
Wir wollen die Syntax des filipinischen Satzes mit dem Geschehen auf einer Theaterbühne vergleichen. Auf der Bühne sind Schauspieler und Gruppen von Schauspielern (Wörter und Phrasen). Vor der Bühne sitzt der Regisseur. Er kann die Schauspieler veranlassen, bestimmte Plätze auf der Bühne einzunehmen (das entspricht Satzanfang, -mitte und -ende). Das Besondere auf unserer filipinischen Bühne ist, dass über der Bühne ein vom Regisseur unabhängiger Beleuchter sitzt, der zwei Scheinwerfer bedient, die die Namen ANG und AY tragen. Diese Scheinwerfer kann er auf beinahe jeden Schauspieler bzw. jede Gruppe richten und somit beliebige Gruppen ins rechte Licht rücken, unabhängig davon, wo der Regisseur sie plaziert hat. Der Beleuchter ist allerdings dafür verantwortlich, dass seine zwei Scheinwerfereinstellungen zueinander passen. Da Beleuchter und Regisseur voneinander unabhängig arbeiten dürfen, erhält das Bühnengeschehen eine große Flexibilität, und - um wieder auf die Sprache zu kommen - eine beachtliche Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten.
Wir stellen fest, dass es außer der eindimensionalen zeitlichen Abfolge der Wörter und Phrasen im Satz noch ein zweites beherrschendes Element in der filipinischen Syntax gibt. Zwei Bestandteile des Satzes können ein besonderes Gewicht erhalten. Mit ANG wird eine Phrase markiert, die mit dem klassischen Subjekt viele Gemeinsamkeiten besitzt und die wir daher als Subjektphrase bezeichnen. Entsprechend können wir die AY-Phrase als Prädikat identifizieren. Das Besondere an der filipinischen Sprache ist, dass Prädikat und Subjekt deutlich hörbar bzw. sichtbar markiert werden und dass fast alle Phrasen die Rolle von Prädikat oder Subjekt übernehmen können, wobei einschränkend eine Konsistenz zwischen Prädikat und Subjekt gewahrt bleiben muss.
Ein Weiteres kommt hinzu. Der ANG-Scheinwerfer verleiht allem, was er beleuchtet, besonders scharfe Konturen (wir sprechen später von Fokus und Bestimmtheit des Subjektes). Daher gibt es keinen Sinn, ihn auf etwas Diffuses, Unbestimmtes zu richten. Die filipinische Sprache hat eine besonders wirksame Methode entwickelt, dieses zu verhindern. ANG- und AY-Scheinwerfer können die Objekte, auf die sie ihr Licht richten, tauschen. Durch diesen Tausch von Prädikat und Subjekt können wenig bestimmte Objekte aus dem Fokus genommen werden oder deutlich bestimmbare Objekte in den Fokus gesetzt werden.
Eine weitere Eigenart der filipinischen Sprache ist, dass ein Satz nur dann ein Verb enthält, wenn es semantisch erforderlich ist. Die Syntax verlangt kein Verb, so dass viele Sätze verblos sind. Ein Verb kann daher nicht oder zumindest in vielen Fällen nicht den Mittelpunkt des filipinischen Satzes bilden.
Aus diesen Überlegungen heraus haben wir ein Strukturmodell für den einfachen Satz in der filipinischen Syntax gewählt, in dem Prädikat- und Subjektphrase die Hauptrolle spielen, wodurch Verb- und Nominalphrase zwangsläufig in eine untergeordnete Rolle gedrängt werden.
In diesem Modell wird in erster Linie die Funktion der Phrasen im filipinischen Satz betrachtet. Es ist eine Besonderheit der filipinischen Sprache, dass sich daraus nur beschränkt Regeln für die Reihenfolge dieser Phrasen im Satz herleiten; vielmehr ist die Reihenfolge in weiten Grenzen frei wählbar. Der Grund dafür ist, dass die Phrasen im Allgemeinen selbst eine Markierung ihrer Funktion besitzen, so dass eine bestimmte Positionierung zur Erkennung ihrer Funktion nicht erforderlich ist.
Neben den Grundsätzen des Strukturmodells gibt in der filipinischen Sprache eine Anzahl ergänzender Prinzipien {1-5.4}.
Nachstehend stellen wir unser Strukturmodell in Form einer Tabelle vor.
