Als Nicht-Regelsätze (pangungusap na di-batayạn) bezeichnen wir Sätze mit einem Satzbau, der von dem der oben dargestellten Regelsätze abweicht. Dazu gehören Interklit-, Interpotenzialsätze und subjektlose Sätze.
(1) Der häufigste Nicht-Regelsatz ist der Subjektinterklit ({11-6.4}). Das Subjekt des Satzes ist ein Pronomen. Wegen seiner interklitischer Eigenschaft wird es vor das Kernwort des Prädikates gestellt [1 2], häufig wird dem Pronomen eine -ng Ligatur angehängt [1 3 4]. Eine besondere Form des Subjektinterklit ist der Existenzinterklit [3] {11-6.7}, eine weitere der Potenzialinterklit mit nichtnominalem Verhalten des Potenzialadverbs [4] {11-6.6}.
(2) Wir zählen diese Interklitsätze zu den Nicht-Regelsätzen. Das Pronomen des Subjektinterklit wird in das Prädikat eingebettet; die Frage nach kanonischer oder nichtkanonischer Reihenfolge stellt sich nicht. Vor das Interklitbezugswort kann das Bestimmungswort des Prädikates ay gesetzt werden [5], sofern dieses Teil des Prädikates ist. Nach unserer Auffassung sind Interklitkurzwörter keine Phrasen. Diese Pronomen haben ihre Eigenschaft als Inhaltswörter abgelegt und sind Alleinwörter geworden. Wenn man diesen Gedanken weiterführt, sind Sätze mit Subjektinterklit syntaktisch subjektlose Sätze {11-6.9 Θ (3)}.
(3) In Sätzen mit Potenzialadverbien und Verben kann das Subjekt, auch wenn es kein Pronomen ist, zwischen Potenzialadverb und Verb gestellt werden [6 7] {10-4.1.1}. Wir bezeichnen diese Konstruktion als Subjektinterpotenzial. Obwohl das Subjekt sein Bestimmungswort besitzt, steht es im Interpotenzial vor dem Kernwort des Prädikates, das stets ein Verb ist. Da vor diesem eine Ligatur und nicht das Bestimmungswort des Prädikates steht, zählen wir diese Konstruktion zu den Nicht-Regelsätzen. Die Ähnlichkeit mit dem Subjektinterklit ist auffällig.
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Ein Satz drückt einen vollständigen Gedanken aus (buọng kaisipạn). In vielen Fällen stellt das Prädikat bereits einen vollständigen Gedanken dar, so dass der Satz nur aus einem Prädikat besteht {*}. Die Besonderheit der filipinischen Sprache ist, dass es kein formales syntaktisches Subjekt gibt, das an die Stelle des semantischen Subjektes tritt, wenn ein solches nicht vorhanden ist. Sätze ohne Subjekt (pangungusap na walạng pamaksạ, Schlüssel {C-../P0} bzw. {C-../YP0}) treten in folgenden Situationen auf.
Sehr selten sind Sätze, die statt eines Subjektes ein zweites Prädikat mit nichtkanonischem ang besitzen [13].
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Von Sätzen ohne Subjekt sind Sätze zu unterscheiden, bei denen das Subjekt durch einen Ligatursatz gebildet wird {2-4.9}.
{*} {Θ} Da diese Sätze regelmäßig kein Bestimmungswort des Subjektes ang besitzen, ist der Schluss naheliegend, dass es sich um Sätze mit Prädikat und ohne Subjekt handelt (gelegentlich wird das Bestimmungswort des Prädikates ay verwendet [3 12]).
Die direkte Rede (pagsasalitạng sinipi) ist ein zusammengesetzter Satz. Der Ankündigungssatz (sugnạy ng pagpapahayag) steht im Allgemeinen nach der direkten Rede und ist ein subjektloser Nicht-Regelsatz. Das Prädikat kann aus einer Zeitform eines Passivverbs bestehen [1], häufiger wird jedoch der Wortstamm als verkürzte Form dieses Passivverbs verwendet [2 5]. Auch Substantive [3] einschließlich Gerundien [4] können das Prädikat bilden. Der Sprecher wird als Objunkt nachgefügt ([1-4], Objunktinterklit in [5]). Weitere Phrasen (z.B. Adverbien, Adjunkte) können den Ankündigungssatz erweitern [5]. Wie die Beispiele [6-9] zeigen, können auch andere Konstruktionen den Ankündigungssatz bilden. Eine Besonderheit sind die Bildungen mit a- [10].
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Steht am Ende der direkten Rede ein Punkt, so wird dieser vor dem Ankündigungssatz durch ein Komma ersetzt [11]. Andere Satzzeichen bleiben erhalten [12].
