13 Einfacher und zusammengesetzter Satz

13-1 Einleitung

Die Struktur der Phrasen und ihre Beziehungen zueinander folgen in der filipinischen Sprache verhältnismäßig festen Regeln. Dies ist beim Bau komplizierterer Sätze nicht länger der Fall. Nahezu alle Konstruktionen, die semantisch verständlich sind, werden grammatisch akzeptiert (oder zumindest toleriert). Dies erschwert eine systematische Betrachtung des Baus komplizierterer Sätze (Beispiel {13A-101 Σ}).

Bei der Betrachtung von Sätzen in der filipinischen Sprache führen wir den Begriff Teilsatz (sugnạy, Schlüssel {C-..}) ein. Unter einem Teilsatz verstehen wir einen vollständigen Satz, der jedoch durch Wechselwirkung mit anderen Teilsätzen verändert worden sein kann {13-5 (3)}. Mit dem Begriff Teilsatz können wir einen einfachen Satz (pangungusap na payạk, Schlüssel {C-1}), der aus nur einem Teilsatz besteht, von einem zusammengesetzten Satz (pangungusap na tambalan, Schlüssel {C-Cd}) mit mehreren Teilsätzen unterscheiden.

In ihrem syntaktischen Aufbau unterscheiden sich Teilsätze prinzipiell nicht voneinander. Begriffe wie Haupt- und Nebensatz, über- und untergeordneter Satz können in der Regel nur semantisch verwendet werden. Aussage-, Frage- und Aufforderungssätze zeigen keine prinzipiellen Unterschiede in ihrer syntaktischen Struktur.

In den folgenden Betrachtungen beschränken wir uns darauf, zusammengesetzte Sätze in Teilsätze aufzulösen und diese getrennt zu betrachten. Möglicherweise ist dies zu stark vereinfachend, und es ist erforderlich, mehrere Teilsätze als eine zusammengehörige Konstruktion zu betrachten. Einen bescheidenen Schritt in diese Richtung haben wir in Abschnitt {13-5.4} unternommen.


13-1.1 Abgrenzung zwischen einfachem und zusammengesetztem Satz

(1) Die Abgrenzung zwischen einfachem und zusammengesetztem Satz ist in der filipinischen Sprache schwierig. Teilsätze können verkürzt sein. Wörter und Phrasen, die bereits in einem anderen Teilsatz enthalten sind, können weggelassen werden, um sie nicht wiederholen zu müssen (es gibt keine Platzhalter, um Lücken anzuzeigen oder zu füllen). Dies erschwert die syntaktische Erkennung eines Teilsatzes und macht in vielen Fällen eine Abgrenzung zwischen Teilsatz und Phrase und damit die Entscheidung, ob ein einfacher oder zusammengesetzter Satz vorliegt, nahezu unmöglich. Andererseits erscheint eine strenge Unterscheidung nicht erforderlich und wird im filipinischen Sprachgefühl auch nicht vorgenommen. Trotzdem erscheint uns eine Definition sinnvoll.

(2) Wir definieren einen Teilsatz dadurch, dass er ein Prädikat besitzt (kasi na ... in [1a]). Ist der Teilsatz verkürzt, muss er zu einem einfachen Satz mit diesem Prädikat erweitert werden können [1b]. Damit schließen wir unabhängige Phrasen als Teilsätze aus (Beispiel Gerundphrasen [2] {5-3.2}). Da wir Modalwörter als Adverbien und nicht als Verben betrachten, bilden auch sie keine eigenen Teilsätze [3] {10-4.1}. Sätze mit verbundenen Verben sind einfach oder zusammengesetzt; hier sind Betrachtungen bezüglich globaler Wirkung und Argumentstruktur entscheidend {13-5.5}. Attributiv verwendete Partizipen besitzen keine Argumente; wir betrachten sie daher als Phrasen und nicht als Teilsätze [4] {6-6.4.1}. Wird das Partizip mit Argumenten ergänzt, ist es nicht länger Partizip, sondern Verb mit globaler Wirkung [5]; es bildet einen Teilsatz. Ähnlich verfahren wir bei Adjektiven, die einer Nominalphrase zugeordnet sind [6].