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Anmerkungen
In unserem Strukturmodell haben wir eine Prädikatphrase und eine Subjektphrase auf dem höchsten hierarchischen Niveau des filipinischen Satzes definiert, die wir in Kapitel {2} behandeln. Mit dem Bestimmungswort ang wird das Subjekt gekennzeichnet, das einen "im Fokus stehenden" Satzschwerpunkt bildet, Filipino ist eine fokusorientierte Sprache. ay hat eine ang vergleichbare Funktion für das Prädikat. ay wird viel seltener verwendet als ang, da ein am Satzanfang stehendes Prädikat keiner besonderen Kennzeichnung bedarf.
Es gibt in der filipinischen Sprache mehrere Mechanismen, dass Phrasen ihre Funktion im Satz ändern können. Dadurch können nahezu alle Phrasen in einem oder in mehreren Schritten in die Prädikat- oder in die Subjektphrase getauscht werden. Dadurch entsteht eine Variationsbreite im Ausdruck, zumal die Plazierung der Phrasen im Satz in weiten Grenzen flexibel ist. Da Prädikat und Subjekt ihre Funktionen tauschen können, entsteht eine formale Symmetrie zwischen Prädikatphrase und Subjektphrase.
Prädikat- und Subjektphrase können aus Nominal- und Verbphrasen gebildet werden. Jedoch enthält der filipinische Satz nur dann ein Verb, wenn dieses semantisch erforderlich ist. Die Syntax verlangt kein Verb, so dass viele Sätze verblos sind. Daher können Adjektiv-, Adverb- und Adjunktphrasen das Prädikat bilden, und aus den oben angeführten Symmetriegründen auch das Subjekt. Deshalb besitzt das Verb in der filipinischen Syntax keine zentrale Rolle beim Aufbau des Satzes, und eine Gleichsetzung von Verb und Prädikat ist nicht zulässig. Ebenso ist in der filipinischen Sprache das Subjekt nicht stets eine Nominalphrase.
In unserem Strukturmodell sind Prädikat und Subjekt die wesentlichen Bestandteile des Satzes; sie stehen auf dem höchsten hierarchischen Niveau im Satz. Daraus folgt zwangsläufig, dass ihre Bestandteile, u.a. Nominal- und Verbphrase, auf das zweite Niveau zu stehen kommen. Unabhängige Phrasen können neben Subjekt- und Prädikatphrase ergänzend im Satz stehen {5-3 (2)}. Damit ergibt sich folgende Struktur für den filipinischen Regelsatz {13-2.4 Θ}.
{P-P} {P-S} {P-../I}
(1) Außer Prädikat und Subjekt gibt es in der filipinischen Sprache weitere, untereinander grundsätzlich unterschiedliche Möglichkeiten, Nominalphrasen in den Satz einzubinden. Zwei davon bezeichnen wir als Objunktphrasen und Adjunktphrasen und behandeln sie in den Kapiteln {3} und {4}.
Die durch das Bestimmungswort ng charakerisierte Objunktphrase kommt hauptsächlich als Phrase vor, die als Argument einer Verbphrase zugeordnet ist, und als Attribut in einer Nominal-, Adjektiv- oder Adverbphrase. Typisch für die Objunktphrase ist ihr enklitischer Charakter, sie kann nicht unabhängig im Satz stehen und nicht am Satzanfang.
sa ist das charakteristische Bestimmungswort der Adjunktphrase. Sie deckt einen weiten Bereich von semantischen Funktionen ab, der durch Präpositionen noch erweitert wird. Dementsprechend gibt es keine Beschränkung, in welchen Phrasen und wo im Satz die Adjunktphrase stehen darf.
Objunkt und Adjunkt besitzen ein nahezu vollständiges Paradigma von Personal-, Demonstrativ- und Interrogativpronomen, die wir als NG- und SA-Pronomen bezeichnen {6-5}.
