10 Adverbien und Adverbphrasen
(Datei 10/2)

10-4 Potenzialadverbien (Modalwörter)

10-4.1 Potenzialadverbien in Verbphrasen

(1) Eine Gruppe von Adverbien modifizieren Verben so stark, dass keine Tätigkeit, sondern der Wunsch, das Bedürfnis, der Zwang o.Ä. nach dieser Tätigkeit ausgedrückt wird bzw. das Gegenteil davon [1-3]; aus dem Täter wird ein 'Erwäger' (Schlüssel für Fokus und Funktion {/ft} {6-3.2.2 (6)}). Diese Adverbien entsprechen semantisch den europäischen Modalverben, sind aber keine Verben, da sie keine Flexion besitzen. Außerdem besitzen sie weder Aktiv- noch Passivformen, das Genus wird vom Verb abgeleitet. Hinzu kommt, dass ihnen eigene Argumente fehlen; die Argumentstruktur wird durch das Verb bestimmt, auch wenn diese durch das Adverb verändert werden kann. Wir nennen diese Adverbien Potenzialadverbien (pang-abay na pangmarahil, abgeleitet von marahil 'vielleicht', Schlüssel {DP}); sie sind als eine Untergruppe der Modaladverbien zu sehen. Verneinte Konstruktionen mit Potenzialadverbien werden mit hindị gebildet [4].

 
[1]Dapat nang matulog ang bata. Das Kind muss jetzt schlafen.
[2]Gustọ mo na bang matulog? Möchtest du jetzt schlafen?
[3]Kailangan sundịn ng bata ang kanyạng magulang. Das Kind muss seinen (Kinder müssen ihren) Eltern gehorchen.
[4][a] Hind ko gustọng inumịn ang gatas. [b] Wala kong gustong inumin ang gatas. Ich mag die Milch nicht trinken.

(2) Die Zuordnung der Potenzialadverbien zu den Adverbien ist damit zu begründen, dass sie keine Verben sind (damit auch keine Hilfsverben), jedoch in der Regel 'ad verbum' verwendet werden. Syntaktisch ähneln sie den anderen Adverbien {10A-411}; jedoch besitzt ihre Syntax Besonderheiten. Diese Besonderheiten sind nicht so groß, dass man gezwungen wäre, für diese kleine Gruppe von Wörtern eine eigene Wortart (etwa Modalwörter) einzurichten {10A-412 }.

Oben wurde dargestellt, dass Potenzialadverbien Verbphrasen zugeordnet sind, die sie syntaktisch und semantisch erheblich beeinflussen. Da die Tätigkeit nicht wirklich ausgeführt wird, wird statt einer Zeitform in der Regel der Infinitiv verwendet {*}. Potenzialadverbien stehen vor dem Verb, zwischen ihnen und dem Verb können Kurzwörter stehen. Zwischen Potenzialadverb und Verb steht eine Ligatur, die jedoch im Einzelfall entfallen kann; die Potenzialadverbien sind Subjunkte {5-2.1 (2)}. Eine besondere Eigenschaft der Potenzialadverbien ist, dass nichtpronominale Argumente des Verbs zwischen Potenzialadverb und Verb gestellt werden können. Wegen der Analogie zum Interklit bezeichnen wir diese Konstruktionen als Interpotenzial {10-4.1.1}.

{*}   Ausnahmen: Futur kann statt Infinitiv stehen {10-4.1.3 [19]}. Futur bei huwag {10A-413}. Zeitformen {10-4.3 [5 6]}.

(3) An dieser Stelle haben wir zu erwähnen, dass Potenzialadverbien nicht nur mit Verben verwendet werden können. Die gleichen Wörter bilden auch Konstruktionen, bei denen sie sich wie Substantive [5-7], Adjektive [8] oder Adverbien [9] verhalten; siehe Übersicht im Anhang {10A-414} und siehe die Abschnitte {10-4.2} und {10-4.3}. Zusätzlich sind im Anhang syntaktische Konstruktionen der Potenzialadverbien ayaw {10A-415}, kailangan {10A-416} und gustọ {10A-417} zusammengestellt.

 
[5]Kailangan ko ng sapatos. Ich brauche Schuhe. (Subjektloser Satz mit zwei Objunkten.) {N}
[6]Kailangan ko ang tulong mo. Ich brauche deine Hilfe.{N}
[7]Sino ang may kailangan ng tulong ko? Wer braucht meine Hilfe?{N}
[8]Isạng kailangang kondisiyọn. Eine notwendige Bedingung.{J}
[9]Maaaring nasa bahay siyạ. Es kann sein, dass sie im Haus ist.{D}

(4) Die Potenzialadverbien sind bezüglich ihrer Syntax in zwei Gruppen einzuteilen {10A-418 }. Eine Gruppe besitzt nominales Verhalten {10-4.1.2}. In dieser Gruppe wird die Syntax des Satzes durch das Potenzialadverb erheblich beeinflusst, falls das Verb ein Aktivverb ist. Bei nichtnominalem Verhalten ist dies nicht der Fall {10-4.1.3}. Ist das Verb ein Passivverb und der Erwäger bereits ein Objunkt, tritt in keinem Fall eine Änderung der Syntax ein.