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Ein filipinischer Regelsatz besitzt Prädikat und Subjekt. Ausrufesätze sind häufig Sätze ohne Prädikat; sie sind Nicht-Regelsätze und grammatisch unvollständig.
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Sätze, die nur aus einer ang Phrase bestehen, können auch als subjektlose Sätze betrachtet werden {13-2.3.2}, deren Prädikat ein nichtkanonisches ang besitzt {2-2.5}.
Unter Satzbrüchen verstehen wir Sätze, die keine einheitliche syntaktische Struktur besitzen. Ein Satz wird begonnen, dann in einer anderen Syntax fortgesetzt. Dabei entstehen zwei oder mehrere Teile, von denen keiner (oder zumindest nicht alle) einen grammatikalischen Teilsatz bildet. Dies geschieht in der gesprochenen Sprache häufig und oft unbeabsichtigt [1]. In der geschriebenen Sprache können Satzbrüche als Stilmittel eingesetzt werden, sind jedoch selten [2 3]. Mit Hilfe von Satzbrüchen können Sätze mit nichtkanonischer Reihenfolge von Prädikat und Subjekt vermieden werden (kein ay nach ang kanyạng inạ in [3]).
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(1) Abschließend möchten wir einige allgemeine Betrachtungen über den Aufbau des einfachen Satzes in der filipinischen Sprache anstellen. Da wir Prädikat und Subjekt durch ihre Bestimmungswörter ay und ang definieren, gibt es in unserem Ansatz keine Zweifel, dass diese Phrasen in der filipinischen Sprache existieren. Nach der Einführung des nichtkanonischen ang stellen wir empirisch fest, dass ein Teilsatz nicht mehr als je ein Prädikat und Subjekt besitzt. Weiterhin machen wir die Annahme, dass andere Phrasen (hauptsächlich Objunkte und Adjunkte) Bestandteil von Prädikat und Subjekt sind {13A-241 Θ}. Außerdem stellen wir fest, dass es im filipinischen Satz weitere Phrasen gibt, die nicht oder nur schwer Prädikat oder Subjekt zuzuordnen sind. Wir betrachten sie als unabhängig im Satz und stellen fest, dass nur wenige Klassen von Phrasen diese unabhängige Stellung haben können {5-3 (2)}. Damit besitzt der filipinische Satz folgenden Aufbau:
| [1] | {P-P} {P-S} {P-../I}, |
wobei im der Regel je ein Prädikat und Subjekt und keine bis mehrere unabhängige Phrasen vorhanden sind. Das Wesen der unabhängigen Phrasen ist leicht zu verstehen, so dass wir sie in den folgenden Betrachtungen weglassen können. Wir stehen dann vor der Situation, dass der filipinische Satz aus zwei wesentlichen Teilen besteht, in unserer Terminologie Prädikat und Subjekt:
| [2] | {P-P} {P-S} |
(2) Eine inhaltliche Definition von Prädikat und Subjekt haben
wir bisher nicht vorgenommen. Wegen der Austauschbarkeit und der Symmetrie von Prädikat
und Subjekt
dürfen wir nicht erwarten, dass Prädikat und Subjekt sich voneinander erheblich
unterscheiden. Wir haben also einen filipinischen Satz, der aus zwei gleichen Teilen zu
bestehen scheint (ein Vergleich mit Nominal- oder Äquationalsatz liegt nahe)
{13A-242
}.
Andererseits unterscheidet die filipinische Sprache deutlich zwischen diesen beiden Grundelementen des Satzes, was zu deren eindeutiger formaler Definition führt. Die Sprache besitzt sehr strenge Regeln bezüglich der Verwendung von ang und ay. Offensichtlich wird die Markierung und damit Unterscheidung von Prädikat und Subjekt sehr ernst genommen (wenn man nur das Ende der ersten Phrase und damit den Beginn der zweiten Phrase markieren wollte, käme man mit nur einem Phrasentrenner aus, wie es auch nur eine Ligatur gibt). In anderen Worten, wir wissen bisher nicht, was Prädikat und Subjekt sind, können aber in jedem filipinischen Satz mit großer Sicherheit angeben, was Prädikat und was Subjekt ist. Erheblich zu diesem Dilemma trägt bei, dass in der filipinischen Sprache im Prinzip jede Phrase, die Prädikat sein kann, in einem abgewandelten Satz zum Subjekt werden kann. So kann eine Wortarteneinteilung, wie auch immer, nicht zur inhaltlichen Unterscheidung von Prädikat und Subjekt führen.
