(1) Das Thema unserer Arbeit ist die Syntax der filipinischen Sprache. Als Ergänzung betrachten wir in diesem Kapitel einige allgemeine Fragen der filipinischen Morphologie (palaanyuạn), insbesondere die Verwendung von Affixen. Ein Großteil dieser Bildungen wird jedoch in ihrem syntaktischen Zusammenhang gesehen und in anderen Kapiteln behandelt.
(2) Wir möchten an dieser Stelle den Begriff "Wortschwerpunkt" einführen und betrachten. Darunter verstehen wir den Teil eines Wortes (besonders bei längeren Wörtern), der von Sprecher oder Hörer als der wichtigste Teil betrachtet wird und der u.a. die Zuordnung zu einer Wortfamilie deutlich macht. In der filipinischen Sprache liegt dieser Wortschwerpunkt am Ende oder kurz vor dem Ende des Wortes, bei längeren Wörtern nicht am Wortanfang. Dazu die folgenden Betrachtungen.
(1) In der filipinischen Sprache sind große Wortfamilien (angkạng-salitạ) um Wortstämme (ugạt ng salitạ) gruppiert {15A-211 Θ}. Die überwiegende Zahl der filipinischen Wortstämme ist zweisilbig. Der Wortstamm einer Wortfamilie wird häufig als eigenständiges Wort verwendet {15A-212}. Wir sprechen dann von Stammwörtern (salitạng-ugạt, Schlüssel {../X}).
(2) Etwa ein Viertel der Wortfamilien des Kernwortschatzes besitzt einen Wortstamm, der selbständig nicht (oder vernachlässigbar selten) verwendet wird. Wir bezeichnen diese Wortstämme mit Schlüssel {X}.
(3) Stammwörter können Gegenstände und Personen beschreiben, dann ist die Zuordnung des Stammwortes zur Wortart Substantiv eindeutig [1 2] (Schlüssel {X/N}). Viele Stammwörter stellen nicht gegenständliche Begriffe dar, auch hier ist eine Zuordnung zu den Substantiven naheliegend. Diese Annahme wird unterstützt, wenn ein Adjektiv mit einem Affix gebildet werden, so dass das Stammwort zweifelsfrei kein Adjektiv ist [3 4]. Etwa die Hälfte der Wortfamilien besitzen ein Substantiv als Stammwort.
| Substantiv {X/N} | Adjektiv {J} | |
| [1] | bahay | |
| [2] | anạk | |
| [3] | baịt | mabaịt |
| [4] | gandạ | magandạ |
(3) In einigen Fällen sind Substantiv und Adjektiv einer Wortfamilie sich so ähnlich, dass sie sich nur in der Betonung unterscheiden [5 6] {15A-213}. In Filipino sind dies zwei verschiedene Wörter. Es gibt dann keinen zwingenden Grund, das eine oder das andere als das Stammwort zu bezeichnen. Aus Gründen der Konsistenz zum Vorigen betrachten wir das Substantiv als Stammwort und das Adjektiv als abgeleitetes Wort mit abweichender Betonung. Diese Annahme wird dadurch unterstützt, dass in der Regel abgeleitete Verbformen auf der vorletzten Silbe betont werden, wenn dies für das Substantiv der Fall ist (Beispiel: buhay {X/N}, mabuhay {VA00}). Das Beispiel [7] zeigt, dass Substantiv und Adjektiv gleich sein können.
| Substantiv {X/N} | Adjektiv {J} | |
| [5] | buhay | buhạy |
| [6] | bilog | bilọg |
| [7] | bata | bata |
| [8] | ganạp {X/J} | |
| [9] | putọl | |
(4) In etwa einem Zehntel der Wortfamilien ist das Stammwort ein Adjektiv [8], in diesen Wortfamilien werden alle Substantive mit Affixen gebildet oder es werden Gerundien verwendet. Ist das Adjektiv endbetont, so ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden, ob ein nicht endbetonter, jedoch nicht verwendeter Stamm vorliegt. Diese Annahme ist dann unwahrscheinlich, wenn - was die Regel ist - keine nicht endbetonten Verben in der Wortfamilie vorhanden sind (Beispiel: ganạp {X/J} und gumanạp {VA10}). Es gibt jedoch auch Fälle, wo ein endbetontes Adjektiv und nicht endbetonte Verbformen vorhanden sind [9] (putọl {J} und pumutol {VA10}). Dann ist anzunehmen, dass trotz des Fehlens eines Substantivstammwortes das Adjektiv ein abgeleitetes Wort ist.