 
[1][a] Iniisip ko rin kasị na bak masaktạn sa aking sasabihin. {W Estranghera 3.3} [b] Bak masaktạn siyạ sa aking sasabihin. Ich dachte auch, dass sie vielleicht von meinen Worten verletzt war.{C-C/S}
[2]Paglabạs ko ng bạnyo, isạng matabạng matandạng lalaki ang naghihintạy sa akin. Als ich aus dem Bad kam, wartete ein dicker alter Mann auf mich. {5A-321 Σ} {P-N/G}
[3]Mịnsan ay gustọ ko na siyạng sisihin. {W Damaso 4.4} Manchmal möchte ich ihm die Schuld geben.{DP/N}
[4]Umiiyạk na ang pinalong aso. Der geprügelte Hund heult jetzt.{J/VP/A}
[5]Umiiyạk na ang asong pinalo ng malikọt na bata. Der Hund, den der ungezogene Junge geprügelt hat, heult jetzt.{C-L}
[6][a] Sabi ng babaeng nakatabị niyạ sa bus ... Die Frau neben ihm im Bus sagte ... {8A-611 Σ} [b] Nakatabị niyạ ang babae sa bus.{C-L}
Fettdruck = Teilsatz.

(3) Der alternative Gedanke, mit Hilfe der Art der Verknüpfung Teilsätze zu unterscheiden, ist für die filipinische Sprache wenig geeignet. Viele Teilsätze werden mit einer Ligatur verbunden, die jedoch auch zur Verbindung von Phrasen innerhalb eines Teilsatzes verwendet wird. Konjunktionen können Teilsätze einleiten, aber auch innerhalb von Teilsätzen verwendet werden (als Konjunktion oder als Adverb). Für verknüpfungslose Teilsätze bestehen keine festen Regeln bezüglich trennender Satzzeichen; auch werden Satzzeichen zur Abtrennung von unabhängigen Phrasen verwendet.


13-2 Der einfache Satz

Wir teilen einfache Sätze in zwei Gruppen ein, Regelsätze und Nicht-Regelsätze. Unter einem Regelsatz (batayạng pangungusap) verstehen wir einen einfachen Satz, der Prädikat, Subjekt und möglicherweise unabhängige Phrasen besitzt {1-5.1} {13A-201 }. Seine Struktur ist

{P-P} {P-S} {P-../I}

Die Besonderheit des filipinischen Regelsatzes ist, dass er aus zwei im Prinzip gleichberechtigten Phrasen besteht, Prädikat und Subjekt. Der Regelsatz kann nur durch unabhängige Phrasen erweitert werden; andere Erweiterungen sind stets dem Prädikat oder dem Subjekt zugehörig (genauer gesagt: die das Prädikat und Subjekt bildenden Inhaltsphrasen können erweitert werden {1-6.2 (2)}).

Im nächsten Abschnitt betrachten wir die Reihenfolge von Prädikat und Subjekt in Regelsätzen {13-2.1}, anschließend verschiedene Arten von Regelsätzen {13-2.2}. Sätze ohne Subjekt gehören zu den Nicht-Regelsätzen {13-2.3.2}. Wegen ihrer Besonderheiten bezüglich der Stellung von Prädikat und Subjekt zählen wir Sätze mit Subjektinterklit ebenfalls zu den Nicht-Regelsätzen, obwohl sie Prädikat und Subjekt besitzen {13-2.3.1}.

Die nachstehenden Betrachtungen gelten nicht nur für einfache Sätze, sondern auch für Teilsätze in zusammengesetzten Sätzen, da beide Gruppen sich nicht prinzipiell in ihrem Aufbau unterscheiden.


13-2.1 Reihenfolge von Prädikat und Subjekt im Regelsatz

Der filipinische Regelsatz besteht aus Prädikat und Subjekt. Beide können durch Bestimmungswörter markiert werden; das Subjekt besitzt einen besonderen Fokus. Durch unterschiedliche Positionierung dieser Phrasen besitzt die filipinische Sprache eine hohe Flexibilität im Bau der Sätze. Trotzdem gibt es einen kanonischen Satzbau, von dem in der überwiegenden Zahl der Fälle Gebrauch gemacht wird. Das Subjekt folgt nach dem Prädikat, dies bezeichnen wir als kanonische Reihenfolge (karaniwang ayos).