Bezüglich ihres nominalen Verhalten lassen sich die Potenzialadverbien in einer Skala anordnen {10A-414}. maaari verhält sich niemals nominal, am anderen Ende steht nais mit stets nominalem Verhalten. Überwiegend nichtnominal ist z.B. dapat. Die Potenzialadverbien alạm und gustọ tendieren in zunehmenden Maße zu nominalem Verhalten.

(5) In den folgenden Abschnitten betrachten wir die Syntax der Potenzialadverbien und kommen zu dem Ergebnis, dass sie alle in ein - wenn auch recht komplexes - System passen. Dies ist erstaunlich, wenn wir die Morphologie dieser Gruppe von Wörtern betrachten. Neben den zwei spanischen Lehnwörtern gustọ und puwede besteht die Gruppe aus mindestens fünf Wörtern ohne Affigierung. Das Potenzialadverb maaari entspricht einer Verbform, kailangan hat die Struktur eines affigierten Substantives (obwohl es den dazu gehörigen Stamm ilang vermutlich nicht gibt) und huwạg steht in morphologischer Verbindung zu hindị. Dieser sehr unterschiedliche morphologische Hintergrund hat keinen offensichtlichen Zusammenhang mit der Syntax der Potenzialadverbien.


10-4.1.1 Interpotenzial

(1) Konstruktionen mit Potenzialadverbien und Verben zeigen ein besonderes Verhalten, das wir als Interpotenzial bezeichnen (panggitahil, Schlüssel {IP}). Zwischen Potenzialadverb und Verb können Objunkte und das Subjekt gesetzt werden, wir sprechen von Objunktinterpotenzial (Schlüssel {IPC}) bzw. Subjektinterpotenzial (Schlüssel {IPS}). Diese Phrasen behalten ihre Bestimmungswörter, und vor das Verb wird eine Ligatur gesetzt, die nicht entfallen kann [1-7 10 12a]. Wir können diese Ligatur als die an das Ende der Interpotenzialphrase geschobene Ligatur der Subjunktphrase des Potenzialadverbs betrachten. Bei einem Subjektinterpotenzial steht das Subjekt vor dem Prädikat. Da das Prädikat kein Bestimmungswort ay erhält, sind diese Sätze Nicht-Regelsätze {13-2.3.1}; sie bleiben einfache Sätze {10A-441 Θ}.

(2) Der Subjektinterpotenzial kann unabhängig von der semantischen Funktion des Subjektes gebildet werden [1-5]. Beim Objunktinterpotenzial gibt es Einschränkungen; er wird nur für den Erwäger gebildet [6 7], jedoch nicht für den potenziellen Täter [8a|8b] oder das Tatobjekt [9a|9b].

 
[1]Hind puwede si Kikong pumuntạ sa Lipạ. Kiko kann nicht nach Lipa gehen. {10-4.1.3 [10]}{IPS} {DP/NN} {P-S/ft}
[2]Gustọ ni Linda si Jessica na mag-aral nang mabuti. Linda möchte, dass Jessica fleißig lernt. {10-4.1.2 [16]}{IPS} {DP/N} {P-S/fa}
[3]Gustọ ko ang aklạt na itọng basahin ni Juạn. Ich möchte, dass Juan dieses Buch liest. {10-4.1.2 [25]} {IPS} {DP/N} {P-S/fp}
[4]Puwede ang pahayagạng basahin ni Miguel. Miguel kann die Zeitung lesen. {10-4.1.3 [6]}{IPS} {DP/NN} {P-S/fp}
[5]Ayaw ko si Armand na bigyạn ni Imelda ng prẹmyo. Ich mag nicht, dass Imelda Armand einen Preis gibt. {10-4.1.2 [27]}{IPS} {DP/N} {P-S/fb}
[6]Gustọ ni Linda si Jessica na mag-aral nang mabuti. Linda möchte, dass Jessica fleißig lernt. {10-4.1.2 [16]}{IPC} {DP/N} {P-C/ft}
[7]Puwede ng gurong basahin ang Intsịk. Der Lehrer kann Chinesisch lesen. {10-4.1.3 [7]}{IPC} {DP/NN} {P-C/ft}
[8][a] Gustọ ko ang aklạt na itọng basahin ni Juan. [b] Gusto ko ni Juan na basahin ang aklat na ito. Ich möchte, dass Juan dieses Buch liest. {10-4.1.2 [25]}{DP/N} {P-C/fa}
[9][a] Puwedeng bumasa ng pahayagạn si Miguel. [b] Puwede ng pahayagang bumasa si Miguel. Miguel kann die Zeitung lesen. {10A-4131 [4]} {DP/NN} {P-C/fp}
Fettdruck = Interpotenzial.

(3) Werden Interpotenzial und Interklit in einem Satz gleichzeitig gebildet, so stehen Interklitpronomen vor den Interpotenzialphrasen [10]; wie bei Interklitkurzwörtern untereinander {11-3.3} gilt hier ebenfalls die Regel "kurz vor lang". Die Ähnlichkeit von Interpotenzial und Interklit ist auffallend. Jedoch sind die Phrasen beim Interpotenzial weniger beweglich als beim Interklit. In mit hindị verneinten Sätzen kann der Subjektinterklit vor dem Potenzialadverb stehen [11], während das Subjekt eines Interpotenzial nach dem Potenzialadverb stehen muss [12].