Stammwörter sind niemals Verben, da Verbformen mit Affixen gebildet werden. Jedoch können bestimmte Wortstämme als verkürzte Zeitform verwendet werden {7-6.3}.
Einige wenige Wörter anderer Wortarten (in der Regel zwei- oder mehrsilbig) können zum Stammwort einer Wortfamilie werden [10-12].
|
Die Wortart, als die der Wortstamm als Stammwort verwendet werden kann, erlaubt eine Art Klassifizierung der Wortstämme {15A-214 Θ}.
Eine Sonderstellung nimmt das Wort iwan ein, das gleichzeitig ein Wortstamm und ein Verb ist (vermutlich ein verkürztes -in Verb).
Eine Anzahl sinnverwandter Wortstämme unterscheiden sich nur im Anlaut {15A-215}.
(1) In der filipinischen Sprache sind häufig große Wortfamilien um Stammwörter gruppiert. In vielen Wörterbüchern (auch in unserem) wird die gesamte Wortfamilie unter dem Stammwort aufgeführt. Einer der Gründe dafür ist, dass Präfixe und Infixe den Wortanfang regelmäßig und stark verändern. Dies geschieht nicht nur bei der Wortbildung, sondern auch bei der Flexion der Verben (Beispiel Stamm alịs mit den Formen aalisịn, alisịn, inaalịs und pag-alịs).
(2) Diese Tatsache macht in Wörterbüchern eine Anordnung in Wortfamilien beinahe unumgänglich. Dabei ergibt sich die Schwierigkeit, dass man aus einer vorliegenden Wortform den Wortstamm zu erkennen hat, um ein Wörterbuch benutzen zu können.
Abgeleitete Wörter (salitạng hango) können gebildet werden durch:
(3) Einsilbige Wörter sind selten Stammwörter von Wortfamilien. Der Stamm sa ist eher eine Ausnahme, von ihm werden die Wörter saạn, nasa und nasaạn gebildet. Außerdem kommt sa (in einer semantischen Funktion) vor als Bestandteil von Wörtern wie isabote und sumasainyọ. Demgegenüber lassen na und pa als Affix oder in Affixen keinen semantischen Zusammenhang zu den Adverbien na und pa erkennen.
(4) In der filipinischen Sprache werden die Mitglieder der
Wortfamilien in der Regel vom
Wortstamm abgeleitet und nicht von einer bereits abgeleiteten Form (z.B. einem
Verbinfinitiv). Seltener werden Wörter von bereits abgeleiteten Wörtern gebildet
(Beispiele: sulat - kasulatan
- isakasulatan, tuwịd
- matuwịd = matwịd - mangatwịran).
Die grafische Darstellung einer Wortfamilie ähnelt daher mehr einer Bananenstaude und
weniger einem Mangobaum. Lautänderungen werden aus der aktuellen Morphologie bzw.
Phonologie vorgenommen und nicht von anderen abgeleiteten Formen übernommen (Beipiel:
Stamm kulọ mit pakuluịn und
pinakulọ und nicht pinakulu).
Neben den Stammwörtern mit ihren Wortfamilien besitzt die filipinische Sprache auch Wörter, die keine Wortfamilien bilden können bzw. keiner Wortfamilie angehören. Dazu gehören u.A. Alleinwörter.
Eine umfassende Arbeit zu diesem Thema ist {Baklanova 2006}.
Siehe auch {14-2.6} über phonologische Anpassung von Lehnwörtern.