Die Festlegung dieser Reihenfolge als kanonisch ist sachlich gerechtfertigt {13-2.1.1 (2) Θ} {13-2.1.2 (5) Θ}, war jedoch längere Zeit umstritten. Es wurde und wird auch heute noch behauptet, dass ein Filipino mit viel nichtkanonischen Sätzen das bessere, gehobenere Filipino sei. Eine Anzahl Texte der Schriftsprache wurde analysiert in unserer Studie 'Statistische Untersuchung der Reihenfolge von Prädikat und Subjekt' {13A-211}. Zunächst zeigt die Studie, dass es offenbar keine grammatische Notwendigkeit gibt, die nichtkanonische Reihenfolge gehäuft zu verwenden. Andererseits kann die nichtkanonische Reihenfolge dienen, Sätze besser und übersichtlicher zu gestalten {13-2.1.2 [2-4]}. In der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle steht jedoch dem Autor die Wahl zwischen kanonischer und nichtkanonischer Reihenfolge frei. Einige Autoren verzichten auf dieses Stilmittel, andere setzen es gezielt in ihren Texten ein. Eine Besonderheit ist der "westliche Stil", in dem nichtkanonische Reihenfolge als gleichwertig oder bevorzugt betrachtet wird {13-6.1}.

In unserem Schlüsselsystem geben wir die Reihenfolge von Prädikat und Subjekt als Zusatzinformation für den Teilsatz an {16A-3.8}.


13-2.1.1 Kanonische Reihenfolge

(1) Die kanonische Reihenfolge von Prädikat und Subjekt wird in der filipinischen Sprache am häufigsten angewandt. Das Prädikat (genauer gesagt: das Kernwort des Prädikates) steht vor dem Subjekt [1] und erhält sein Bestimmungswort ay nur dann, wenn es nicht am Satzanfang steht und einer Markierung bedarf [2] {2-2.1 (2)}. Sätze mit kanonischer Reihenfolge werden mit dem Schlüssel {C-../PS} bzw. {C-../YPS} gekennzeichnet. In kanonischer Reihenfolge kann das Prädikat gespalten werden, wenn das Subjekt zwischen die Teile des Prädikates geschoben wird [2] {13-2.1.3}.

 
[1]Kumain ng kanin ang bata. Das Kind aß den Reis.{C-1/PS}
[2]Pagkagising ay kumain siyạ ng almusạl. Nach dem Aufwachen hat er gefrühstückt. {C-1/YPSP}
Fettdruck = Prädikat.

(2) {Θ} Eine Begründung für die kanonische Reihenfolge kann gefunden werden, wenn man die häufig gebildeten Sätze mit Verben als Prädikat betrachtet. Dort besitzt das Verb eine globale Rolle {2-4.3}. Es bestimmt die semantische Funktion von Subjekt, Komplement(en) und Adjunkt im Satz. Daher ist es logisch naheliegend, den Satz mit dem Verb zu beginnen, um für Hörer oder Leser von Beginn an Klarheit über die semantische Aussage zu schaffen. Weiterhin ist es naheliegend, dem Verb die syntaktische Funktion des Prädikates zuzuweisen. Um eine gewisse Spannung zu schaffen und den Satz als Ganzes zusammenzuhalten, kann man das fokustragende Subjekt an das Ende des Satzes setzen (der Vergleich zur deutschen Satzklammer liegt nahe).

Durch den Tausch von Prädikat und Subjekt {2-2.3} kann der PS-Satz abgewandelt werden, ohne das PS-Prinzip anzutasten. Das vormals fokustragenden Subjekt wird als Prädikat an den wichtigen Satzanfang gestellt, während das Verb Subjekt wird, sein Fokus gleicht teilweise den Verlust des Platzes am Satzanfang aus. Komplement(e) und Adjunkte folgen, der Satz ist am Ende "offen".

Das Ergebnis ist, dass der PS-Satz als logisch sinnvoll in der filipinischen Sprache betrachtet werden kann. Innerhalb dieses Prinzipes ist eine hohe Flexibilitität möglich.