Zu einem guten Verständnis des filipinischen Satzes ist es daher erforderlich, nach Unterschieden zwischen Prädikat und Subjekt zu suchen. Deutlich sichtbar ist eine besondere Eigenschaft des Subjektes:
Ein möglicherweise sinnvoller Ansatz geht von dem Gedanken aus, dass das Subjekt mit
seiner Bestimmtheit das "Bekannte" ist, das mit dem "unbekannten" Prädikat verbunden wird
{
Lopez 1940 p. 117}. Vermutlich besitzt in der filipinischen Sprache das
Prädikat die Funktion eines 'primus inter pares'. Dann ist
festzustellen, dass der filipinische Satz aus zwei Grundelementen besteht, von denen eines
(das Prädikat) etwas "primärer" und etwas "unbekannter" ist und das dieses Element zu dem
etwas "weniger primären" und etwas "bekannterem" Subjekt führt.
Vermutlich ist das Prädikat in der filipinischen Sprache wichtiger als das Subjekt. Es gibt viele subjektlose Sätze, aber - von wenigen Ausnahmen abgesehen - keine prädikatlosen Sätze. Die kanonische Stellung des Prädikates am Satzanfang deutet ebenfalls in diese Richtung.
(3) In diesem Zusammenhang ist ein Unterschied im Gebrauch der Bestimmungswörter ay und ang bemerkenswert. Die Verwendung von ay hängt ausschließlich davon ab, wo das Prädikat im Satz steht und nicht vom Bau des Prädikates. Die Verwendung bzw. das Fehlen von ang hängt ausschließlich vom Inhalt des Subjektes ab und nicht von dessen Positionierung im Satz. Dieser Unterschied zwischen Prädikat und Subjekt wird wesentlich, wenn diese Phrasen nicht am Satzanfang stehen. Es gibt Subjekte stets ohne ang (z.B. Pronomen), während Prädikate an bestimmten Positionen im Satz stets ay besitzen. Damit wird ein Subjektinterklit ermöglicht und ein Prädikatinterklit unmöglich. Mit Hilfe des Subjektinterklit können Subjekte innerhalb des Prädikates eingebettet werden, während eine umgekehrte Konstruktion nicht gebildet werden kann.
(4) Für Verben als Prädikat oder Subjekt haben wir den Begriff des Argumentes eingeführt. Für Adjektive haben wir die Möglichkeit eines ähnlichen Ansatzes gesehen {13-2.2.3 (2) Θ}. Für Nomina ist es formal ebenso möglich, ein zweites Nomen im Satz als Argument des ersten zu betrachten. Dann können wir eine formale Gleichheit von Verb, Adjektiv und Nomen bei Verwendung als Prädikat und Subjekt feststellen. Wenn wir die Elemente dieser Gruppe der als Prädikat oder Subjekt verwendeten Wörter vereinfacht mit {X} (es sind Wörter, die Argumente besitzen können) und ihre Phrasen mit {P-X} bezeichnen, sehen wir zwei Formen des filipinischen Satzes.
| [3] | {P-P} | {P-S} | |
| {P-X} {X} Argument 2 Argument 3 | Argument 1 mit Bestimmtheit | ||
| | |||
| [4] | {P-P} | {P-S} | |
| Argument 1 ohne Bestimmtheit | {P-X} {X} Argument 2 Argument 3 |
Die Satzform [3] ist leicht zu erklären: Das "primäre, aber weniger bekannte" {X} als Prädikat wählt eines seiner Argumente und setzt es auf die gleiche Höhe neben sich, wobei dieses Argument "bekannt" wird. An dieser Stelle, dem Subjekt, ist nur Platz für ein Argument, die anderen Argumente müssen auf der Seite des "weniger bekannten" {X} bleiben. Schwieriger ist in diesem Ansatz die Satzform [4]. Offenbar sucht sich ein "weniger bekanntes Argument" - jetzt als Prädikat - sein {X} und setzt es neben sich. Bei {X} stehen auch hier die weiteren Argumente.
Unschwer lassen sich in dieses Modell Sätze ohne Subjekt einfügen [5]. Das "primäre, aber weniger bekannte" {X} verzichtet, ein Argument neben sich zu setzen, und setzt die anderen Argumente unter sich:
| [5] | {P-P} | --- | |
| {P-X} {X} Argument 2 Argument 3 | --- |
Dieses Modell erklärt gut, warum die filipinische Sprache als rechtsverzweigende Sprache die kanonische Reihenfolge von Prädikat und Subjekt bevorzugt. Das vorangehende Prädikat führt zum nachfolgenden Subjekt. Außerdem wird in dieser Darstellung deutlich, dass die filipinische Sprache keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Sätzen mit Verb und ohne Verb macht. Auch bleibt es für das Verständnis der Satzstruktur unerheblich, ob und wie man Wortarten definiert. Wir haben bewusst den Begriff "Prädikat oder Subjekt bildende Wörter" gewählt, um an dieser Stelle den Begriff "Inhaltswörter" zu vermeiden {15-5.1 (2)}.