(2) Ein Vergleich von Objunkt- und Adjunktphrase einerseits und den verschiedenen Nomina-Kasus und Präpositionalphrasen der indogermanischen Sprachen zeigt, dass die Organisationsprinzipien sich erheblich unterscheiden und Vergleiche nur sehr beschränkt erlaubt sind {1A-521 Θ}. Wenn man einen solchen Vergleich vornimmt, ist die Objunktphrase vergleichbar mit Objekt, Possessivbeziehung und Ergativ im Deutschen. Die Adjunktphrase deckt einen weiten Bereich semantischer Funktionen ab, die in den indogermanischen Sprachen deutlich getrennt sind (z.B. Dativ und Lokativ). Es ist eine Besonderheit der filipinischen Sprache, dass diese Trennung nicht erfolgt und so können Adjunktphrasen Verben zugeordnet sein (häufig dem Dativ entsprechend), Besitzbeziehungen ausdrücken und klassische Adverbialbestimmungen bilden.
Das Besondere an der filipinischen Sprache ist, dass die Objunkt- und die Adjunktphrase jeweils einen homogenen Block darstellen, während sie beide für europäisches Sprachverständnis als recht inhomogen erscheinen.
Neben den oben beschriebenen Objunkten und Adjunkten gibt es in der filipinischen Sprache weitere Möglichkeiten, Phrasen einander zuzuordnen. Mit Hilfe der -ng/na Ligatur wird ein Abhängigkeitsverhältnis angezeigt, ohne semantisch die Art der Abhängigkeit darzustellen. Besonders häufig wird die Ligatur in Nominalphrasen verwendet {6-7} und in Verbphrasen; dort häufiger zur Zuordnung von Adverbien {10-3.1.1} und seltener als Argument {7-7.4}. Wir bezeichnen diese Phrasen als Subjunkte bzw. Subjunktphrasen. Nicht in allen Fällen erhalten diese Subjunktphrasen eine Ligatur; es gibt also Subjunkte ohne Ligatur {5-2.2}.
Eine weitere Gruppe von Phrasen steht unabhängig im Satz. Am Satzanfang besitzen sie kein Bestimmungswort. An anderen Positionen im Satz wird ein Bestimmungswort nang verwendet. Zu diesen Phrasen gehören u.a. Adverbphrasen {10-3.2}, die disjunktiven Nominalphrasen {5-3.1} und die Gerundphrasen als deren Sonderform {5-3.2}. Da sie stets unabhängig im Satz stehen, können sie kein Attribut zu einer anderen Phrase sein. Wir bezeichnen sie als Disjunkte bzw. Disjunktphrasen.
Subjunkte und Disjunkte betrachten wir als Funktionsphrasen; wir behandeln sie gemeinsam in Kapitel {5}. Die Mehrheit der Subjunkte und Disjunkte kann als Interklitbezugswort dienen.
(1) Wir betrachten unser Strukturmodell als das wesentliche Bauprinzip der filipinischen Syntax. Daneben haben wir eine Anzahl ergänzender Prinzipien gefunden, die einerseits eine große Bandbreite von grammatischen Konstruktionen erlauben und andererseits verstehen helfen, wie Sprecher und Schreibende aus diesen Möglichkeiten die für ihren Stil geeigneten Konstruktionen wählen. Wir reißen hier diese Prinzipien nur kurz an und behandeln sie in den entsprechenden Kapiteln ausführlich.
Als allgemeines Prinzip der filipinischen Sprache ist die Rechtsverzweigung zu erkennen. Dies führt zu festen bzw. nahezu festen Regeln [1-6] oder zu bevorzugten Konstruktionen [7 8]. Enklitische Kurzwörter und enklitisches Verhalten können als Rechtsverzweigung im weiteren Sinn betrachtet werden.
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(2) In der filipinischen Sprache gibt es enklitische Kurzwörter {11-3}. Darüber hinaus können sich Personal- und Demonstrativpronomen enklitisch verhalten; wir nennen diese Konstruktionen Interklit {11-6}. Eine Besonderheit dabei ist, dass innerhalb dieser Konstruktionen in erster Linie der morphologische oder phonologische Aufbau die Plazierung dieser Kurzwörter bestimmt, wenn auch innerhalb eines von deren Funktionen festgelegten Rahmens. Häufige und gezielte Verwendung von Pronomen kann so einen besonderen Stil schaffen.
(3) Auffallend ist das hochentwickelte Affixsystem bei Verben, das auch in der Umgangssprache verwendet wird. Die dazu gehörigen Argumentstrukturen einschließlich Fokus und Funktion ermöglichen eine bemerkenswerte Reichhaltigkeit des Ausdruckes, die sich insbesondere in der Darstellung des Täters äußert. Vorgezogen werden Konstruktionen, bei denen der Täter im Hintergrund bleibt (Passiv).