13-2.1.2 Nichtkanonische Reihenfolge

(1) Bei nichtkanonischer Reihenfolge (di-kararaniwang ayos) steht das Subjekt vor dem Prädikat {13A-2121 Θ}. Regelmäßig wird dann das Bestimmungswort ay vor das Prädikat gesetzt [1] {2-2.1 (2)}. Die Schlüsselbezeichnung ist {C-../SYP}.

(2) In Texten mit wenig Sätzen in nichtkanonischer Reihenfolge liegen in der Regel Gründe vor, diesen Satzbau zu wählen {W Stat P-S 3.1}.

 
[1]Si Mameng ay sumusulat. { Lopez 1941 p. 38} Mameng schreibt. {C-1/SYP}
[2]Si Lino ay nakapantalọn ng kaki at nakabaro ng polo na may matutuwịd na guhit na bughạw. {W Daluyong 4.1} Lino trug lange Hosen aus Khaki und ein Polohemd mit blauen Streifen.{C-1/SYP}
[3]Sa aming pagkakaalạm, itọ'y kauna-unahang pagtatangk ... {W Tiongson 4.1} Unseres Wissens ist dies das erste Vorhaben, ...{C-1/SYP}
[4]Naratnạn ni Lino na si Bidong ay tahimik na nakaup sa hulịng baytạng ng hagdạn ng kubo. {W Daluyong 15.02} Lino war gerührt, als Bidong still auf der letzten Stufe der Treppe des Hauses saß. (Ein kanonischer Ligatursatz wäre missverständlich. Naratnan ni Lino na tahimik nakauupo... könnte als 'der ruhig sitzende Lino' verstanden werden.){C-L/SYP}
[5]Palatanọng kasị si Joe at si Nimfa namạ'y naghahanap nang makakausap ukol sa kanyạng mga sinusulat. Weil Joe und Nimfa wirklich neugierig waren, suchen sie das Gespräch über das, was sie (Nimfa) schreibt. {13A-5213 Σ} {.. C-S/SYP}
[6]Wal siyạng kaimịk-imịk habang akọ'y nagsasalit. Er sagte nichts, während ich sprach.{C-C/S/SYP}
Fettdruck = Prädikat (bzw. dessen Kernwort).

(3) Nicht alle Arten von Regelsätzen werden in nichtkanonischer Reihenfolge gebildet (obwohl eine solche Bildung nicht immer ungrammatikalisch ist {13A-2122}). Dazu gehören

(4) Die nichtkanonische Reihenfolge kann als besonderes Stilmittel verwendet werden {W Stat P-S 3.1 "Daluyong"}. Im "westlichen Stil" wird sie auch in einfachen Sätzen als Regelfolge verwendet [1] {13-6.1}. In der Umgangssprache sind Sätze in nichtkanonischer Reihenfolge selten.

(5) {Θ} Die nichtkanonische Reihenfolge ist geeignet für den sachlichen, erklärenden Satz, bei dem Subjekt und Prädikat beides Nomina sind. Der daraus folgende Satzbau wird deutlich bei { Lopez 1940} dargelegt, so dass wir hier dessen Gedankengängen folgen und zitieren (p. 117):

'Arrangement of thoughts.Syntaxis.
'Arrangement of a simple thought into a known (subject) and an unknown (predicate).Simple sentence, optional word-order, normal, Subject - Predicate, in between the particle ay, after a vowel 'y (equalizing sentence).'

Aus dem Vorstehenden folgt, dass dieses Prinzip den Nomina als Subjekt und Prädikat eine besondere Bedeutung zumisst, während Verben eine untergeordnete Rolle spielen. Eine statistische Betrachtung zeigt, dass dieses Prinzip in der filipinischen Sprache nur von untergeordeneter Bedeutung ist {13A-211}.


13-2.1.3 Spaltung des Prädikates

In kanonischer Reihenfolge steht das Prädikat vor dem Subjekt. Das Prädikat kann gespalten werden, um das Subjekt hinter das Kernwort des Prädikates, jedoch vor die oder zwischen die dem Prädikat zugehörigen Phrasen zu stellen. Diese Spaltung des Prädikates wird häufig vorgenommen, wenn das Prädikat von einer Verbphrase gebildet wird [1-3]; aber auch Adjektivprädikate können gespalten werden [4].