 
[10]Ayaw ko si Armand na magluto ng suman. Ich mag nicht, dass Armand Reiskuchen kocht. {10-4.1.2 [26]} {ICC} {DP/N} {P-C/ft}
{IPS} {P-S/fa}
[11]Hind akọ maaaring tumanggạp ng kahit anọ. {W Busilak 3.12} Ich darf nichts annehmen. (Kein Objunktinterpotenzial für Tatobjekt ng kahit ano.) {10-4.1.3 [15]}{ICS} {DP/NN} {P-S/ft}
[12][a] Hind puwede si Kikong pumuntạ sa Lipạ. [b] Hindi si Kiko puwedeng pumunta sa Lipa. Kiko kann nicht nach Lipa gehen. {10-4.1.3 [10]} {IPS} {DP/NN} {P-S/ft}
Fettdruck = Interpotenzial. Unterstreichung = Interklit.

Eine theoretische Bewertung des Interpotenzial nehmen wir in {10-4.4 Θ} vor.


10-4.1.2 Nominales Verhalten

(1) Eine Gruppe der Potenzialadverbien zeigt ein Verhalten, das wir als nominales Verhalten bezeichnen (gawịng makangalan, Schlüssel {DP/N}). Ist das Verb ein Aktivverb, wird die Syntax erheblich geändert; das Subjekt (der zum Erwäger gewordene Täter) wird zu einem Objunkt, das dem Potenzialadverb zugeordnet und damit Teil des Prädikates wird [1|2 3 4]. Der Satz wird subjektlos. Falls das Aktivverb bereits ein Objunkt besitzt (in der Regel das potenzielle Tatobjekt), besitzt der Satz nun zwei Objunkte (in Satz [3] ist bata der Erwäger und manggạ das potenzielle Tatobjekt). Damit rücken diese Potenzialadverbien in die Nähe von Substantiven mit einer oder zwei Objunktphrasen {10A-412 }.

Ist das Verb ein Passivverb und der Täter/Erwäger bereits ein Objunkt, tritt keine Änderung der Syntax ein [5 6]. Vorzugsweise werden mit nominalen Potenzialadverbien Passivverben verwendet, bei denen der Täter/Erwäger ein Objunkt ist [6]. Eine Änderung der Syntax mit Verlust des Subjektes kann so vermieden werden. Das ist dann nicht möglich, wenn es kein alternatives Passivverb gibt (Beipielsatz [2] matulog). In [3] wird der subjektlose Satz mit Aktivverb verwendet, um die nicht vorhandenen manggạ nicht in den Fokus setzen zu müssen {2-3.1}.

 
Aktivverben
[1]Natutulog na ang bata. Das Kind schläft (jetzt). (Das Verb matulog ist ein Aktivverb {VA00}.)
[2]Gustọng matulog ng bata. Das Kind möchte schlafen. (Aus dem Subjekt ang bata wird ein Objunkt ng bata, der Satz wird subjektlos.)
[3]Gustọng kumain ng bata ng manggạ. Das Kind möchte gern Mangos essen (hat aber keine).
[4]Gustọng pumuntạ ng kapatịd ko sa Maynila. Meine Schwester möchte nach Manila gehen.
Passivverben
[5]Gustọng kainin ng bata ang manggạng iyọn. Das Kind möchte diese Mango essen. (Das Verb kainin ist ein Passivverb {VP10}, keine Veränderung des Subjektes.)
[6]Gustọng ibigạy ni Nanay ang laruạn kay Ana. Mutter möchte Ana das Spielzeug geben.

Nahezu ausschließlich nominal verhalten sich die Potenzialadverbien ayaw, alạm, ibig, gustọ, nais. Hinzu kommen mit Einschränkungen kaya, ugali und hilig. Nominal und nichtnominal wird kailangan verwendet.

Der Standardsatz mit Potenzialadverb mit nominalem Verhalten entspricht den Satzmustern [7 8] (die entsprechend der Argumentstruktur des Verbs abgewandelt sein können). Zwischen Potenzialadverb und Verb steht in der Regel eine Ligatur [2-6].

 
[7]PotenzialadverbLigaturAktivverb Erwäger Tatobjekt
{DP}{L}{V20/f0/ft|fp} {*}{P-C/ft}{P-C/fp}
[8]PotenzialadverbLigaturPassivverb ErwägerTatobjekt
{DP}{L}{VP10/ft|fp}{P-C/ft} {P-S/fp}
{*}   In unserem Schlüsselsystem stellen wir die aktuelle Argumentstruktur dar und fügen, falls erforderlich, die übliche Argumentstruktur des Verbs zu (Beispiel [3]: {V20/f0|ft|fp//VA10} oder {V20/f0|ft|fp//VA10/fa|fp}) {6-2.3}.

(2) In [9-13] wird ein Objunktinterpotenzial gebildet; das den Erwäger darstellende Objunkt wird zwischen Potenzialadverb und Verb gestellt {10-4.1.1}. Das Objunkt vor dem Verb erhält eine Ligatur.