(4) Die syntaktische Darstellung in der filipinischen Sprache beschränkt sich auf das semantisch Erforderliche bzw. Erwünschte. Der Satz erfordert ein Prädikat, aber kein Verb oder anderweitige Platzhalter. Auf Tempus-, Numerus- und Genusanzeige wird weitgehend verzichtet. Semantisch nicht erforderliche Phrasen können weggelassen werden, sogar das in der filipinischen Syntax so bedeutende Subjekt. Die Folge davon ist, dass Merkmale in der Regel nicht redundant dargestellt werden und damit die Möglichkeit einer fehlenden Kongruenz (und einer daraus resultierenden möglichen Nicht-Grammatikalität) nicht besteht {13-4.2 Θ}.
Imperativ- und Fragesätze passen in unser Strukturmodell, obwohl sie naturgemäß einige Besonderheiten besitzen. Eine weitere Gruppe von Sonderfällen wird von unserem Strukturmodell nicht erfasst, sie können jedoch als Ergänzungen angesehen werden, die nicht im Widerspruch zum Strukturmodell stehen. Dazu gehört nichtkanonisches ang {2-2.5}. Hinzu kommen Nicht-Regelsätze {13-2.3}, deren wichtigste Gruppen Interklitkonstruktionen und Sätze ohne Subjekt sind.
Das Strukturmodell gilt für den einfachen Satz, kann jedoch für zusammengesetzte Sätze angepasst werden {13-1}.
(1) Die bisher betrachteten Phrasen - Prädikat, Subjekt, Objunkt, Adjunkt, Subjunkt und Disjunkt - besitzen Bestimmungswörter (panandạ, Ähnlichkeit mit 'determiner' {*}), die die syntaktische Funktion der Phrase anzeigen. Daher bezeichnen wir diese Phrasen als Funktionsphrasen (pariralang pangkayariạn; Häufigkeit der verschiedenen Funktionsphrasen {1A-611}).
{*} {Θ} Die Ähnlichkeit mit dem "prototypischen" 'determiner' ist beschränkt. Determinative sind eine viel größere (und möglicherweise offene) Klasse und ihre Phrasen enthalten stets eine Nomen.
Eine Besonderheit dieser Bestimmungswörter ist, dass sie nicht in allen Fällen verwendet werden oder bis zur Unkenntlichkeit mit anderen Wörtern verschmolzen werden können. Wir betrachten sie dann als latent vorhanden, da sie regelmäßig durch geringe syntaktische oder semantische Veränderungen wieder hör- und sichtbar gemacht werden können.
(2) Unsere Definition der Funktionsphrasen beschränkt sich ausschließlich auf syntaktische Eigenschaften. Zugehörigkeit zu bestimmten morphologischen Wortarten und bestimmte semantische Eigenschaften sind nicht Bestandteil dieser Definitionen. Dies schließt nicht aus, dass wir Beziehungen zwischen Funktionsphrasen, Wortarten und semantischen Eigenschaften suchen und auch finden. Das Wesentliche an unserem Ansatz ist, dass wir zur Definition der Funktionsphrasen keine morphologischen Wortarten benötigen und damit an dieser für uns zentralen Stelle der filipinischen Wortartenproblematik entgehen {15-5}. Ähnliches gilt für semantische Funktionen; insbesondere die Frage nach dem semantischen Täter stellt sich an dieser Stelle nicht. Damit können wir ein einfaches und konfliktarmes logisches Gerüst der filipinischen Syntax aufbauen, das auf Elementen aufgebaut ist, die in der Sprache deutlich hörbar und sichtbar sind. Die Bestimmungswörter sind in jedem filipinischen Satz vorhanden und nicht nur in linguistischen Paradigmen. An vielen Stellen können wir feststellen, dass sich auch das Denken der Muttersprachler an diesen Kategorien orientiert.
| Funktionsphrasen | Bestimmungswörter |
| Prädikat | ay |
| Subjekt | ang |
| Objunkt | ng |
| Adjunkt | sa |
| Subjunkt | -ng/na |
| Disjunkt | nang |
(3) {Θ} Den ganzen Satz bzw. Teilsatz in der filipinischen Sprache betrachten wir nicht als Phrase, ihm fehlen Bestimmungswort und Kernwort. Daher sind für uns Bezeichnungen wie 'Verbphrase' oder 'Inflectional phrase' {2A-102 (2)} zur Beschreibung des filipinischen Satzes nicht geeignet.