Prädikative Verbphrasen werden häufig gespalten, wenn das Subjekt im Vergleich zu den anderen Argumenten relativ kurz ist [1]; regelmäßig, wenn das Subjekt ein Pronomen ist (Personalpronomen in [2], Demonstrativpronomen in [3]). Das Pronomen folgt unmittelbar dem Verb bzw. einem anderen Pronomen nach dem Verb. Dabei gelten die Regeln für die Reihenfolge von enklitischen Kurzwörtern {11-3.3}. Beim Subjektinterklit und -interpotenzial (Nicht-Regelsatz) wird ebenfalls die Verbphrase gespalten [5 6] {13-2.3.1}. Auch können unabhängige Phrasen die Verbphrase spalten, wenn für sie außerhalb der Verbphrase kein geeigneter Platz im Satz ist [7].

 
[1]Binabati ko ang kapitbahay namin ng isạng maligayang buhay may-asawa. Ich wünsche unserem Nachbarn alles Gute zur Hochzeit. {C-1/PSP}
[2]Binabati namin kayọ ng isạng maligayang buhay may-asawa. Wir wünschen euch alles Gute zur Hochzeit.{C-1/PSP}
[3]Sinabayạn niyạ iyọn ng pasok sa kanyạng kuwạrto. {W Karla 5.202} Sie ging mit ihm bis zu ihrem Zimmer.{C-1/PSP}
[4]Galing akọ sa Maynila. Ich komme aus Manila.{C-1/PSP}
[5]Bigl akọng tumay. Plötzlich bin ich aufgestanden.{C-1/ICS}
[6]Puwede ang pahayagạng basahin ni Miguel. Miguel kann die Zeitung lesen. {10-4.1.3 [6]}{C-1/ICP}
[7]Kaninang umaga ay binigyạn ni Gina si Lolo sa ating hardịn ng dalawạng aklạt na sinulat ni Rizạl. Heute Morgen hat Gina dem Großvater in unserem Garten zwei Bücher von Rizal gegeben. {1A-202 Σ} {C-0/I/PSAP}

13-2.2 Regelsätze

13-2.2.1 Sätze mit Verbphrase als Prädikat oder Subjekt

Sätze mit Verben als Prädikat oder Subjekt sind bei weitem die häufigsten Sätze in der filipinischen Sprache. Das Verb hat eine globale Wirkung und besitzt ein oder mehrere Argumente, von denen eines in den Fokus des Verbs gesetzt wird. Wenn es Subjekt ist, erlangt es Bestimmtheit und die anderen Argumente sind Bestandteil der Verbphrase, die an sich keine Bestimmtheit besitzen. Zu diesem folgenden Satzmuster gehört Beispiel [1].

{P-P} {P-S}
{P-V}
Verb
  Argument 2   Argument 3
  Argument 1 im Fokus mit Bestimmtheit

Bildet die Verbphrase das Subjekt, so ist das erste Argument das Prädikat (im Fokus des Verbs, aber ohne Bestimmtheit), weitere Argumente bleiben Bestandteil der Verbphrase [2-4].

{P-P} {P-S}
Argument 1 ohne Bestimmtheit  {P-V}
Verb
  Argument 2   Argument 3

In der kanonischen Reihenfolge (mit Verb als Prädikat) zeigt das Verb bereits am Beginn des Satzes an, welche semantische Funktion die folgenden Argumente - Objunkte, Adjunkt und Subjekt - haben. Vorzugsweise stehen die zur Verbphrase gehörenden Phrasen unmittelbar nach dem Verb und das Subjekt folgt am Ende des Satzes [1]; jedoch kann die Verbphrase durch das Subjekt gespalten werden {13-2.1.3}. Durch Tausch von Prädikat und Subjekt kann die Verbphrase zum Subjekt des Satzes werden. Dann steht das Verb in der Mitte des Satzes nach der zum Prädikat gewordenen Phrase [2] oder am Satzende [3]. Dem im Fokus des Verbs stehenden Prädikat wird dabei die Bestimmtheit genommen [3]. Wie Satz [4] zeigt, ist dies der typische Satzbau für Phrasenfragen {12-4.2}.

