affixe ma- und mang-

 
{J}{VA..}{VA..}{VA..} {VP..}
ma-mang--um- mag- ma-

ma- Adjektiv, aber kein ma- Aktivverb
[1]bigạt{N}mabigạt  mamigạt
[2]putl{N} maputlmamutl
[3]bilog{N}mabilog bilọgmamilogmabilog
[4]pulạ{J}mapulạ mamulạpumulạ
[5]put{N}maput putmamutpumut
[6]gandạ{N} magandạgumandạ
[7]hirap{N}mahirap humirap
[8]sayạ{N} masayạsumayạ magsayạ
[9]ulạn{N} maulạn umulạn
[10]itịm{J}maitịm umitịm
[11]hina{N}mahina humina
Ausnahmen: ma- Adjektiv und ma- Aktivverb
[12]abọ{N} maabọmaabọmaabọ
[13]lapit {X/VA}malapit malapitmalapit
[14]lumbạy{X} malumbạymalumbạy
Kein ma- Adjektiv, aber ma- Aktivverb
[15]tapos{N} tapọsmataposmagtapos matapos
[16]abọt{N} abọtmaabọtumabọt maabọt
[17]gutom{N} gutọmmagutom
[18]inggịt{N}  mainggịt
[19]ligo{N} maligo
[20][noọd]{X}  manoọd
[21]tulog{N}tulọg matulog
[22]wal{J} mawal
[23]bas{J}  mabasmamas magbasmabas
[24]buhay{N} buhạymabuhaymamuhay
[25]up{N}  maup umupo
[26]talo{J} matalo manalotumalo matalo
Kein ma- Adjektiv und kein ma- Aktivverb
[27]gamọt{N} manggamọt
[28]palẹngke{N} mamalẹngke
[29]ulo{N} mangulo
[30]galing{J} manggaling
[31]puno{N} mamuno
[32]sagọt{N} managọtsumagọt masagọt
[33]itlọg{N} mangitlọgumitlọg
[34]patạy{N}patạy mamatạypumatạy
[35]putọk{N}mamutọk pumutọk
[36]hirạm{J} manghirạmhumirạmmahirạm
mahirạm

{15A-322 Θ}   Möglicher Zusammenhang zwischen Flexionspräfix na- und den Wörtern nasa und nasaan

Wir stellen zunächst einige Daten zusammen.

Es lässt sich folgende Tabelle aufstellen.

anọ umanọumanọ umaanọaanọ
anuhịninanọinaanọ aanuhịn
sanasa
saạn nasaạn
ditonaritọ nariritọ
diyạnnariyạn naririyạn
doọnnaroọn naroroọn
ditonanditọ nandiditọ
diyạnnandiyạn nandidiyạn
doọn nandoọnnandodoọn

Die Tabelle legt eine Hypothese nahe, dass die Wörter nasa und nasaạn ebenfalls Präteritumformen von rudimentären Verben sind. Folgt man diesem Gedankengang, kommt man zu folgenden Ergebnissen:

Diese Hypothese besitzt eine Anzahl Schwächen:

Anstoß zu diesen Überlegungen gab Herr Prof. Himmelmann, Münster, bei einem Gespräch im April 2006, ich möchte mich an dieser Stelle für seine Anregungen sehr bedanken.


