(1) Unter den einfachen Aktivverben verstehen wir die mit den Affixen ma-, mang-, -um- und mag- gebildeten Aktivverben.
| Affixe | V00 | V../fs | VA00/fa | VA01 | VA10 | VA11 | |
| ma- | . | +++ | . | . | . | . | {8-1.1} |
| mang- | . | ++ | +++ | + | + | . | {8-1.1} |
| -um- | + | + | ++ | ++ | ++ | + | {8-1.2} |
| mag- | . | . | ++ | ++ | +++ | + | {8-1.3} |
Wie die Tabelle zeigt, gibt es keine eindeutige Zuordnung zwischen syntaktischen Verbgruppen und Affigierung. Es sind gewisse Schwerpunkte vorhanden, die jedoch durch die große Bandbreite innerhalb der einzelnen Gruppen nur schwer erkennbar sind. In einer Studie 'Syntax der einfachen Verben' haben wir mehr als 300 einfache Verben aus mehr als 150 Wortfamilien untersucht {8A-101}.
(2) Die -um- Verben rücken semantisch in die Nähe der ma- und mang- Verben, die Zustandsverben sind oder semantisch wenig aktiv sind. Damit wird im Allgemeinen das mag- Verb zum semantisch aktivsten Aktivverb der Wortfamilie. Interessanterweise wird die Eigenschaft 'aktivst' auf die -in Passivverben übertragen, die dadurch als syntaktische Passivverben semantisch aktiver sein können als die syntaktisch aktiven -um- Verben, die dann semantisch weniger aktiv sind {7-2.1 (3)}).
Eine Gruppe von {VA00} Verben sind syntaktisch eher als {VA10} Verben mit weggefallenem Objunkt zu betrachten. Sie besitzen kein Objunkt, da semantisch das Verb dieses bereits enthält. Sie können mit allen Aktivaffixen gebildet werden (Beispiele magutom, mangitlọg, umitlọg, lumindọl {V00}, magbahay).
(1) Wir betrachten die Aktivverben mit den Affixen ma- und mang- als zwei verschiedene Gruppen, die möglicherweise verwandt sind {8A-111 Θ}. Die mam- und man- Verben gehören zur mang- Gruppe, sie sind durch Lautänderung entstanden, wobei häufig der erste Konsonant des Wortstammes unterdrückt wird {14-2.5.2}. Dabei kann phonologisch das Affix ma- entstehen, was jedoch keine Zugehörigkeit zur ma- Gruppe schafft (Beispiel mamulạ [mʌ.mʊ'lʌ] |mang+pula|).
Das Präfix ma- wird nicht nur für Aktivverben verwendet, sondern auch für Passivverben und Adjektive. Damit ist es eines der am schwierigsten zu verstehenden Affixe der filipinischen Sprache {15-3.2}. Für Verben mit dem Präfix ma- besteht ein fließender Übergang zwischen Aktiv- und Passivverben {7-2.4}; ähnliches gilt für Verben mit den Präfixen ma- und mapa-. Wir betrachten die mit ma- und mapa- gebildeten Aktivverben und die mit ma-, ma- und mapa- gebildeten Übergangs- und Passivverben kurz in Absatz (3) und ausführlicher in den in den Abschnitten {8-3.1} und {8-3.5.1}.
(2) Schwerpunktmäßig sind die ma- und mang- Verben Zustandsverben, die Zustände oder von selbst ablaufende Prozesse beschreiben, so dass sie weder Objunkt- noch Adjunktphrase benötigen [1 2] {VA00/fs}; hinzu kommen ma- Zustandsverben mit Adjunkt {VA01/fs|fA} [3]. Von Ausnahmen abgesehen, wird kein Aktivverb mit Präfix ma- gebildet, wenn vom Wortstamm ein Adjektiv mit Präfix ma- vorhanden ist {15-3.2}. Dann werden für Zustände oder Prozesse mang-, -um- und seltener mag- Verben {VA00/fs} gebildet. Einen weiteren Schwerpunkt bilden mang- Verben, die einfache Tätigkeiten darstellen und deshalb ebenfalls keine weiteren Argumente außer dem Subjekt besitzen {VA00/fa} [4]. Hinzu kommen ma- und mang- Verben mit Täterfokus und Adjunkt oder/und Objunkt [5 6].