 
[1]Nagịng pangunahịng tungkulin ng saliksịk ang paglikom ... {W Javier 2} Das Sammeln ... wurde zur wichtigsten Aufgabe der Forschung.{P-P=P-V P-S=P-N}
[2]'Yun nga ang ikinainis ng mga anạk ni Nimfa. {W Suyuan 3} über den haben sich Nimfas Kinder so geärgert.{P-P=P-N(PD) P-S=P-V}
[3]Kaunt lang ang nakita ko. Dann habe ich etwas gefunden. {2-3.1 [6|7]}{P-P=P-J P-S=P-V}
[4]Sino ang kumain ng manggạ? Wer hat die Mango gegessen?{P-P=P-N(PI) P-S=P-V}
Fettdruck = Prädikat (bzw. dessen Kernwort). Unterstreichen = Subjekt (bzw. dessen Kernwort).

13-2.2.2 Sätze mit Nominalphrasen als Prädikat und Subjekt

Bilden zwei Nominalphrasen Prädikat und Subjekt, so besitzt das Subjekt stets Bestimmtheit, während das Prädikat an sich keine Bestimmtheit besitzt.

{P-P} {P-S}
{P-N}
Nomen ohne Bestimmtheit
  {P-N}
Nomen mit Bestimmtheit

Die Häufigkeit von Sätzen, die Nominalphrasen als Prädikat und Subjekt besitzen, ist unterschiedlich. In erzählenden Texten sind sie seltener, in erklärenden Texten kommen sie häufiger vor. Auch hier wird die kanonische Reihenfolge bevorzugt, jedoch spricht eine logische Betrachtung für die nichtkanonische Reihenfolge [4] {13-2.1.2 (5) Θ}. Wenn sowohl Prädikat und Subjekt Nominalphrasen sind, schafft ein Tausch von Prädikat und Subjekt syntaktisch keinen neuen Satztyp, verändert jedoch die Semantik [3|4] (Bestimmtheit des Subjektes {2-3.1}).

 
[1]... isạng permanẹnteng proyẹkto ang diksiyonạryong itọ. {W Javier 2} Dieses Wörterbuch ist ein ständiges Projekt.{P-P=P-N P-S=P-N}
[2]Ang saging ay halaman. { Lopez 1940} Die Banane ist eine Pflanze.{P-S=P-N P-P=P-N}
[3]Pilipino ang mamang may maitịm na buhọk. Der Mann mit dem schwarzen Haar ist Filipino. {P-P=P-N P-S=P-N}
[4]Mamang may maitịm na buhọk ang Pilipino. Der Filipino (aus der Gruppe da) ist der Mann mit dem schwarzen Haar.{P-P=P-N P-S=P-N}
Fettdruck = Prädikat (bzw. dessen Kernwort). Unterstreichen = Subjekt (bzw. dessen Kernwort).

13-2.2.3 Sätze mit Adjektiv als Prädikat oder Subjekt

(1) Aus semantischen Gründen sind Sätze mit Adjektiv als Prädikat seltener [1]. Dazu kommt, dass diese Sätze vermieden werden, wenn Zustandsverben eine Alternative bilden [1|2] (vgl. {6-1 (5)}). Satz [3] besitzt kein Adjektiv, gutom ist eine verkürzte Verbform von nagugutom. Sätze mit Adjektiv als Prädikat sind in der Regel in kanonischer Reihenfolge [1]. Tausch des Adjektivs zum Subjekt kommt regelmäßig in Fragesätzen vor [4], ist sonst selten [8].

 
[1]Gutọm [gʊ'tɔm] na akọ. Ich habe jetzt Hunger (bin hungrig). {2-4.7}{P-P=P-J}
[2]Nagugutom na akọ. Ich habe jetzt Hunger. {6-3.2.3} {P-P=P-V(VA00/fs/E)}
[3]Gutom ['gu:.tɔm] na akọ. Ich habe jetzt Hunger. {6-6.3} {P-P=P-V(X/VA)}
[4]Sino ang marunong na sumulat? Wer kann schreiben? {P-S=P-J(J L V)}
[5]Pun ng tubig ang baso. Das Glas ist voll mit Wasser. {9-4.1} {P-P=P-J(J P-C)}
[6]Saw na akọ sa iyọng mga kalokohan. Ich bin deine Dummheiten jetzt leid. {9-4.2} {P-P=P-J(JA P-A)}
[7]Marunong na sumulat si Pepe. Pepe kann schreiben. {9-4.4} {P-P=P-J(J L V))}
[8]Ikạw na ang bahala sa mga iyạn. {W Samadhi 4.4} Du bist jetzt verantwortlich für diese Dinge da. {P-S=P-J(JA P-A)}
Fettdruck = Erstes Argument. Unterstreichung = Zweites Argument (siehe folgenden Absatz (2) {Θ}).