 
[9]Gustọ ng batang matulog. Das Kind möchte schlafen. (Vgl. [2].)
[10]Gustọ ng batang kumain ng manggạ. Das Kind möchte gern Mangos essen (hat aber keine). (Vgl. [3].)
[11]Gustọ ng kapatịd kong pumuntạ sa Maynila. Meine Schwester möchte nach Manila gehen. (Vgl. [4].)
[12]Gustọ ng batang kainin ang manggạng iyọn. Das Kind möchte diese Mango essen. (Vgl. [5].)
[13]Gustọ ni Nanay na ibigạy ang laruạn kay Ana. Mutter möchte Ana das Spielzeug geben. (Vgl. [6].)
Fettdruck = Erwäger und gleichzeitig potenzieller Täter.

(3) In obigen Sätzen und in [14] ist der Erwäger auch der potenzielle Täter. In Sätzen mit nominalem Potenzialadverb und Aktivverb ist das Subjekt verloren gegangen [2-4]. Diese Sätze können ein neues Subjekt erhalten, um neben dem Erwäger auch einen vom Erwäger abweichenden potenziellen Täter darzustellen [15]; dieses Subjekt kann einen Interpotenzial bilden [16]. In Sätzen mit Passivverb kann der potenzielle Täter durch ein zusätzliches Objunkt ausgedrückt werden [17a 18]. In diesen Sätzen wird regelmäßig der Erwäger vor das Verb gestellt, also ein Objunktinterpotenzial gebildet. Der potenzielle Täter kann keinen Objunktintepotenzial bilden [17b] {10-4.1.1 (2)}. Stehen mehrere Phrasen zwischen Potenzialadverb und Verb, so ist der Erwäger die erste [16].

 
[14]Ibig na patayịn ng Admirạl ang mga tulisạn-dagat. Der Admiral (er selbst) möchte die Seeräuber töten.
[15]Gustọ ni Nanay na matulog si Kiko. Mutter möchte, dass Kiko schläft.
[16]Gustọ ni Linda si Jessica na mag-aral nang mabuti. Linda möchte, dass Jessica fleißig lernt. {10A-4121 Σ}
[17][a] Gustọ ni Nanay na kainin ng anạk ang lugaw. [b] Gusto ni Nanay ng anak na kainin ang lugaw. Mutter möchte, dass das Kind den Reisbrei isst.
[18]Ibig ng Admirạl patayịn ng kahit sino ang mga tulisạn-dagat. Der Admiral möchte, dass jemand die Seeräuber tötet.
Fettdruck = Erwäger. Unterstreichung = Potenzieller Täter.

(4) Potenzialadverbien können als Interklitbezugswort dienen; daher wird mit ihnen oft ein Potenzialinterklit gebildet, der Objunktinterklit, Subjektinterklit oder beides sein kann {11-6.6}. Ein Objunktinterklit mit dem Erwäger als Interklitkurzwort wird nahezu regelmäßig gebildet [19-24], während andere Funktionen (Täter oder Tatobjekt) ausscheiden [25c 30a].

Subjektinterklit ist beschränkt möglich, wenn das Pronomen der potenzielle Täter ist [28 29a]. Subjektinterklit mit Demonstrativpronomen als Tatobjekt wird abgelehnt [31a 32a], wenn nicht gleichzeitig ein Interklit für den Erwäger gebildet wird [23].

Nach dem Interklitkurzwort (bzw. den Kurzwörtern) können weitere Argumente als Interpotenzial vor das Verb gestellt werden [25-28]. In der Regel ist das der Erwäger, der vorzugsweise direkt nach dem Potenzialadverb steht. Damit können diese Konstruktionen problematisch werden [29] oder im Fall eines NG-Pronomens ungrammatikalisch [30a]. Interessant ist, dass Satz [33a] von Muttersprachlern als nahezu ungrammatikalisch bezeichnet wird, obwohl der vergleichbare Satz [25a] voll akzeptiert wird.

 
[19]Gustọ niyạng matulog. Es möchte schlafen. (Vgl. [2].)
[20]Gustọ niyạng kumain ng manggạ. Er möchte gern Mangos essen (hat aber keine). (Vgl. [3].)
[21]Gustọ niyạng pumuntạ sa Maynila. Er möchte nach Manila gehen. (Vgl. [4].)
[22]Gustọ niyạng kainin ang manggạng iyọn. Er möchte diese Mango essen. (Vgl. [5], nur Objunktinterklit.)
[23]Gustọ niyạ iyọng kainin. Er möchte das essen. (Vgl. [5], Objunkt- und Subjektinterklit.)
[24]Gustọ niyạng ibigạy ang laruạn kay Ana. Mutter möchte Ana das Spielzeug geben. (Vgl. [6].)
[25][a] Gustọ ko ang aklạt na itọng basạhin ni Juạn. [b] Gusto ko ni Juan na basahin ang aklat na ito. [c] Gusto ko niyang basahin ang aklat na ito. Ich möchte, dass Juan (er) dieses Buch liest.
[26]Ayaw ko si Armand na magluto ng suman. Ich mag nicht, dass Armand Reiskuchen kocht.
[27]Ayaw ko si Armand na bigyạn ni Imelda ng premyo. Ich mag nicht, dass Imelda Armand einen Preis gibt.
[28]Gustọ akọ ni Manuel na magbilị ng isd. Manuel möchte, dass ich Fisch verkaufe.
[29][a] Gustọ ka ni Nanay na kumain ng lugaw. [-] [b] Gustọ ni Nanay na kumain ka ng lugaw. [++] Mutter möchte, dass du den Reisbrei isst. (In [29a] steht das einsilbige Interklitpronomen (Täter) vor dem Erwäger, was die geringe Akzeptanz verursacht.)
[30][a] Gusto mo ni Nanay na kainin ang lugaw. [b] Gustọ ni Nanay na kainin mo ang lugaw. [++] Mutter möchte, dass du den Reisbrei isst. (Vgl. [17].)
[31][a] Gusto itong kainin ni Nanay. [b] Gustọ ni Nanay na kainin itọ. [++] Mutter möchte das essen.
[32][a] Gusto itong ni Nanay kainin ng anak. [b] Gustọ ni Nanay na kainin itọ ng anạk. [++] Mutter möchte, dass das Kind das isst.
[33][a] Gustọ ko ang pambạnsang awit na awitin ni Maria. [0/--] [b] Gustọ kong awitin ni Maria ang pambạnsang awit. [++] Ich möchte, dass Maria die Nationalhymne singt.
Weitere Beispielsätze zu gleichzeitigem Interklit und Interpotenzial {10A-4122}.
Fettdruck = Erwäger. Unterstreichung = Potenzieller Täter.