{15A-331}   Suffixe -an und -in

Stamm-EndungSuffixStammSubstantiv Verb

Vokal-han -hin basabasahin
pulạkapulahạn pamulahịn
sabi kasabihạnsabihan sabihin
bilịbilihan bilhạn bilhịn
bago baguhanmabaguhan baguhin
damọdamuhạn
-nan -ninbihasa kabihasnạn
paạpaanạn
salakasalanan
sarilikasarilinan
talotalunin
tawa makipagtawanạn
-ankita makitaan !!
Diphthong
{14-2.5.6}
-an -in apọy [ʔʌ'pɔɪ] apuyan [,ʔa:'pu:.jʌn] apuyịn [ʔʌ.pʊ'jɪn]
galạw [gʌ'laʊ] galawịn [gʌ.lʌ'vɪn], [gʌ.laʊ'vɪn]
Konsonant-an -in bigkạspalabigkasan bigkasịn
hugas hugasạnhugasan
Konsonant
Po
[ʔ]
-an -in dayadayaạn dayain magdayaạn
isd palaisdaanpangisdaạn
simul simulainpapagsimulaịn
 simulạn !!
wal walain {J}walaịn
 mawalạn !!
surisuriạn suriin
tahtahian tahiịn
tulo patuluan patuluin
hinthintuan hintuạn

{15A-332}   Verkürzte Bildungen mit Suffixen -an und -in

Endlaut des Wortstammes
Vokalbilị - bilhạn, bilhịn.   dalạ - dalhạn, dalhịn.   kuha - kunan, kunin.   sarạ - sarhạn.   sarili - kasarinlạn.
Diphthongbigạy - bigyạn.
Konsonantasịn - asnạn.   bukạs - buksạn.   datịng - datnạn, datnịn.   tanịm - tamnạn.   tikịm - tikmạn.   tingịn - tingnạn.

{15A-341}   Verschmelzung des Präfixes ka- mit dem Wortstamm

Bei Verbindung des Präfixes ka- mit Wortstämmen, die mit Vokal anlauten (genauer mit [ʔV]), entsteht im Allgemeinen ein Hiatus. In einigen Fällen findet eine Verschmelzung des Hiatus zu einem Diphthong statt (Beispiele kaibigan [kaɪ'bi:.gʌn], seltener [kʌ.ʔi'bi:.gʌn]; kailan [kaɪ'lʌn], seltener [kʌ.ʔɪ'lʌn]; jedoch keine Verschmelzung bei kaibahan [kʌ.ʔɪ.bʌ'hʌn]).


{15A-501 }   Wortarten in der linguistischen Literatur

(1) Die Problematik der filipinischen Wortarten wird auf zwei prinzipiell unterschiedliche Weisen angegangen. Eine Gruppe von Autoren zieht die Schlussfolgerung, dass eine Einteilung in konventionelle Wortarten nicht möglich und sinnvoll ist. Innerhalb dieser Gruppe wird von u.a. { Bloomfield 1917} und { Himmelmann 1987} eine Einteilung in Inhalts- und Funktionswörter vorgenommen.

(2) { Bloomfield 1917} führt für Tagalog zwei Wortarten 'full words' und 'particles' ein. 'Full words' sind in § 55 definiert: 'In contrast with the particles, full words act not only as attributes, but also as subject or predicate, and any full word may, in principle, be used in any of these three functions.'; 'particles' sind also eine Restgruppe. Die Definition der Wortarten bei Bloomfield ist syntaktisch (der § 55 ist der vierte Paragraph im Teil 'B. Syntax'). Zusätzlich werden in § 56 eingeführt: 'Independent of this classification into parts of speech are certain less important groupings of words and certain phrase types, some of which will appear in the course of the analysis.'

Die 'less important groupings of words' entsprechen etwa den konventionellen Wortarten. Aus vermutlich praktischer Notwendigkeit werden sie in der Arbeit von Bloomfield weitaus häufiger verwendet als seine mehr theoretischen Wortarten. Ein Punkt verdient Aufmerksamkeit, der Teilsatz 'independent of this classification into parts of speech'; Inhalts- und Funktionswörter sind also keine "Überklassen" der konventionellen Wortarten (vgl. (4)).

(3) Bei { Himmelmann 1987 p. 78} steht der Begriff 'die große Klasse der affigierbaren bzw. affigierten Wörter, d.h. die Vollwörter'.