(2) {Θ}  Der Begriff Argument wurde für Verben eingeführt {6-2.2}. Möglicherweise ist es sinnvoll, diesen Begriff auf prädikativ verwendete Adjektive auszudehnen. In der Regel besitzt ein Adjektiv ein Argument, das den Besitzer der Eigenschaft beschreibt [1]. Ein weiteres Argument kann hinzukommen, die Eigenschaft näher zu beschreiben [4-8].

Für den einfachen Satztyp [1] lässt sich folgendes Muster aufstellen:

{P-P} {P-S}
{P-J}
Adjektiv
  Argument 1 mit Bestimmtheit

Ein zweites Argument kann zugefügt werden [5-7]:

{P-P} {P-S}
{P-J}
Adjektiv
  Argument 2
 Argument 1 mit Bestimmtheit

Für Sätze wie [4 8] gilt entsprechend:

{P-P} {P-S}
Argument 1 ohne Bestimmtheit {P-J}
Adjektiv
  Argument 2

13-2.2.4 Sätze mit Existenzphrase als Prädikat oder Subjekt

Ein weiterer häufiger Satztyp sind Sätze mit Existenzphrasen, wobei in der Regel die Existenzphrase das Prädikat bildet. Diese Sätze werden in kanonischer Reihenfolge [1] und seltener mit nichtkanonischer Reihenfolge gebildet, häufig jedoch als Nicht-Regelsätze ohne Subjekt [2]. In [3] bildet die Existenzphrase das Subjekt.

 
[1]Pero, may katwiran din namạn si Joe ... {W Suyuan 5.12} Aber, Joe hatte eben auch Gründe ...{P-P=P-A/E}
[2]Walang dahilạn para paghambingin ko sila. {W Rica 124} Es gibt keinen Grund, dass ich die beiden miteinander vergleiche. (Der übergeordnete Teilsatz lautet walang dahilan und besitzt kein Subjekt; dahilan wird durch den attributiven Teilsatz para paghambingin ko sila ohne Ligatur ergänzt.){P-P=P-A/E}
[3]Siyạ namạn ang may kakayahạng mag-utos sa kanyạng mga alipin. {W Material Girl 3.3} Er hat schließlich die Fähigkeit, seinen Untertanen zu befehlen.{P-S=P-A/E}

13-2.2.5 Imperativsätze

(1) In der filipinischen Sprache unterscheiden sich Imperativsätze (pangungusap na pang-utos) nicht grundsätzlich von Aussagesätzen. Vorzugsweise werden Imperativsätze mit Verben gebildet, sowohl von Aktivverben und von Passivverben. In Sätzen mit Aktivverben wird der Aufgeforderte als Subjekt dargestellt, im Allgemeinenen ist er ein Personalpronomen (auch in der ersten Person) [1 2]. In Sätzen mit Passivverben ist der Aufgeforderte ein Objunkt [3-5]. Imperativsätze sind Regelsätze mit kanonischer Reihenfolge von Prädikat und Subjekt [1 2 4 5 7], wenn sie nicht subjektlose Nicht-Regelsätze sind [3 6 8]. Das Verb steht in der Regel im Infinitiv [1-4 7 8], nur selten wird das Futur verwendet; die filipinische Sprache besitzt keine besondere Imperativform (pautọs). Am Infinitiv können Imperativsätze syntaktisch erkannt werden (jedoch nicht eindeutig). Zur deutlicheren Erkennung als Imperativ oder Bitte können Adverbien (nga in [6]) hinzugefügt werden oder besondere Verbformen der Bitte verwendet werden [5 6]. In Satz [7] wird ein Imperativsatz verwendet, um semantisch einen Konjunktiv darzustellen.