Die filipinische Sprache ist reich an Lehnwörtern. Chinesische, malaiische und vom Sanskrit abgeleitete Lehnwörter stammen vermutlich aus vorspanischer Zeit. Die spanische Kolonisation vom 16. bis 19. Jahrhundert hat viele Lehnwörter hinterlassen. Seit der darauffolgenden US-amerikanischen Kolonialzeit finden vorwiegend englische (amerikanische) Lehnwörter Eingang in die filipinische Sprache. Der Vollständigkeit sollten die wenigen japanischen Lehnwörter erwähnt werden (Beipiel apa).
Die meisten der nichtenglischen Lehnwörter sind so tief in die filipinische Sprache integriert, dass sie allgemein als solche nicht mehr erkannt werden. Dies wurde bei den spanischen Lehnwörtern erheblich erleichtert, da sie phonologisch in der Regel gut zur filipinischen Sprache passen.
Alle importierten Fremdwörter werden als Wortstämme betrachtet, es wird also keine Wortart, Flexion o.Ä. "mit-importiert" (Beispiel: ni-released wird erst durch das Affix ni- zum Verb, die Bedeutung des englischen Suffixes '-ed' wird ignoriert). Da in der filipinischen Sprache Substantive und Adjektive dem unaffigierten Wortstamm gleich sein können, können die importierten Wörter unverändert als Substantive oder Adjektive verwendet werden. Es gibt jedoch keine unaffigierten Verben, zur Verwendung als Verb ist Affigierung nötig, die bei englischen Lehwörtern auf phonologische Probleme stoßen kann (Aktivverben {8-1.3 (1)} und Passivverben {8-2.4.1}).
Die lateinische und die griechische Sprache sind in den Philippinen so gut wie unbekannt.
Lehnwörter aus diesen Sprachen werden daher als spanisch oder englisch - je nach
Transitsprache - betrachtet. Häufig wird dann versucht, die englisch-amerikanische
Phonologie mit zu übernehmen, auch wenn das Wort keinen besonderen Bezug zur englischen
Sprache besitzt (Beispiel Europa
[jʊ'ro:.pʌ]). Die Herkunft eines Lehnwortes
ändert sich dann je nach Ausprache und Schreibweise, submarine wird ein englisches
Lehnwort und submarino ein spanisches Lehnwort genannt. Auch in der Fachliteratur
wird häufig die Transitsprache und nicht die Herkunftsprache angegeben (Beispiel:
umlaut [Ing] in {
UPD}).
Wir sehen darin eine Verengung des Sprachverständnisses. In unserem Wörterbuch
{
Möller 2009 WB}
versuchen wir, einen anderen Weg zu gehen. Dabei ist ein Ziel, die Vielfalt
der Sprachwurzeln sichtbar zu machen:
In einer sich verändernden Welt besteht in einer Sprache ständig der Bedarf, neue Dinge und Prozesse zu beschreiben und die dafür geeigneten Wörter und Konstruktionen zu finden. Da nahezu alle Innovationen in den Philippinen aus dem Ausland kommen, ist es naheliegend, dass in diesen Fällen Fremdwörter in die filipinische Sprache eingeführt werden, die dann durch Assimilation zu Lehnwörtern werden können. Nur in wenigen Fällen wird vorhandenen filipinischen Wörtern eine neue Bedeutung gegeben {15A-251}.
{23-15.1} Betrachtungen zur filipinischen Sprache: "Neue Wörter für Filipino"
Die filipinische Sprache besitzt Präfixe, Infixe und Suffixe. Sie dienen zur Wortbildung und zur Bildung von Flexionsformen der Verben. Präfixe und Präfixkombinationen werden in großer Zahl verwendet; demgegenüber gibt es nur zwei Suffixe -an und -in. Der Wortstamm kann gespalten werden, um nach dessen erstem Konsonanten ein Infix einzufügen. Neben dem Infix -um- zur Bildung von Verben dient das Infix -in- zur Bildung von Flexionsformen.
Alle Affixe enthalten einen Vokal. Durch Affigierung werden dem Wort Silben zugefügt. Bestehende Silben können durch die Affigierung verändert werden {14-2.4}.