Zuordnung von Phrasen in der Literatur {1A-612
}.
(1) Den inhaltlichen Bestandteil der Phrasen bilden die Inhaltsphrasen (pariralang pangnilalamạn). Sie besitzen keine Bestimmungswörter. Die Inhaltsphrasen unterscheiden wir nach der Wortart ihres Kernwortes. Definitionsgemäß sind die Kernwörter der Inhaltsphrasen die Inhaltswörter der filipinischen Sprache {15-5.1 (2)}.
| Inhaltsphrasen | Kernwörter |
| Nominalphrase | Substantiv, Pronomen |
| Verbphrase | Verb |
| Adjektivphrase | Adjektiv |
| Adverbphrase | Adverb |
(2) Inhaltsphrasen bzw. deren Kernwörter können durch zusätzliche Phrasen ergänzt werden, die wir als untergeordnete Phrasen (pariralang pang-ibabạ) oder Attribute (panuring) bezeichnen.

(1) Diese Einteilung in Funktions- und Inhaltsphrasen bedarf einer Ergänzung. Funktions- und Inhaltsphrase sind nicht zwei getrennte Phrasen. Vielmehr bilden sie gemeinsam eine duale Identitität der filipinischen Phrase. Die äußere oder funktionale Identität einer Phrase bezeichnen wir vereinfacht als ihre Funktionsphrase; desgleichen ist die Inhaltsphrase ihre innere oder inhaltliche Identität. Beide Identitäten - Funktion und Inhalt - sind erforderlich, um eine Phrase zu bilden. Dieser Dualität tragen wir in unserem Schlüsselsystem Rechnung, indem wir eine Phrase mit ihren beiden Identitäten kennzeichnen (Beispiel {P-P=P-V} für ein Prädikat, das ein Verb ist). Eine Funktionsphrase allein ist keine wirkliche Phrase, sondern ein Gattungsbegriff für Phrasen mit gleicher äußerer Identität ({P-P} für alle Phrasen {P-P=P-..}); entsprechend ist eine Inhaltsphrase der Gattungsbegriff für gleiche innere Identität ({P-J} für alle Phrasen {P-..=P-J}).
In der filipinischen Sprache besteht kein fester Zusammenhang zwischen syntaktischen Funktionen und morphologischen Wortarten. Die Einteilung in Funktions- und Inhaltsphrasen ist unser Ansatz, dieser wesentlichen Eigenschaft der filipinischen Sprache Rechnung zu tragen {1A-631 Θ}. In der filipinischen Sprache können wir die Funktionsphrasen als die syntaktischen Phrasen betrachten, während die Inhaltsphrasen die morphologischen Phrasen sind.
(2) Wie die Strukturmodelltabelle zeigt {1-4}, gibt es viele Möglichkeiten, Funktions- und Inhaltsphrasen zu kombinieren. Es ist möglich, dass eine Funktionsphrase eine zweite Funktionsphrase als Inhalt besitzt, die dann einen "echten" Inhalt besitzt (Beispiel: Prädikat besteht aus Adjunktphrase mit Nominalphrase als Inhalt {P-P=(P-A=P-N)}). Die Tabelle zeigt weiterhin, dass nahezu jede Inhaltsphrase zu jeder Funktionsphrase passt.
Die vorstehenden Prinzipien schließen nicht aus, dass bestimmte Kombinationen von Funktions- und Inhaltsphrasen nicht vorkommen {1A-632}. So verbietet die globale Wirkung des Verbs seine Verwendung in untergeordneten und unabhängigen Phrasen, also in Objunkten, Adjunkten, Subjunkten und Disjunkten. In diesen Fällen muss das Verb seine globale Wirkung ablegen und zum Partizip (bzw. zum Gerundium bei Disjunkten) werden.