Semantisch gibt ein Imperativsatz nur Sinn, wenn der Angesprochene als potenzieller Täter die Tat ausführen kann bzw. zumindest veranlassen, beeinflussen oder auslösen kann [9a]. Damit zusammenhängend, haben Verben in Imperativsätzen in der Regel keine Modalität (d.h. sie stellen eine einfache Tätigkeit dar) [1-4]; mit Verben der Fähigkeit können keine Imperativsätze gebildet werden [10a]. Da es jedoch keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Imperativ- und Aussagesätzen gibt, kann durch eine geringe Abwandlung, wie z.B. durch Zufügung eines Adverbs ('optative particle' bei { Kroeger 1991 p. 111 f.}), der Satz formal zum Aussagesatz gemacht werden [9b 10b].

Verneinte Imperativsätze werden mit dem Potenzialadverb huwạg (morphologisch wahrscheinlich von hindị abgeleitet) gebildet [11]. Satz [12] ist idiomatisch und stellt keine eigentliche Aufforderung dar.

 
[1]Lumabạs ka na. Geh jetzt hinaus.
[2]Umalịs na tayo. Lasst uns jetzt gehen!
[3]Bilisạn mo. Beeil dich. (Subjektloser Satz {13-2.3.2}.)
[4]Buksạn mo ang pint. Öffne die Tür.
[5]Pakiabọt mo ang bote. Bitte gib mir die Flasche. {7-9.2}
[6]Paabọt ng ng bote. Reich bitte die Flasche. {7-9.3}
[7]Ipagpalagạy nating hulị tayo; anọ ang sasabihin ng guro? Angenommen, dass wir zu spät sind (lasst uns annehmen, dass wir zu spät sind), was wird der Lehrer sagen?
[8]Makibilị ng kamatis. Kaufe bitte Tomaten. {7A-911 (2)}
[9][a] Tulungan ka ni Ate. [0] Lass dir von Ate helfen. [b] Tulungan ka sana ni Ate. [++] Lass dir vielleicht von Ate helfen. (In [9a] ist der Angesprochene nicht der potenzielle Täter. Trotzdem ist der Satz möglich, da der Angesprochene die Tat auslösen kann 'Gehe zu Ate und bitte sie um Hilfe'. [9b] ist ein Aussagesatz, der einen Wunsch ausdrückt. Daher ist es unerheblich, ob der Angesprochene der potenzielle Täter ist.)
[10][a] Mahuli mo ang daga. [b] Mahuli mo ng ang dag. Kannst du jetzt endlich die Maus fangen.
[11]Huwạg kayọng mabahala mga anạk. {W Äsop 3.4.2} Macht euch, ihr Kinder, keine Sorgen.
[12]Huwạg na lang. Schon gut (du brauchst nichts zu tun).

(2) Verblose Imperativsätze sind seltener, vermutlich wegen der mangelnden spezifischen Erkennung [13-15]. In vielen Fällen werden diese verblosen Imperativsätze vermieden, indem ein passendes Verb verwendet wird [16-18]. Sätze mit huwag sind deutlich als Imperative erkennbar [19].

 
[13]AdjektivTahimik na! Tahimik na kayọ! Ruhe jetzt! Seid ihr jetzt ruhig!
[14]SubstantivMabuti kang bata! Sei ein gutes Kind! (Nicht-Regelsatz mit Subjektinterklit {8A-901 Σ}.)
[15]AdjunktphraseNasa paaralạn na kayọ mamayạ alas tres ng hapon! Seid um 15.00 Uhr in der Schule!
[16]VerbTumahimik ka. Manahimik ka. Sei still!
[17]VerbMagịng mabuti kang bata. Sei ein gutes Kind!
[18]VerbPumasok kayọ sa paaralạn mamayạ alas tres ng hapon! Betretet um 15.00 Uhr die Schule!
[19]AdjektivAt 'wạg kang madamot dahil tatlọ na lang namạn ang kailangan namin! {W Gubat 3.5} Und sei nicht geizig, weil wir nun mal drei [Perlen] verlangen!

Orthografisch erhalten Imperativsätze einen Punkt, ein Ausrufezeichen kann zu ihrer besseren Erkennung gesetzt werden.


Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/filipino/sy_usap_1.htm
18. April 2010 / 13. Oktober 2013

Die filipinische Sprache - Ende 13 Einfacher und zusammengesetzter Satz (Datei 13/1)

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