Zu den ma- bzw. mang- Verben gehören von Demonstrativpronomen abgeleitete Formen wie narito oder nandito [7] {8A-113}. Ein Verb mit unregelmäßigen Formen ist magịng [8], vermutlich eine Abkürzung mit Präfix mang- oder ma-. Dieses Verb schließt das Argument als Subjunkt ohne Bestimmungswort an {7-7.4}.
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(3) Eine besondere Gruppe sind die ma-, ma- und mapa- Verben, die wegen des fließenden Übergangs zwischen Aktiv und Passiv beiden Genera zugerechnet werden können {7-2.4}. Werden ma- Verben des Übergangsbereichs als Aktivverben verwendet, so besitzen sie keine Modalität (der Fähigkeit); einige Beispielsätze finden sich in {8A-112 (11)}. Demgegenüber drücken die ma- und mapa- Verben in der Regel die Modalität des Zufalls aus, auch wenn sie als Aktivverben verwendet werden (Ausnahmen siehe {8A-3512}).
| Übergangsbereich Aktiv - Passiv mit ma-, ma- und mapa- | |
| Affix | |
| ma- | Aktiv siehe vorige Tabelle. |
| Übergang und Passiv {8-3.1} | |
| ma- | Aktiv, Übergang und Passiv {8-3.5.1} |
| mapa- | Aktiv, Übergang und Passiv {8-3.5.1} |
| Anmerkung: ma- und mapa- Verben und ma- Passivverben sind keine einfachen Verben. | |
| Affix | V00 | V../fs | VA00 | VA01 | VA10 | VA11 | |
| -um- | lumindọl umulạn | f0 | . | . | . | . | . |
| bumahạ | f0 | . | . | fa|fl | . | . | |
| umantạ gumandạ pumulạ | . | fs | . | . | . | . | |
| umitlọg lumakad lumangọy ngumangạ tumayọ | . | . | fa | . | . | . | |
| umiwas pumuntạ tumalọn | . | . | . | fa|fl | . | . | |
| tumulong | . | . | . | fa|fb | . | . | |
| umalịs lumabạs lumuwạs umuwị | . | . | . | fa|fl | fa|fl | . | |
| bumarịl gumupịt tumikịm pumalo pumatạy, sumakạl tumigil | . | . | . | fa|fp | fa|fp | . | |
| umakyạt lumipat | . | . | . | fa|fl | fa|fp | . | |
| bumaling | . | . | . | fa|fl | . | fa|fp|fl | |
| bumakạs bumalikat kumuha humirạm pumili | . | . | . | . | fa|fp | . | |
| bumawas humango | . | . | . | . | . | fa|fp|fl | |
| Beispielsätze mit -um- Verben {8A-121}. | |||||||
(1) Wie die Tabelle zeigt, gibt es keine eindeutige Zuordnung der -um- Verben zu einer syntaktischen Verbgruppe. {VA01} und {VA10} bilden die Schwerpunkte, wobei es etwa ebenso viele {VA01} Verben mit Affix -um- gibt wie {VA10} Verben. {V00}, {V../fs} und {VA00/fa} Verben sind seltener.
(2) Die filipinische Sprache besitzt einige -um- Verben {V00/f0}, die stets ohne Subjekt gebraucht werden und die Naturereignisse beschreiben [1]. Einige {VA00/fs} Zustandsverben werden mit -um- gebildet, die zustandsähnliche Tätigkeiten beschreiben. Sie werden dann mit -um- (oder mang-) gebildet, wenn das Affix ma- bereits für ein Adjektiv verwendet wird [2|3] {15-3.2}, oder um ein zweites Zustandsverb mit ähnlicher oder stärker abweichender Semantik zu bilden [4|5]. Die -um- Verben der Gruppe {VA00/fa} beschreiben einfache Tätigkeiten, die weder Ziel noch Tatobjekt besitzen [6]. Bei einigen {VA00/fa} Verben beschreibt der Wortstamm bereits das Tatobjekt [7].
(3) Zu den {VA01} -um- Verben zählen zunächst Verben der Bewegung, die aus semantischen Gründen ein Adjunkt besitzen (lokative Funktion, [8]). Hinzu kommen Verben, bei denen das Adjunkt den Empfänger bezeichnet [9]. Wird einem {VA01} Verb ein Objunkt (das Tatobjekt) hinzugefügt, so entsteht ein {VA11} Verb [10]. Weniger deutlich nachzuvollziehen ist, warum {VA10} Verben mit -um- gebildet werden. In den meisten Fällen ist das Objunkt semantisch ein Tatobjekt [11]; jedoch können einige -um- Verben statt eines Adjunktes ein Objunkt in eindeutig lokaler Funktion besitzen [12|13].