Die folgenden Tabellen geben eine Übersicht über vielgebrauchte Affixe und ihre Verwendung. Einige dieser Affixe werden in den folgenden Abschnitten ausführlicher dargestellt.
| Präfix | kein Suffix | Suffix -an | Suffix -in |
| kein | Stammwort {N} oder {J} {15-2.1} |
N: {6-2.1} VP: {8-2.3} J: {9-2.2} |
N: {6-2.1} VP: {8-2.2} J: {9-2.2} |
| di- | J: {9-2.2} | ||
| ga- | J: {9-3} | ||
| gaga- | J: {9-3} | ||
| gangga- | J: {9-3} | ||
| i- | N: {6-2.1}
VP: {8-2.4} J: {9-2.2} | ||
| ika- | VP: {8-7.2} JN: {9-6.2} | ||
| ipa- | VP: {8-4.1} | ||
| ipag- | VP: {8-5.2} | ||
| ipagpa- | VP: {8-5.2} | ||
| ipang- | VP: {8-6.1} | ||
| ipaki- | VP:{8-9.2} | ||
| isa- | VP: {8-7.1} | ||
| ka- {15-3.5} | N: {6-2.1} N/GI: {7-6.5.2} VT: {7-6.6} J: {9-2.2} JN: {9-6.4} |
N: {6-2.1}
VP: {8-7.2} J: {9-2.2} | |
| kaka- | J: {9-2.2} | ||
| kay- | J: {9-2.2} J: {9-3} | ||
| ma- {15-3.2} | VA: {8-1.1}
VP: {8-3.1} J: {9-2.2} |
VP: {8-3.2} | |
| ma- {15-3.2} | VA: {8-1.1} VP: {8-3.5.1} | VP: {8-3.5.1} | |
| mag- | N: {6-2.1}
VA: {8-1.3} D: damag |
VA: {8-8.2} | |
| magka- | N: {6-2.1}
VA: {8-8.1} J: {9-2.2} | ||
| magka- | VA: {8-8.2} | ||
| magkang- | VA: {8-8.2} | ||
| magpa- | VA: {8-4.1} | ||
| magpaka- | VA: {8-8.4} | ||
| magsa- | VA: {8-7.1} | ||
| magsi- | VA: {8-8.5} | ||
| magsipag- | VA: {8-8.5} | ||
| mai- | VP: {8-3.3} | ||
| maipa- | VP: {8-4.2} | ||
| maipag- | VP: {8-5.2} | ||
| maipang- | VP: {8-6.1} | ||
| maka- | VA: {8-3.4} J: {9-2.2.2} | ||
| maka- | VA: {8-3.5.2}
D: {10-2.1.3} JN: {9-6.5} | ||
| makapag- | VA: {8-3.4} | ||
| makapagpa- | VA: {8-3.4} | ||
| makapang- | VA: {8-3.4} | ||
| maki- | VA: {8-9.1} | ||
| makipag- | VA: {8-9.1} | VA: {8-9.1} | |
| mala- | J: {9-2.2} | ||
| mang- {14-2.5.2} | N: {6-2.1} VA: {8-1.1} | ||
| mapa- | VP: {8-4.2} | VP: {8-4.2} | |
| mapa- | VP: {8-3.5.1} | ||
| mapạg- | VP: {8-5.4} J: {9-2.2} | VP: {8-5.4} | |
| mapag- | VP: {8-3.5.1} | VP: {8-5.1} | |
| mapang- | J: {9-2.2} | ||
| may- | N: {6-2.1} J: {9-2.2} | ||
| naka- | J/V/Pa: {7-6.4.5} J: {9-2.2.2} | ||
| napaka- | J: {9-3.1} | ||
| pa- {15-3.5} | N: {6-2.1}
N/G: {7-6.5} VA,VP: {8-4.3} J: {9-2.2} D: {10-2.3.2} |
N: {6-2.1} VP: {8-4.1} | VP: {8-4.1} |
| pa-&- | N/G: {7-6.5} | ||
| pag- | N/G: {7-6.5} | VP: {8-5.1} | VP: {8-5.3} |
| pag-&- | N/G: {7-6.5} | ||
| pagka- | N: {6-2.1} N/GP: {7-6.5.1} | ||
| pagkaka- | N: {6-2.1} N/G: {7-6.5} | ||
| pagkaka- | N: {6-2.1} N/G: {7-6.5} | ||
| pagkang- | N: {6-2.1} | ||
| pagkapag- | N: {6-2.1} | ||
| pagmama- | N: {6-2.1} | ||
| pagpapa- | N/G: {7-6.5} | ||
| pagsasa- | N/G: {7-6.5} | ||
| paki- | VP: {8-9.2} | VP: {8-9.2} | VP: {8-9.2} |
| pakiki- | N/G: {7-6.5} | ||
| pakikipag- | N/G: {7-6.5} | ||
| pala- | J: {9-2.2} | N: {6-2.1} | |