(1) In der filipinischen Sprache werden in der Regel die Phrasen durch Bestimmungswörter eingeleitet. Das gilt nicht nur für die Phrasen, die unmittelbar den Satz bilden, sondern auch für untergeordnete Phrasen. Das Ergebnis ist, dass sich im filipinischen Satz Bestimmungswörter und andere Wörter abwechseln. Wir stellen dies an folgendem Satz dar.
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(2) Von diesem Satzmuster gibt es Ausnahmen. Zunächst gibt es eine größere Anzahl Fälle, wo vor einem Wort kein Bestimmungswort steht. In unserem Beispiel sind dies:
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(3) Seltener sind die Fälle, wo zwei Bestimmungswörter unmittelbar aufeinander folgen (in Beispiel [1] keine):
Wir betrachten es nicht als Thema dieser Arbeit, moderne Syntaxtheorien auf die filipinische Sprache anzuwenden. Trotzdem möchten wir einige Eigenschaften der filipinischen Sprache verdeutlichen, die möglicherweise für die Anwendung dieser Theorien wichtig sind. Wir haben hier in erster Linie das Minimalistische Programm im Auge, wo Merkmale, die syntaktischen Regeln der 'select-merge-move' Prozesse und die Grammatikalität (kabalarilaan) der kohärenten grammatischen Form, also des Ergebnisses des Derivationsprozesses, von besonderer Bedeutung sind.
Aus dem mentalen Lexikon werden im Vorgang der Numeration die Lexeme ausgewählt, die das Lexikon des zu formenden Satzes bilden. Wir gehen davon aus, dass das Lexem bereits einen großen Teil der Affigierung beinhaltet, sich also nicht auf die Wortstämme beschränkt. Die Menge der unterschiedlichen Merkmale der Lexeme wird - möglicherweise nicht vollständig - in unserem Schlüsselsystem abgebildet {16}. Trotz der Wortartenproblematik der filipinischen Sprache betrachten wir die morphologische Wortart als ein Merkmal eines Lexemes im Satz, da dem Lexem im mentalen Lexikon möglicherweise mehrere Wortarten zugeordnet werden können. Diese Wortarteneinteilung ist weiterhin wichtig, da ein Großteil der Merkmale wortartspezifisch sind. Wir können folgende Tabelle erstellen, sie bezieht sich auf interpretierbare Eigenschaften der Inhaltsphrasen (Erläuterungen und Beispiele im Anhang {13A-411 Θ}):
| Wortart | Merkmal stets | Merkmal optional | Merkmal selten |
| Substantiv | Personenname (ja/nein) Funktion (wenn Argument) | Numerus Bestimmtheit | Geschlecht |
| Personalpronomen | Person Numerus | ||
| Demonstrativpronomen | Person | ||
| Verb | Fokus Argumentstruktur |
Tempus Priorität (wenn mehr als ein Verb) | |
| Adjektiv | Numerus | Argumentstruktur | |
| Adverb | Tempus Numerus | ||
Von den Bestimmungswörtern abgesehen, gibt es in der filipinischen Sprache kaum Elemente, die als 'specifier' betrachtet werden können. Daher spielen solche Elemente bei den 'select-merge-move' Prozessen praktisch keine Rolle. Da die Bestimmungswörter nicht wortartspezifisch sind, ist es wenig sinnvoll, sie als 'specifier' einer Inhaltsphrase zu betrachten.
Wir gehen davon aus, dass das Lexikon des Satzes, was alle interpretierbaren Merkmale
der Lexeme einschließt, keine semantischen Widersprüche enthält,
so dass ein semantisch richtiger Satz nicht bereits an dieser Stelle ausgeschlossen wird
(Beispiel: Babae ang ama ko.).
In unserem Ansatz der Syntax gehören nichtinterpretierbare grammatische Merkmale zu den Funktionsphrasen und deren Bestimmungswörtern. Wir betrachten diese jedoch nicht als Kasussystem {1A-521 Θ}.