(5) In den obigen Beispielen ist das Potenzialadverb Bestandteil des Prädikates. Wegen der Symmetrie von Prädikat und Subjekt können diese getauscht werden (sofern der Satz ein Subjekt besitzt). Davon wird vorwiegend in Fragesätzen Gebrauch gemacht [34], seltener in Aussagesätzen [35]. In den Sätzen [34 35] sind Prädikat und Subjekt getauscht; das Potenzialadverb ist Teil des Subjektes. Dabei wird es nicht zu einem Substantiv {10-4.2}.

 
[34]Anọ ang gustọ niyạng kainin? Was möchte er essen?
[35]Manggạ ang gustọ niyạng kainin. Mangos möchte er essen.

10-4.1.3 Nichtnominales Verhalten

(1) Bei nichtnominalem Verhalten (gawịng di-makangalan, Schlüssel {DP/NN}) wird das Subjekt durch das Potenzialadverb nicht verändert [1|2 3 4]. Nahezu ausschließlich nichtnominal verhalten sich maaari, puwede, huwạg und dapat. Nichtnominal und nominal wird kailangan verwendet. Aktiv- und Passivverben werden gleichermaßen mit nichtnominalen Potenzialadverbien verwendet. Aus semantischen Gründen kann bei diesen Potenzialadverbien nicht zwischen Erwäger {*} und potenziellem Täter unterschieden werden.

{*}   Für nichtnominale Potenzialadverbien ist der Begriff 'Erwäger' nicht sehr glücklich. Ein Begriff wie 'Vermöger' passt besser für diese Gruppe, jedoch nicht gut für nominales Verhalten. Deshalb belassen wir es bei Erwäger für beide Gruppen.
 
Aktivverben
[1]Natutulog na ang bata. Das Kind schäft (jetzt).
[2]Dapat nang matulog ang bata. Das Kind muss jetzt schlafen.
Passivverben
[3]Puwedeng basahin ni Miguel ang pahayagạn. Miguel kann die Zeitung lesen.
[4]Puwede bang makausap ni Bert si Nimfa? Kann Bert bitte Nimfa sprechen?

(2) Auch bei nichtnominalem Verhalten können Argumente des Verbs zwischen Potenzialadverb und Verb gestellt werden, also ein Interpotenzial gebildet werden. Subjektinterpotenzial ist stets möglich (Erwäger in [5], Tatobjekt in [6]). Objunktinterpotenzial ist auf den Erwäger beschränkt [7]; für das Tatobjekt kann er nicht gebildet werden [8a]. Mit hindị verneinte Sätze werden mit nichtnominalen Potenzialadverbien häufig gebildet [9 10]. In Satz [10] wird deutlich, dass im Interpotenzial das Argument nicht vor das Potenzialadverb gestellt werden darf, während in dem entsprechenden Interklitsatz diese Einschränkung nicht gilt [15].

 
[5]Dapat ang batang matulog. Das Kind muss schlafen. (Vgl. [2]. Das Subjekt (Erwäger) steht zwischen Potenzialadverb und Verb.){IPS}
[6]Puwede ang pahayagạng basahin ni Miguel. Miguel kann die Zeitung lesen. (Vgl. [3]. Das Subjekt (Tatobjekt) steht zwischen Potenzialadverb und Verb.) {IPS}
[7]Puwede ng gurong basahin ang Intsịk. Der Lehrer kann Chinesisch lesen. (Das Objunkt (Erwäger) steht zwischen Potenzialadverb und Verb.) {IPC}
[8][a] Puwede ng pahayagang bumasa si Miguel. [b] Puwedeng bumasa ng pahayagạn si Miguel. [++] Miguel kann die Zeitung lesen. (Das Objunkt (Tatobjekt) kann keinen Interpotenzial bilden.)
[9] Hind dapat matulog ang bata. Das Kind muss nicht schlafen.
[10]Hind puwede si Kikong pumuntạ sa Lipạ. Kiko kann nicht nach Lipa gehen.{IPS}
Weitere Beispielsätze {10A-4131}

(3) Nichtnominale Potenzialadverbien können einen Potenzialinterklit bilden, wenn der Erwäger ein Personal- oder Demonstrativpronomen ist [11 12a 12c 13 14] {11-6.6} oder das Pronomen als Subjekt das Tatobjekt ist [12b 12c]. Bei Personalpronomen wird dieser Interklit nahezu regelmäßig gebildet. Das oder die Interklitpronomen stehen in der Regel vor dem Potenzialadverb, wenn vor diesem ein geeignetes Interklitbezugswort steht [14-16].