(3) Im Allgemeinen werden Inhaltsphrasen ergänzt, nicht die damit verbundenen Funktionsphrasen. Die Erweiterungen beziehen sich auf das Kernwort der Inhaltsphrase. Davon abweichend und seltener gibt es Ergänzungen, die sich semantisch auf die Funktionsphrase als Ganzes beziehen. So kann eine Adjunkt- oder Existenzphrase durch eine Subjunktphrase (Adverb mit Ligatur) oder durch ein Alleinwort ergänzt werden {4-4} {6A-4211 Σ [3]}. In diesen Fällen besitzt die Funktionsphrase einen eigenen Inhalt, der aus diesen Attributen und dem Bestimmungswort besteht. Sind diese Attribute vorangestellt, so stehen sie vor dem Bestimmungswort. In unserem Schlüsselsystem ordnen wir diese Attribute direkt der Funktionsphrase zu (Beispiel {4A-401 Σ}).
(4) Nach der Definition von Funktions- und Inhaltsphrasen und damit verbunden der Inhaltswörter verbleibt eine größere Zahl von Wörtern in der filipinischen Sprache. Abweichend von den oben behandelten Phrasen können sie nicht durch Attribute ergänzt werden und außerdem nicht als Interklitbezugswort dienen; sie besitzen auch keine Bestimmungswörter. Aus diesen Gründen zählen wir sie nicht zu den Phrasen. Bestimmungswörter, Präpositionen und Artikel trennen wir als Funktionswörter ab, da sie zum Bau der Phrasen verwendet werden. Es verbleibt die Restgruppe der Alleinwörter {15-5.1}.
(5) {Θ} Die Funktionsphrasen sind unmittelbar aus der sprachlichen Wirklichkeit herzuleiten, da sie durch ihre Bestimmungswörter definiert sind {1-2}. Im Gegensatz dazu ist in der filipinischen Sprache der Begriff der morphologischen Wortarten und der davon abgeleiteten Inhaltsphrasen weit weniger deutlich {15-5 (1)}. Inhaltsphrasen sind daher weiter von der sprachlichen Wirklichkeit entfernt als Funktionsphrasen, möglicherweise sind sie nur als Werkzeuge zum linguistischen Verständnis der Sprache anzusehen.
Paradigma ang - ng - sa der Nominalphrasen
{1A-633
}.
'Case phrases' {1A-634
}.
(1) Wir haben - zumindest war dies unsere Absicht - 'sine ira et studio' Daten gesammelt, wobei immer das 'common sense' der Muttersprachler die höchste sprachliche Autorität war. Diese Daten haben wir dann versucht, schlüssig und widerspruchsfrei zu ordnen. Dabei haben wir im ersten Ansatz vermieden, bestimmte Phänomene mit Standardtermen der Linguistik zu benennen, um eine vorzeitige Klassifizierung und Interpretation in eine bestimmte Richtung zu vermeiden. Insbesondere betrachten wir nicht indogermanische Spachen als eine Art Richtschnur, daher suchen wir in erster Linie nicht nach Gemeinsamkeiten mit ihnen und Abweichungen davon. Auf Grund unserer empirischen Daten sind wir zu Ergebnissen gelangt, die nicht in allen Punkten mit denen anderer Autoren übereinstimmen, die wir in drei Gruppen einteilen möchten.
Zunächst sehen wir die internationale Linguistik, die oft auf
{
Bloomfield 1917} zurückgreift {1A-7011
}.
Als neuere Prototypen dieser Richtung betrachten wir die Arbeiten von
{
Himmelmann 1987} {1A-7012
} und
{
Kroeger 1991} {1A-7013
}.
Ein umfangreiches Standardwerk ist die Grammatik von
{
Schachter 1972} {1A-7014
}.
Eine philippinische Schule - hier als Prototyp die UP Diliman - kommt der
internationalen Linguistik recht nahe, als Beispiele zitieren wir den Beginn mit
{
Lopez 1941} {1A-7015
} bis hin zu {
Aganan 1999}
{1A-7016
}.
Für eine dritte Gruppe, die mehr an die traditionelle spanisch-philippinische
Linguistik anknüpft, finden wir als Representanten die Schulgrammatik von
{
Villanueva 1968/1998} und als neuere Arbeit
{
Santiago Bal 2003}.