Verben besitzen in der filipinischen Sprache das Merkmal Argumentstruktur (kayariạn ng kawanị) {13A-421 Θ}. Damit wird festgelegt, welche wesentlichen Funktionsphrasen das Verb im Satz erwartet. Während der 'select-merge-move' Prozesse wird die dazugehörige Struktur der Funktionsphrasen gebildet; die entsprechenden Regeln sind wichtiger Bestandteil der filipinischen Syntax. Randbedingung für diesen Prozess ist, dass der filipinische Satz aus den beiden wesentliche Phrasen Prädikat und Subjekt besteht. Zusätzlich werden dem Lexikon des Satzes die Merkmale Funktion der Argumente entnommen, so dass die Lexeme richtig in die Funktionsphrasen kommen.
Für viele Sprachen spielen Prozesse der Flexion eine wichtige Rolle. Durch Flexion werden in den 'select-merge-move' Prozessen neue Formen gebildet, deren Kongruenz wichtig für die Grammatikalität ist. Nun ist Filipino eine flexionsarme Sprache. Verben besitzen eine Tempusflexion, deren Bedeutung dadurch verringert wird, dass es verblose Sätze ohne eine entsprechende Flexion und damit ohne das Merkmal Tempus gibt. Hinzu kommt eine Numerusflexion einer Gruppe von Adjektiven. Da das Prinzip der Flexion in der filipinischen Sprache nicht ausgeprägt ist, ist es naheliegend, dass Flexionsmerkmale keine große Rolle spielen. Daher hat die Sprache ein gegensätzliches Prinzip entwickelt. Die Merkmale, die der Flexion entsprechen, werden in der Regel nur einmal im Satz dargestellt; es gibt keine Redundanz und damit keine Kongruenz der Merkmale (mit Ausnahme der optionalen Redundanz des Merkmals Plural {13A-422 Θ}). Merkmale (und ganze Phrasen) können entfallen, wenn sie semantisch nicht wichtig sind. Es darf gesagt werden, dass hier die filipinische Sprache sehr "minimalistisch" ist und eine hohe 'economy of derivation and representation' besitzt.
Ein weiteres syntaktisches Prinzip der filipinischen Sprache ist die Merkmalwanderung. Es besteht die Möglichkeit, eine Merkmal von einem Lexem zu entfernen und es einem anderen zuzufügen {13A-422 Θ [2b 3b]}.
Bezüglich der Argumentstruktur findet eine Merkmalüberprüfung (pagkakatugmạ, Kongruenz, 'agreement') statt, um zu verhindern, dass der Satz bezüglich der Funktionsphrasen ungrammatikalisch wird. Semantische Verständlichkeit hat Priorität über grammatische Vollständigkeit; grammatisch unvollständige Sätze werden akzeptiert, wenn sie semantisch richtig sind. Man mag geneigt sein, grammatische "Lücken" bei einer syntaktischen Analyse mit "Null-Inhalt" zu schließen. Zweifelhaft bleibt, ob damit dem Wesen der filipinischen Sprache Rechnung getragen wird.
Das Merkmal Tempus wird überprüft; insbesondere können nicht in allen Fällen Teilsätze das Verb in einer Zeitform enthalten. Wegen der schwachen Ausprägung der Merkmale Person, Numerus und Geschlecht in der filipinischen Sprache liegt hier kaum Grund für eine Merkmalsüberprüfung vor. Manchmal sind Sätze ungrammatikalisch, wenn ein Merkmal mehr als einmal angezeigt wird und nicht, wenn etwas fehlt. Das Ergebnis ist, dass die filipinische Sprache bezüglich flexionsbezogener Merkmale sehr effizient und tolerant ist. Daher gibt es wenig Grammatikalitätsprobleme bezüglich dieser Merkmale.
Stattdessen ist die filipinische Sprache sehr kritisch bezüglich der Folge von Wörtern und Phrasen im Satz. Es besteht zwar in der Regel die Möglichkeit, einen Satz in recht unterschiedlicher Syntax und Phrasenfolge grammatikalisch richtig zu bilden, aber bestimmte Regeln müssen streng eingehalten werden. Grundregeln bestehen bezüglich des Aufbaus und der Folge der Funktionsphrasen {13-3}. Enklitisches Verhalten und enklitische Kurzwörter setzen zusätzlich strenge Bedingungen {11-3}. Selbst für die Reihenfolge der enklitischen Kurzwörter untereinander gelten strenge Regeln {11-3.3}.
Da wir den Begriff Kasus in der filipinischen Syntax nicht verwenden, stellt sich uns die Frage der Kasuskongruenz nicht.
| Die filipinische Sprache von Armin Möller http://www.germanlipa.de/filipino/sy_usap_2.htm 18. April 2010 |