 
[11]Dapat na siyạng matulog. Es muss jetzt schlafen. (Vgl. [2].)
[12][a] Puwede niyạng basahin ang pahayagạn. [b] Puwede itọng basahin ni Miguel. [c] Puwede niyạ itọng basahin. Er kann das lesen.
[13]Sak puwede ka rin namạng makilibịng. {W Suyuan 5.7} Dann kannst du ja auch am Begräbnis teilnehmen. (saka kann in der Regel nicht als Interklitbezugswort dienen.)
[14]Hind ka puwedeng pumuntạ sa Lipạ. Du kannst nicht nach Lipa gehen.
[15]Hind akọ maaaring tumanggạp ng kahit anọ. {W Busilak 3.12} Ich darf nichts annehmen.
[16]Hind kasị akọ maaaring lumạgpas sa panahọng itinakd sa akin ng aming dakilang hari. {W Samadhi 4.4} Weil ich die Zeit nicht verstreichen lassen darf, die mir von meinem großen König zugewiesen ist.
Fettdruck = Interklit.

(4) In der Regel werden Potenzialadverben mit einer Ligatur verbunden [2-4], auf die jedoch verzichtet werden kann [17|18], wenn das Wort na verwendet werden müsste. Die Ligatur des Interpotenzial kann nicht entfallen. Satz [19] ist ein Beispiel dafür, dass das Futur in bestimmten Fällen statt des Infinitivs steht. Satz [20] ist eine allgemeingültige Aussage und besitzt daher keinen Erwäger, der das Subjekt bilden könnte.

 
[17]Dapat nang matulog ang bata. Das Kind muss jetzt schlafen. (nang ist Adverb na mit Ligatur {D/EC.L}.)
[18] Ngunit hind dapat pansinịn iyọn, naisaloọb ko. {W Dayuhan 3.9} Aber das sollte man nicht bemerken, prägte ich mir ein.
[19]Dapat na babasahin ni Pedro ang liham na itọ. Pedro soll diesen Brief lesen. (Vgl. {10-4.3 [6]})
[20]Kailangang maligo araw-araw. Man soll täglich baden.

(5) In den obigen Beispielen ist das Potenzialadverb Bestandteil des Prädikates. Wegen der Symmetrie von Prädikat und Subjekt können diese getauscht werden {2-2.3}. Davon wird vorwiegend in Fragesätzen Gebrauch gemacht [21 22], seltener in Aussagesätzen [23].

 
[21]Sino ang maaaring pumunta sa hardịn ngayọn? Wer kann jetzt in den Garten gehen?
[22]Sino ang dapat nang matulog? Wer muss jetzt schlafen?
[23]Wal ni sinumạng tao ang maaari kong malapitan. {W Damaso 4.3} Keine Menschenseele konnte ich ansprechen. (Die vergleichbare Konstuktion Maaari kong malapitan ang walang tao. wird nicht gewählt, da das unbestimmte walang tao nicht das fokustragende Subjekt bilden kann.)

10-4.2 Potenzialadverbien als Substantive

Eine Anzahl von Potenzialadverbien können wie oder als Substantive verwendet werden (Schlüssel {N/DP}, {10A-421 Θ}). Diese sind Potenzialadverbien mit nominalem Verhalten, sie können unterschiedliche syntaktische Konstruktionen bilden, und es gibt häufig subjektlose Sätze.

 
(1)Der potenzielle Täter wird zu einem Attribut des Potenzialadverbs, das als Substantiv verwendet wird und das Prädikat des Satzes bildet.
  • Das potenzielle Tatobjekt ist ein Objunkt; der Satz ist subjektlos. Diese Konstruktion wird vorgezogen, wenn das potenzielle Tatobjekt unbestimmt ist [1].
  • Das potenzielle Tatobjekt ist das Subjekt des Satzes. Diese Konstruktion wird vorgezogen, wenn das potentielle Tatobjekt bestimmt ist [2 3a] (z.B. eine bestimmte Person [3a]).
  • Bei dem Potenzialadverb ayaw ist das potenzielle Tatobjekt häufig ein Adjunkt [4a] (und niemals ein Objunkt, wenn es sich um eine Person handelt [4b]); der Satz ist subjektlos.
  • Wird das Potenzialadverb mit einem Verb verbunden, so betrachten wir es nicht als Substantiv.
(2)Das Potenzialadverb wird wie ein Substantiv in einer Existenzphrase verwendet.
  • Dem substantivisch gebrauchten Potenzialadverb wird keine Verbphrase angeschlossen [5a 5b].
  • Dem substantivisch gebrauchten Potenzialadverb wird eine Verbphrase wie bei einem normalen Potenzialadverb angeschlossen [6a 6b]. Das Potenzialadverb verhält sich also nach außen wie ein Substantiv und nach innen wie ein Potenzialadverb.
(3)Das Potenzialadverb wird wie ein Substantiv als Subjekt verwendet.
  • Die meisten dieser Sätze können als Sätze mit getauschtem Prädikat und Subjekt betrachtet werden [2|7], Voraussetzung für den Tausch ist, dass der Satz vor dem Tausch ein Subjekt besitzt. Der Tausch wird vorwiegend bei Fragesätzen vorgenommen [7]. In diese Gruppe gehören nur Sätze, bei denen das Prädikat vor dem Tausch bereits ein substantivisch verwendetes Potenzialadverb war. Der Tausch von Prädikat und Subjekt macht das neue Subjekt nicht automatisch zum Substantiv; die Sätze {10-4.1.2 (5)} gehören nicht in diese Gruppe.
  • Hinzu kommt eine kleinere Gruppe von Sätzen, die nicht aus dem Tausch von Prädikat und Subjekt entstanden sind [8].
 