(2) In und zwischen den drei Gruppen zeigen sich erhebliche Unterschiede über das Grundverständnis der filipinischen Syntax, und ein gemeinsamer wissenschaftlicher Fortschritt ist kaum zu erkennen. Nun ist die filipinische Syntax in erster Linie kein akademisches Studienobjekt, sondern die Grundlage für ein Hauptfach von Millionen philippinischen Schülern, und es ist deshalb schwer nachzuvollziehen, dass nicht ernsthaftere Bemühungen unternommen werden, um zu einem sachlich richtigen, der Sprache angemessenen und damit allgemein akzeptablen Grundmodell zu kommen.
Wir haben uns mehr an den beiden ersten Gruppen orientiert und fühlen uns verpflichtet, Abweichungen zwischen diesen Schulen und unseren Befindungen ernsthaft zu betrachten und näher zu untersuchen. Einige wesentliche Unterschiede zu anderen Lehrmeinungen haben wir im folgenden Abschnitt {1-8} zusammengestellt.
(3) Nach unserer Auffassung sind auch heute noch - nach mehr als 90 Jahren - die Ansätze von Bloomfield grundsätzlich am besten geeignet, die Struktur der filipinischen Sprache zu verstehen. Subjekt, Prädikat und Attribute, wobei letztere in vier Gruppen gegliedert werden, sind seine Grundelemente der Syntax. Dem entsprechen unsere sechs Funktionsphrasen Prädikat, Subjekt, Objunkt, Adjunkt, Subjunkt und Disjunkt. Bei Bloomfield werden zwei Wortarten definiert, Inhalts- und Funktionswörter (letztere aus zwei Gruppen bestehend). Ähnlich ist unsere Einteilung in drei syntaktische Wortarten. Daneben werden bei Bloomfield weitere 'groupings of words' dargestellt, die mit unseren morpholologischen Wortarten vergleichbar sind.
Während wir also grundsätzlich den Ansätzen von Bloomfield folgen, haben wir sie an
mehreren Stellen ergänzt oder gar verlassen. Wir haben in den entsprechenden Kapiteln
unserer Arbeit versucht, die wesentlichen Abweichungen ausführlich darzustellen und zu
begründen {1A-7011 (2)}. Als eine
grundsätzliche Abweichung betrachten wir unsere Sicht zu der "Nominalisierung" der das
Subjekt bildenden Inhaltswörter {2A-105
}. Nach Bloomfield
(und anderen Autoren) werden alle Wörter, wenn sie das Subjekt bilden, zu Substantiven.
Als Folge davon wird ang zu einem Begleiter der Substantive, der alternativ zu
den Artikeln wie si verwendet wird {*}.
Durch diese Nominalisierung wird die Einführung eines ang - ng - sa
Paradigmas
erleichtert {*}. Wir haben bei der Analyse
filipinischer Sätze keine Hinweise gefunden, die auf eine solche Nominalisierung
hinweisen. Außerdem sehen wir darin eine Inkonsistenz innerhalb der Arbeit von
Bloomfield (Verbindung des syntaktischen Begriffes 'Subjekt'
mit einer der 'less impotant groupings', dem Nomen
('object construction')).
{*} Die alternative Verwendung von ang und si ist bei Bloomfield nur angedeutet, jedoch bei anderen Autoren explizit dargestellt. Auch das ang - ng - sa Paradigma findet sich bei Bloomfield nicht, sondern nur bei anderen Autoren.
(4) Wir ziehen aus dem Postulat von Bloomfield, dass im
Prinzip jedes Inhaltswort als Subjekt, Prädikat und Attribut verwendet werden kann,
die Schlussfolgerung, dass syntaktische Funktion und morphologische Wortart in der
filipinischen Sprache streng
zu trennen sind. In unserem Ansatz nehmen wir eine
Trennung von Syntax und Morphologie vor {1A-702
}. Die Zusammenhänge zwischen Syntax
und Morphologie sind nicht die Basis unseres Strukturmodells, sondern Ergebnisse
unserer Analyse. Der Begriff Morphosyntax wird von uns nicht verwendet. Damit weichen
wir deutlich von der modernen Linguistik ab.
Wir nehmen eine strenge Trennung zwischen Prädikat und Verb vor, desgleichen von Subjekt und Nominalphrase. Eine Verbphrase kann das Prädikat bilden und eine Nominalphrase das Subjekt. Aber die filipinische Sprache bietet hier viele zusätzliche Möglichkeiten. Besonders unsere Auffassung über die prinzipielle Trennung der Begriffe Subjekt und Nominalphrase wird in den linguistischen Schulen in der Regel nicht geteilt.