| pampa- | N: {6-2.1} J: {9-2.2} | ||
| pang- {14-2.5.2} |
N: {6-2.1}
J: {9-2.2} JN: {9-6} |
N: {6-2.1} VP: {8-6.2} |
VP: {8-6.3} N: {6-2.1} |
| pang-&- | N/G: {7-6.5} | ||
| pinaka- | N: {6-2.1} J: {9-2.2} | ||
| sa- | J: {9-2.2} | ||
| sang- {14-2.5.2} |
N: {6-2.1} | ||
| sing- {14-2.5.2} |
J: {9-3} | ||
| ta- | N: {6-2.1} | ||
| tag- | N: {6-2.1} | ||
| taga- | N: {6-2.1} | ||
| tagapag- | N: {6-2.1} | ||
| Infix | kein Suffix | Suffix -an | Suffix -in |
| -in- | VP: {7-6.1.1} | VP: {7-6.1.1} | |
| -um- | VA: {8-1.1} | ||
(1) Präfix ma-, allein und in Affixkombinationen, ist das am häufigsten verwendete Präfix in der filipinischen Sprache. Mit ma- werden Adjektive und vor allem Verben gebildet. Zur Bildung von Substantiven wird ma- (auch in Affixkombinationen) nicht verwendet. In Präfixkombinationen steht es an der ersten Stelle der Kombination. Die Ausnahme pagmama- kann erklärt werden, da hier von ma- Adjektiven Substantive abgeleitet werden.
(2) In einer Gruppe von Wortstämmen, die der Gruppe Eigenschaften zuzurechnen sind {15A-214}, kann der Wortstammm allein als Substantiv oder Adjektiv verwendet werden. Mit dem Präfix ma- können weitere Wörter der Wortfamilie entwickelt werden. Dabei geht die Sprache zwei alternative Wege, wobei beide Ableitungen semantisch ihren Charakter als Eigenschaften behalten und morphologisch unterschiedliche Flexionsparadigmen besitzen. Von unbedeutenden Ausnahmen abgesehen, schließen sich die Alternativen gegenseitig aus.
Die ma- Ableitung kann ein (kleines) Flexionsparadigma besitzen, durch Silbendoppelung wird eine Pluralform gebildet. Diese Ableitungen gehören zur Wortart der Adjektive. Beispiel:
|
Alternativ kann die ma- Ableitung Verben bilden, die i.A. Zustandsverben sind. Beispiel:
|
Zu obigem Schema [1] gehören die Beispiele in {15A-321 [1-11]}; zu Schema [2] die Beispiele {15A-321 [15-26]}. Es gibt jedoch Abweichungen von diesen Schemen, wie die Beispiele {15A-321 [12-14 27-36]} zeigen. Auffallend ist, dass Zustands- und ähnliche Verben mit anderen Affixen gebildet werden müssen, wenn das Präfix ma- bereits mit dem Pluralparadigma (Adjektiv) "besetzt" ist ({15A-321 [1-11]} mit nur wenigen Ausnahmen {15A-321 [12-14]}).
(3) Neben diesen Zustandsverben werden weitere Verben mit ma- gebildet, wobei zwischen unbetontem ma- und betontem ma- zu unterscheiden ist. Eine Besonderheit der Präfixe ma- und ma- ist, dass sie Aktivverben und auch Passivverben bilden und dadurch einen fließenden Übergang zwischen diesen beiden Genera ermöglichen {7-2.4}. Außerdem werden diese Präfixe häufig mit anderen Affixen kombiniert.
Die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Verben dieser Gruppen sind recht
komplex {
Himmelmann 2004}
{
Himmelmann 2005 St}.