[1]Gustọ ko ng isạng kẹndi. (Bak walạng kendi.) Ich möchte ein Bonbon. (Vielleicht gibt es keine Bonbons.) {10A-422 Σ}
[2]Gustọ ko ang isạng kẹndi. (May kẹndi.) Ich möchte ein(es dieser) Bonbon(s). (Bonbons sind vorhanden.) {10A-423 Σ}
[3][a] Gustọ ko si Ana. [b] Gusto ko ni Ana. [c] Gustọ rin kitạ. Ich mag Ana. Ich mag dich auch.
[4][a] Ayaw ko sa iyọ. [b] Ayaw kita. Ich mag dich nicht. {10A-424 Σ}
[5][a] Sino ang may gustọ ng kapẹ? Wer möchte Kaffee? [b] Akọ ang may gustọ ng kapẹ. Ich möchte Kaffee.
[6][a] Sino ang may gustọng uminọm ng gatas? Wer möchte Milch trinken? [b] Akọ ang may gustọng uminọm ng gatas. Ich möchte Milch trinken. (Sonderfall in {10A-425 Σ [2]}.)
[7]Anọ ang gustọ mo? Was möchtest du?
[8][a] Magtrabaho ang ating kailangan. [b] Magtrabaho ang kailangan natin. [c] Kailangan natin ang magtrabaho. [0] [d] Kailangan nating magtrabaho. [++] Wir müssen arbeiten. (Ein Tausch von Prädikat und Subjekt in [8b] führt zu dem ungebräuchlichen Satz [8c]. In [8b 8c] ist natin ein Attribut zu dem Substantiv kailangan. In dem gebräuchlichen Satz [8d] ist kailangan ein nominales Potenzialadverb und natin ein Argument des Verbs magtrabaho.)

(4) Bestimmte Gruppen von Nominalphrasen werden jedoch nicht oder nur selten mit substantivisch gebrauchten Potenzialadverbien gebildet (z.B. mit vorangestellten SA-Pronomen), selbst wenn es Potenzialadverbien mit nominalem Verhalten sind {10A-426}. Wie bereits oben gesagt, werden Potenzialadverbien mit nichtnominalem Verhalten nicht als Substantive verwendet.

(5) Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Potenzialadverbien, die substantivisch verwendet werden, ist kaya ein Substantiv [9-12] bzw. Adjektiv [13]. Dann kann kaya in Verbindung mit Verben zusammengesetzte Sätze bilden [14] {10A-323 [1]}. In diesen Konstuktionen kann kaya auch als Potenzialadverb in einem einfachen Satz betrachtet werden [15] {10A-323 [2]}.

 
[9]Kaya mo ba iyạn? Kannst du das?{N}
[10]Ginaw niyạ ang kanyạng buọng kaya upang mapabuti ang mạrka niyạ. Er gab sein Bestes, um seine Noten zu verbessern. (Substantiv mit Attributen.){N}
[11][a] Wal siyạng kayang mag-aral. [b] Wal siyạng kaya sa pag-aaral. Er ist nicht fähig zu lernen. (Verneinung mit wala weist auf Substantiv. {10-5.2}.){N}
[12]At kaya ka nagrerebẹlde? {W Estranghera 3.5} Kannst du dich auflehnen?{J}
[13]May-kaya siyạ sa paggaw niyạn. Sie ist fähig, das zu tun. (may als Präfix bildet von Substantiven Adjektive. {9-2.2}.){N} → {J}
[14]Kayang bumilị ng bagong kọtse si Manuel. Manuel kann ein neues Auto kaufen. {10A-414 [27]}{J?}
[15]Hind na natin kayang gumalạw pa ng kahit isạng pulgada man lang. {W Madaling Araw 3.2} Wir konnten uns nicht um auch nur einen einzigen Zoll bewegen. {10A-414 [26]}{DP/N}

10-4.3 Potenzialadverbien als Adjektive und Adverbien

Potenzialadverbien mit nichtnominalem Verhalten können in beschränktem Umfang als Adjektiv [1] oder als echtes Adverb in Sätzen ohne Verb [2-4] verwendet werden. In Sätzen mit Verb als Prädikat betrachten wir Potenzialadverbien als echte Adverbien, wenn Vorgänge in der Vergangenheit oder Zukunft kommentiert werden [5 6].