Die Öffnung von Prädikat und Subjekt für nahezu alle Phrasen ermöglicht unsere Darstellung von Symmetrie und Tausch von Prädikat und Subjekt, die ohne eine solche Annahme nicht möglich ist (und in der Regel in philippinischen Arbeiten ignoriert wird).
In Zusammenhang mit dieser Trennung ist ebenfalls die Frage nach den Kasus der Nomina zu betrachten. In unserem Modell mit Phrasenmarkierern ist kein Platz für Kasusmarkierer (wir folgen damit Bloomfield), da es nur eine erstere Markierung in der filipinischen Sprache gibt. Deshalb kommt der Begriff Kasus in unserem Modell nicht vor, und wir haben nicht zu betrachten, welche Klassen von Wörtern Kasus besitzen.
(5) Wir identifizieren Prädikat- und Subjektphrase durch ihre
Bestimmungswörter ay und ang. Im Allgemeinen ist die Funktion von
ay als 'predicate marker' beinahe unumstritten. Anders
ist es mit ang. Während das Strukturmodell ang als Gegenstück zu
ay für das Subjekt ansieht, ist dies keineswegs allgemein akzepiert. Einerseits
wird ang in der Literatur als 'focus or subject marker'
betrachtet. Dies ist jedoch umstritten, da es Sätze gibt, in denen ang zweimal
bzw. in einer Kombination ay ang vorkommt. Auch wird aus oben dargestellten
prinzipiellen Gründen
ang als dem Substantiv zugehörig betrachtet, was zur Folge hat, dass der Inhalt
von ang Phrasen stets ein Nomen ist {2A-105
}.
(6) In unserer Syntax sprechen wir von Nominal-, Verb- usw. Phrasen. Damit wird stillschweigend vorausgesetzt, dass es diese Phrasen in der filipinischen Sprache gibt. Es muss also Kernwörter für diese Phrasen geben, die sich von anderen Wortarten unterscheiden, so dass eine Abgrenzung zwischen den verschiedenen Phrasen möglich ist. Dies ist keineswegs selbstverständlich im Filipino. Die Übergänge zwischen den Wortarten sind fließend, insbesondere zwischen Substantiven, Verben und Adjektiven. Wir sind den Weg gegangen, nicht nur syntaktische Wortarten einzuführen. Daneben haben wir die filipinischen Wörter so weit und so gut wie möglich zusätzlich in morphologische Wortarten eingeteilt. Dabei ist unvermeidlich, dass in bestimmten Fällen Probleme auftreten, die durch diese - für die filipinische Sprache etwas willkürliche - Einteilung entstehen. Wir verweisen nach {15-5}, wo wir uns mit dieser Problematik befassen.
(7) Wir haben nicht untersucht, ob wesentliche Unterschiede zwischen dem historischen Tagalog und dem von uns betrachteten Filipino bestehen, zumal unsere Informationen über Filipino vorwiegend von Angehörigen der heutigen urbanen und jüngeren Generation stammen, die weitgehend den Einflüssen der modernen Kommunikation unterliegen, wobei in den Philippinien Fernsehen und Mobiltelefonie auf diesem Gebiet die wichtigste Rolle spielen. Trotzdem haben wir einen kleinen Versuch in diese Richtung unternommen {W Tag-Fil}.
Es ist verständlich, dass unsere Ansätze über die filipinischen Syntax von denen in anderen Quellen abweichen. Es steht uns nicht an, vergleichende Bewertungen zwischen diesen Quellen und unseren Ansätzen vorzunehmen. Die folgende Aufstellung soll daher so verstanden werden, dass wir die Aufmerksamkeit auf bestimmte Punkte lenken möchten, wo wir von einer, mehreren oder allen Schulen wesentlich abweichen. Sie kann eine wissenschaftliche Diskussion der verschieden Ansätze nicht ersetzen. Zu einer solchen fühlen wir uns nicht berufen. Trotzdem betrachten wir es als wesentlich, festzustellen, wo unser Standort im Vergleich zu den führenden Schulen über die filipinische Syntax ist.
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| Die filipinische Sprache von Armin Möller http://www.germanlipa.de/filipino/sy_ugnay_2.htm 12. April 2010 |