Stark vereinfacht lässt sich folgendes Schema (ohne Affixkombinationen) aufstellen:
| Substantiv | --- | ||||
| Adjektiv | ma- | Besitz einer Eigenschaft | magandạ | {9-2.2.1} | |
| Verb | ma- | Aktiv | Zustand, Prozess | magutom matulog | {8-1.1} |
| Übergang | malunod | {8-1.1} | |||
| Passiv | Fähigkeit | madalạ | {8-3.1} | ||
| Allomorph na- und -in- | natanggạp | {7-6.1.1} | |||
| ma- | Aktiv | Zustand, Prozess | mahulị | {8-3.5.1} | |
| Übergang | madapạ | {8-3.5.1} | |||
| Passiv | Zufall, ohne Absicht | mabasa | {8-3.5.1} | ||
(4) Als Flexionspräfix der ma- Verben wird das Präfix na- in Präteritum und Präsens gebildet {7-6.1.1}. Präfix na- wird auch für andere Wortarten verwendet (Beispiel nasaạn). Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen Flexionspräfix na- und Präfix na- bei anderen Wortarten {15A-322 Θ}. Daneben kann aus vermutlich phonologischen Gründen das Flexionsinfix -in- durch das Präfix na- ersetzt werden {7A-6112}.
Deutlich unterscheidbar von Präfix ma- ist das Präfix mang- und seinen Lautänderungen, selbst wenn dadurch morphologisch das Präfix ma- entstehen kann (Beispiel mamalẹngke {VA00/mang+palengke}). Durch diese Lautänderung können auch Substantive mit zu ma- verkürztem Präfix mang- gebildet werden (Beispiel mananahi {N/mang+&+tahi}).
Die Suffixe -an und -in werden allein und in Zusammenhang mit anderen Affixen zur Bildung von Substantiven, Verben und Adjektiven verwendet. Wenn der Wortstamm auf einen Vokal endet, werden die abgewandelten Suffixe -han und -hin verwendet {15A-331}. Die Einschiebung eines Konsonanten ist erforderlich, da die Lautfolge [_V.V_] in der filipinischen Sprache verboten ist {14-2.2.1}. Dass die Wahl auf den Konsonanten [ h ] fällt, ist naheliegend, wenn man die Lautänderung zu Endlaut [ h ] in Betracht zieht {14-2.5.4 (2)}. Einige Wörter wandeln das Suffix -an zu -nan ab. Auch gibt es verkürzte Bildungen {15A-332}.
Die Betonung der Verbformen ist nach strengen Regeln von der Betonung des Wortstammes abgeleitet {7-6.1.3}, bei Substantiven sind kaum Regeln erkennbar.
Das Präfix ka- ist eines der häufig verwendeten Affixe der filipinischen Sprache. Es kann allein und in Affixkombinationen verwendet werden. Eine einheitliche semantische Bedeutung kann ka- nicht zugesprochen werden, es sind aber einige Gruppen erkennbar:
|
Einige Wörter sind keiner dieser Gruppen zuzuordnen, z.B. kailangan.
Das Präfix ka- kann phonologisch mit dem Wortstamm verschmolzen werden {15A-341}.
Silbendoppelung von ka- Verbformen siehe {7A-6123}.
(1) Präfix pa-, allein und in Affixkombinationen, wird zur Bildung von Verben verwendet. Die beiden Gruppen der Verben der Veranlassung [1-4] werden in {8-4.1} und {8-4.2} und deren Verkürzungen [5 6] in {8-4.3} behandelt. Hinzu kommen die paki- Verbformen [7] {8-9.2} und deren Verkürzungen [8] {8-9.3}. Außerdem wird pa- als Allomorph von ma- bei der Bildung von Gerundien verwendet {7-6.5 (2)}.
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(2) Mit pa- werden Adjektive, Adverbien und auch Substantive
abgeleitet {*
}. Das pa- Adjektiv kann das einzige Adjektiv der
Wortfamilie sein [10 11], in anderen Fällen wird es alternativ zu einem ma- Adjektiv
gebildet [12]. pa- Adjektive können als Adverbien verwendet werden [11], andere
pa- Bildungen sind ausschließlich Adverb [13 14] {10A-104}. Eine Anzahl von pa- Adjektiven und Adverbien sind
endbetont, auch wenn der Wortstamm auf der vorletzten Silbe betont ist [12 15].