(4) Eine andere Gruppe betrachtet die Problematik der filipinischen Wortarten als weniger erheblich und übernimmt die klassischen Wortarten. Wegen der dabei auftretenden Probleme werden Anpassungen vorgenommen. Die Begriffe Inhalts- und Funktionswörter treten nicht an Stelle des Begriffes Wortarten, vielmehr werden die verschiedenen Wortarten in jeweils eine dieser Gruppen eingeteilt. Dabei gibt es kein einheitliches System. So gehören z.B. bei { Lopez 1941 p. 36} die Pronomen zu den Partikeln (Funtionswörter), während sie bei { Aganan 1999 p. 21} und { Santiago 2003-B p. 121} Inhaltswörter sind.

(5) Bei { Aganan 1999 p. 21} sind Inhaltswörter (pangnilalaman) ein Überbegiff für Nomina, Verben und panuri (Adjektive und Adverbien).

(6) Wir möchten einen Vortrag zitieren, der über Bahasa Indonesia gehalten wurde. Das Zitat gilt sinngemäß auch für Filipino:

'In vielen Einführungen zur und Aufsätzen über die Bahasa Indonesia kann man lesen, daß sich die Sprache nur schwer mit den Mitteln der klassischen Grammatik beschreiben läßt. Dennoch wird immer wieder versucht, der Bahasa Indonesia das Korsett der klassischen Grammatik aufzuzwängen. Wie auch beim "Passiv", ..., so ist es auch bei der Wortarteneinteilung schwer bis unmöglich, die altherbegrachte Terminologie auf den Befund in der Bahasa Indonesia zufriedenstellend anzuwenden. Wenn sich auch manche Wörter mehr oder weniger klar einer Wortart zuordnen lassen (Zahlwörter, Eigennamen), so gibt es doch einen unübersehbar großen Anteil am Wortschatz, der die geläufigen Abgrenzungen überspringt, insbesondere die Grenzen zwischen Substantiv, Adjektiv, Verb und Präposition sind nur sehr verwischt zu ziehen.' { Wohlgemuth WA}.

{15A-511}   Beispiele zu den syntaktischen Wortarten

 
 BeispielMorphologische Wortart

Inhaltswörter
lumakad, bahay, magandạ Verb, Substantiv, Adjektiv
akọ, ko, dito, sino Pronomen
kamakalawạ, sabay-sabay Adverb
bukas, noọn Adverb (kann Attribut besitzen)
lagi, lubh, mas Adverb (mit Ligatur, bildet Phrase)
bak, hind Adverb (Interklitbezugswort)
bagoKonjunktion (Interklitbezugswort)
Funktionswörter
ang, na, nangBestimmungswort
si, mgaArtikel
para, buhat, mul Präposition
nasa, bilang, sa may SA-Präposition
Alleinwörter
na, ba, daw, munaEnklitische Adverbien
halos, tilaNicht-enklitische Kurzwort-Adverbien
akọ, koInterklitpronomen
kahit, kungKonjunktion
a, hay, nakṳInterjektion

{15A-512 }   Syntaktische Wortarten

(1) Wir haben uns von dem Ansatz von Bloomfield {15A-501 (2)} leiten lassen, der zwei Wortarten in der filipinischen Sprache definiert, 'full words and particles'. Inhaltswörter ('full words') haben die Fähigkeit, Prädikat und Subjekt zu bilden. 'Particles' sind die Restklasse der Wörter, die dies nicht können. In § 54 werden die 'particles' unterteilt in 'to stand in the relations' und 'to express the relations'. Somit sind sehr unterschiedliche Wörter 'particles', was in den Abschnitten bei Bloomfield über 'Absolute attributes' (§§ 213-310) deutlich sichtbar wird.

An dieser Stelle haben wir den Bloomfield'schen Ansatz verlassen. Zunächst führen wir Disjunkte als Phrasen ein, dann erweitern wir die Definition der Inhaltswörter auf alle phrasenbildenden Wörter (so werden Wörter wie araw-araw Inhaltswörter, § 258). Die verbleibende Restklasse teilen wir in Funktions- und Alleinwörter, was etwa der Einteilung bei Bloomfield in 'to express the relations' und 'to stand in the relations' entspricht.