 
[1]Puwede sa akin ang librọng iyạn. Kann ich bitte das Buch da haben.{P-P=P-J(J/DP)}
[2]Maaaring magandạ ang bulaklạk. Die Blume kann schön sein.{P-P=P-J(D/DP.L J)}
[3]Maaaring nasa bahay siyạ. Es kann sein, dass sie im Haus ist.{4A-401 Σ}
[4]... maaaring hind na niyạ kasama itọ ... Er konnte nicht mehr ihr Kollege sein. {8A-4211 Σ [3]} {P-P=P-N(D/DP.L ..)}
[5][a] Maaaring binasa na niyạ ang liham ko. Vielleicht hat er meinen Brief schon gelesen. [b] Dapat binasa mo na ang liham ko. Du solltest meinen Brief schon gelesen haben. (Ein Interklit Dapat mong binasa wird nicht akzeptiert; vielleicht ist dapat kein deutlicher Bestandteil des Prädikates, und das Objunkt darf seine Phrase nicht verlassen.){D/DP.L .. VP10/A)}
[6]Maaaring babasahin ni Pedro ang liham na itọ. Vielleicht wird Pedro diesen Brief lesen. {D/DP.L .. VP10/F)}

Bei { Aganan 1999 p. 75} werden Phrasen wie in Satz [1] pariralang modal genannt.


10-4.4 Θ Zur Theorie der Potenzialadverbien

Unsere grundsätzliche Annahme über Potenzialadverbien besteht darin, dass wir sie als Adverbien betrachten, die Verben modifizieren. Daraus folgt, dass sie zusammen mit den Argumenten des Verbs einfache Sätze mit nur einem Prädikat bilden {10A-441 Θ}. Diese Annahme wird dadurch unterstützt, dass sich die Argument- und Funktionsstruktur von Sätzen mit Potenzialadverbien prinzipell nicht von anderen Konstruktionen mit Verben unterscheidet.

Potenzialadverbien stehen vor dem Verb. Damit unterscheiden sie sich von anderen Adverbien, die dem Verb folgen können oder am Satzende stehen können. Eine weitere Besonderheit ist, dass zwischen Potenzialadverb und Verb nichtpronominale Argumente des Verbs gesetzt werden können. Dieser Interpotenzial ist auf Objunkte und das Subjekt beschränkt. Deulich besteht hier eine Analogie zum Interklit; der Interpotenzial kann im Prinzip mit den gleichen Argumenten der Verben gebildet werden, die den Interklit bilden. In abgewandelter Form gilt die Interklit-Prioritätsregel "kurz vor lang"; Interklitpronomen stehen vor Phrasen mit Bestimmungswörtern. Gleich Sätzen mit Subjektinterklit sind Sätze mit Subjektinterpotenzial Nicht-Regelsätze, in denen das Subjekt vor dem Prädikat steht, ohne dass nichtkanonische Reihenfolge vorliegt.

Folgt man der Darstellung in {10-4.1.1}, so zeigt der Objunktinterpotenzial eine Besonderheit. Die Möglichkeit, ihn zu bilden, hängt nicht nur von der Syntax der Phrase ab, sondern auch von ihrer semantischen Funktion als Argument des Verbs. Bei nominalem Verhalten kann dafür eine Erklärung gegeben werden. Da der Erwäger stets ein Objunkt ist, kann ein davon abweichendes Objunkt an der gleichen Stelle im Satz für Verwirrung sorgen und wird deshalb verworfen. Bei nichtnominalem Verhalten in Sätzen mit nur einem Objunkt versagt diese Erklärung.

In Sätzen mit Potenzialadverbien wird der Täter zum Erwäger. Der potenzielle Täter kann als weiteres Argument dem Verb zugefügt werden. Wir sehen eine Analogie zu den Verben der Veranlassung {7-4}, bei denen der Täter zum Initiator wird und der ausführende Täter ein zusätzliches Argument bilden kann.

Verben in Sätzen mit Potenzialadverbien stehen meist im Infinitiv. Wir erklären dies damit, dass die Tätigkeit nicht wirklich ausgeübt wird (und nicht aufgrund einer grammatischen Abhängigkeit wie bei verbundenen Verben {6-7.5}). Damit in Einklang steht, dass in bestimmten Fällen auch Zeitformen verwendet werden.

Ergänzend werden nominale Potenzialadverbien als Substantive verwendet und nichtnominale als Adjektive und Adverbien. Einige Konstruktionen mit nominalen Potenzialadverbien können als zusammengesetzte Sätze betrachtet werden, bei denen das zum Substantiv gewordene Potenzialadverb das Prädikat des übergeordneten Satzes bildet und das Verb das Prädikat des untergeordneten Satzes. Wie bei anderen Ligatursätzen, sind auch hier die Übergänge zwischen einfachem und zusammengesetztem Satz fließend.

Ein Vergleich der Konstruktionen mit Potenzialadverbien und verbundenen Verben wird in {13-5.5.3 Θ} vorgenommen.


Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/filipino/sy_D_2.htm
17. April 2010 / 13. Oktober 2013

Die filipinische Sprache - Ende 10 Adverbien (Datei 10/2)

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