Substantive mit Präfix pa- können das einzige einfache Substantiv der Wortfamilie
sein [16], sind jedoch häufiger ein zusätzliches Substantiv mit abweichender
Bedeutung [17]. Außerdem werden Substantive mit der Affixkombination
pa--an gebildet [18].
{*} 'Prefix used to form adverbs and adjectives, expressing manner, position, or direction: as in patayọ, in an erect or standing manner; pababạ, downward; pasilangạn, eastward; toward the east.' {
VCS pa-}.
|
(1) Silbendopplung ist eine im Filipino häufig auftretende Form der Wort- und Wortformbildung [1-4]. Dabei wird die erste Silbe des Wortstammes gedoppelt. Endet diese auf einen Konsonanten, so wird dieser nicht gedoppelt:
|
(2) Stammdoppelung ist eine weitere Möglichkeit, um abgeleitete oder neue Wörter zu bilden [5-9]. Ein Bindestrich kann gesetzt werden, um die Bestandteile deutlicher zu trennen, auch wenn er phonologisch nicht erforderlich ist [6 7a 8].
|
(1) Eine Definition von Wortarten in der filipinischen Sprache ist problematisch
{15A-501
}. Eines der prinzipiellen Probleme ist, dass sehr unterschiedliche
Wortarten in unterschiedliche syntaktische Funktionen passen (z.B. besteht keine
zwingende Verbindung Prädikat = Verb oder Subjekt = Nominalphrase). Hinzu kommt, dass auch
morphologische Merkmale nur schwach ausgeprägt sind.
Entsprechend ihrer syntaktischen Funktion bzw. Verwendung teilen wir die filipinischen Wörter in drei Klassen ein, die wir als Funktionswörter, Inhaltswörter und Alleinwörter bezeichnen (Beispiele dazu in {15A-511}).
(1) Funktionswörter (salitạng pangkayariạn) sind die Wörter, deren syntaktische Funktion ihren semantischen Inhalt überwiegt. Darunter verstehen wir die Bestimmungswörter der Funktionsphrasen, Präpositionen und SA-Präpositionen. Nicht sehr zwingend zählen wir die Artikel ebenfalls zu den Funktionswörtern. Einige Funktionswörter können als Interklitbezugswort dienen {*}. Von einer Ausnahme abgesehen (sa), bilden Funktionswörter keine Wortfamilien; nur ein Teil von ihnen besitzt semantischen Inhalt {**}.
(2) Inhaltswörter (salitạng pangnilalamạn) bilden den Inhalt der Funktionsphrasen, sie bilden Inhaltsphrasen. Ihnen können im Prinzip Bestimmungswörter vorangestellt werden (Prädikat, Subjekt, Objunkt, Adjunkt und Disjunkt), oder sie können mit einer Ligatur angeschlossen werden (Subjunkt), wenn auch im Einzelfall das Bestimmungswort entfallen kann. Die Phrasen der Inhaltswörter können Attribute besitzen. Im Prinzip können Inhaltswörter als Interklitbezugswort dienen {*}. Erfüllt ein Wort eine der drei Bedingungen, zählen wir es zu den Inhaltswörtern und nicht zu den Alleinwörtern, auch wenn die anderen Bedingungen nicht erfüllt sind. Wörter, die Funktions- oder Inhaltsphrasen syntaktisch ersetzen können, sind ebenfalls Inhaltswörter. Inhaltswörter bilden in der Regel Wortfamilien und besitzen stets semantischen Inhalt {**}.