(2) Aus der Bloomfield'schen Definition der Inhaltswörter wird deutlich, dass Prädikat und Subjekt in der filipinischen Sprache von der gleichen Klasse von Wörtern gebildet werden (bei unserer Definition der Inhaltswörter geht dies verloren). Diese wichtige Feststellung wird in unser Strukturmodell dadurch eingefügt, dass wir die Möglichkeit des Tausches {2-2.3} und die damit verbundene Symmetrie von Prädikat und Subjekt {2-2.4} betrachten. So können wir auf diesen Punkt bei der Definition der syntaktischen Wortarten verzichten.


{15A-521 Θ}   Morphologische Wortarten

"Trotz der prinzipiellen Bedenken benötigen wir aus praktischen Gründen eine detaillierte Einteilung der Wörter der filipinischen Sprache in Gruppen, die über die drei syntaktischen Wortarten hinausgeht. Wir nennen diese Gruppen morphologische Wortarten und definieren sie jeweils so gut wie möglich."

(1) Wir möchten als Beispiel unseren Abschnitt über Gerundien {6-6.5} betrachten. Die dort dargestellten Beziehungen erscheinen uns deutlich und wichtig genug, um sie in unsere Arbeit aufzunehmen. Ohne die Verwendung von Begriffen wie Verb und Substantiv erscheint uns eine solche Darstellung einschließlich aller dazugehörigen Einzelheiten kaum möglich. Deshalb sind wir aus praktischen Gründen gezwungen, Wortarten einzuführen, selbst wenn wir aus prinzipiellen Gründen die Kritik der modernen Linguistik an einem solchen Verfahren teilen.

(2) In der filipinischen Sprache kann nahezu jede Inhaltsphrase in jeder Funktionsphrase verwendet werden. Damit entfällt ein wichtiges Kriterium zur Unterscheidung der Wortarten; andererseits verliert dadurch die Einteilung in Wortarten an Bedeutung. Wenn man vorwiegend syntaktische Kriterien anlegt, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass Wortarten in der filipinischen Sprache nicht unterscheidbar sind und es folglich keine gibt. Um trotzdem eine Klassifizierung der Wörter zu ermöglichen, müssen morphologische und semantische Elemente herangezogen werden. Dieses Verfahren wird dadurch erschwert, dass es nur wenige Flexionsparadigmen gibt und die meisten Affixe nicht wortartspezifisch sind. Deshalb sind die folgenden Eigenschaften der filipinischen Sprache zu berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund legen wir folgende Regeln fest:

(3) Möglicherweise sollte man aus der Tatsache, dass Verb, Substantiv und Adjektiv sich in Funktionsphrasen (nahezu) gleich verhalten, nicht schließen, dass es diese unterschiedlichen Wortarten in der filipinischen Sprache nicht gibt und eine entsprechende Klassenbildung nicht möglich ist. Dann wäre unsere Trennung doch nicht nur praktischer Natur, sondern ein Ansatz, die genauen Eigenschaften dieser morphologischen Wortarten in der filipinischen Sprache aufzudecken. Um dies tun zu können, muss man in der filipinischen Sprache das von den indogermanischen Sprachen gewohnte Postulat des Zusammenhanges zwischen Morphosyntax und Wortarten fallen lassen oder lockern.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass sich die Betonungsregeln für abgeleitete Substantive und Adjektive deutlich von denen für Verben unterscheiden {14-3 (2)}. Offenbar gibt es bei pa- Ableitungen unterschiedliche Betonungsregeln für Substantive und Adjektive {15-3.5 [15|16a]}.


{15A-522 }   Wortarten bei Aganan

Unsere Einteilung in Wortarten weicht von der in { Aganan 1999 p. 21} dargestellten in folgenden Punkten ab.


Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/filipino/sy_anyo_A.htm
23. April 2010 / 19. Oktober 2013

Die filipinische Sprache - Ende 15A Anhang zu Morphologie

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