(3) Alleinwörter (salitạng pambukọd) sind die Restklasse der Wörter, die weder Inhalts- noch Funktionswörter sind. Sie können keine eigene Ligatur besitzen und nicht als Interklitbezugswort dienen. Sie können jedoch eine Ligatur übernehmen {11-4.2}. Alleinwörter können keine Attribute und keine Bestimmungswörter besitzen. Sie sind und sie bilden keine Phrasen. Sie können syntaktisch keine Phrasen ersetzen. Sie können semantisch und auch syntaktisch einer Phrase attributiv zugeordnet sein; in letzterem Fall dürfen sie diese Phrase nicht verlassen. In der Regel bilden Alleinwörter keine Wortfamilien und besitzen semantischen Inhalt {**}.
(4) Zusätzlich führen wir einen Begriff Kurzwörter ein {11-1}. Darunter verstehen wir die Funktionswörter und Alleinwörter. Kurzwortverhalten zeigen ebenfalls Interklitpronomen, die in dieser Verwendung Alleinwörter und nicht länger Inhaltswörter sind {11-6.9 Θ (3)}.
(5) Einige Funktionswörter können abweichend verwendet werden und sind dann Alleinwörter. Dazu zählen:
{*} {Θ} Existenzwörter wie wala zählen wir zu den Funktionswörtern. Sie können jedoch auch Interklitbezugswort sein und sind damit die einzigen Funktionswörter mit dieser Eigenschaft {4-3 (6) Θ}. Wir haben aus diesem Grund oben die Reihenfolge Funktionswörter, Inhaltswörter, Alleinwörter gewählt.
{**} {Θ} Die morphologische Eigenschaft, Wortfamilien zu bilden oder nicht, ist nicht Bestandteil der Definition der syntaktischen Wortarten. Ebenso gehört semantischer Inhalt nicht zu deren Definition.
Funktions- und Inhaltswörter bei {
Bloomfield 1917}
{15A-512
}.
(1) Trotz der prinzipiellen Bedenken benötigen wir aus praktischen Gründen eine detaillierte Einteilung der Wörter der filipinischen Sprache in Gruppen, die über die drei syntaktischen Wortarten hinausgeht. Wir nennen diese Gruppen morphologische Wortarten und definieren sie jeweils so gut wie möglich {15A-521 Θ}. Der Begriff morphologische Wortarten für diese Einteilung darf nicht allzu wörtlich genommen werden (der filipinische Begriff bahagi ng panalitạ umgeht diese Schwierigkeit), da in der filipinischen Sprache
Wortart | Kurzwort- Verhalten | Syntaktische Wortart | |
| Verb (pandiwa) | nein | Inhalt | {7-1} |
| Substantiv (pangngalan) | nein | Inhalt | {6-1} |
| Adjektiv (pang-uri) | nein | Inhalt | {9-1} |
| Interjektion (padamdạm) | nein | Allein | {10-6} |
| Adverb (pang-abay) | einige | Inhalt/Allein | {10-1} |
| Pronomen (panghalịp) | teilweise | Inhalt/Allein | {6-4} {11-6.9 Θ (3)} |
| Konjunktion (pangatnịg) | teilweise | Allein/Inhalt | {13-5.2.1} |
| Präposition (pang-ukol) | stets | Funktion | {4-2.3} |
| SA-Präposition (SA pang-ukol) | stets | Funktion | {4-2.2} |
| Artikel (pantukoy) | stets | Funktion | {6-6.3} |
| Bestimmungswort (panandạ) | stets | Funktion | {11-2.1} |
(2)
(3) Eine Anzahl Wörter können in gleicher oder abgewandelter Bedeutung unterschiedlichen Wortarten zugeordnet werden. So ist das Wort mahạl in Mahạl kitạ eine verkürzte Verbform, in mahạl ng nanay ein Substantiv und in mahạl kong Gina ein Adjektiv. In diesem Fall gehören die verschiedenen morphologischen Wortarten der gleichen syntaktischen Wortart Inhaltswörter an. Wörter wie walạ können verschiedenen morphologischen und syntaktischen Wortarten angehören (SA-Präposition als Funktionswort im Gegensatz zu Adjektiv als Inhaltswort). Wortstämme sind keiner Wortart zuzurechnen {15A-211 Θ}.
Wortarten bei {
Aganan 1999}
{15A-522
}.
| Die filipinische Sprache von Armin Möller http://www.germanlipa.de/filipino/sy_anyo.htm 19. April 2010 |