(4) Von besonderem Interesse ist die Gruppe der -um- Verben, die sowohl mit Adjunkt oder mit Objunkt verwendet werden können {8A-122}. Die Verwendung eines Adjunktes kann semantisch mehr die Richtung einer Tätigkeit anzeigen, während dasselbe Wort als Objunkt mehr ein Tatobjekt ist. Die Folge davon ist, dass das Adjunkt etwas Teilweises beschreibt, während das Objunkt das Ganze darstellt. Im Beispiel [14|15] beschreibt das Adjunkt umakyạt sa punongkahoy mehr ein teilweises Erklettern des Baumes, vielleicht nur einiger Äste und nicht ganz bis zur Krone, während das Verb mit Objunkt umakyạt ng punongkahoy ausdrückt, dass der ganze Baum vollständig bis nach oben hin erklettert worden ist. Wir haben diesen Verben sowohl bei Adjunkt und Objunkt die Funktion Tatobjekt zugeordnet. Das ist bei Objunkt sicher stets zutreffend, jedoch findet man bei Adjunkt einen Übergang zwischen Tatobjekt und lokativer Funktion ('den Baum ganz beklettern' oder 'in den Baum klettern').
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Im vielen Wortfamilien können die mag- Verben mit Objunkt {VA10} gegen die -um- Verben ohne Objunkt {VA00} und {VA01} abgegrenzt werden. Beispiel ist tumayọ - magtayọ. Die lexikalische Bandbreite ist jedoch auf diesem Gebiet sehr groß. Auf die Besonderheit bei bumilị und magbilị wird an anderer Stelle verwiesen {7A-103}.
Eine Ausnahme ist das Verb tumapon, das wie ein Passivverb verwendet wird.
(5) Eine Art Tabu (Meidungsgebot) gibt es bei Verben, die ausdrücken, dass ein Täter einem Tatobjekt großes Leid oder großen Schaden zufügt. Dazu gehören Verben wie bumarịl, pumalo, pumatạy, sumakạl. Diese Verben werden bei Tieren als Tatobjekt nahezu regelmäßig mit Objunkt verwendet, bei Menschen im Allgemeinen weniger, bei einem Menschen sehr selten, und die Nennung eines Namens in diesen Konstruktionen ist nahezu tabuisiert. Der Grund ist vermutlich, dass in diesen Sätzen der Täter im Fokus ist und man in den Philippinen "nicht mit dem Finger auf den Mörder zeigt". Wird in diesen Situationen ein Adjunkt verwendet, wird die semantische Wirkung abgeschwächt, bumarịl kay X wird toleriert, weil es bedeutet, dass "nur" in die Richtung von X geschossen wurde. Wird der Täter aus dem Fokus genommen (in der Regel Passivkonstruktion mit -in Verb), bestehen keinelei Tabus, hier kann man ungehindert "das Opfer bedauern". Beispielsätze siehe {8A-123}. Es ist verständlich, dass diese Fragen von verschiedenen Muttersprachlern sehr unterschiedlich bewertet werden.
(6) Phonologische Gründe können die Bildung von -um- Verben erschweren, dann wird auf mag- Verben ausgewichen {8A-131 (5)}.
(7) Eine phonologisch genaue Betrachtung zeigt, dass das Affix -um- ein Infix ist. Es besitzt kein Po [ ʔ ] als Anlaut und kann daher nicht am Wortanfang stehen. Es wird nach dem Anlaut des Stammes, der Po [ ʔ ] oder ein anderer Konsonant ist, eingeschoben (Beispiel: iyạk - umiyạk [ʔɪ'jʌk - ʔʊ.mɪ'jʌk]) {14-2.4.1}.
(1) Das Präfix mag- besitzt besondere Eigenschaften, die bei der Bildung der mag- Verben eine wichtige Rolle spielen. Mit mag- gebildete Wörter werden mit Aktivverben identifiziert, da dieses Präfix auch in Affixkombinationen nicht für Passivverben und kaum für andere Wortarten verwendet wird. Alle Flexionsformen von mag- Verben lassen den Wortstamm phonologisch unangetastet, insbesondere bezüglich Silbengrenzen und Betonung. Deshalb werden Bildungen mit mag- stets als Aktivverben verstanden, auch wenn sie im Einzelfall neu und zunächst ungebräuchlich sind; wir bezeichnen diese Verben als uneigentliche mag- Verben, da sie wegen der phonologischen Eigenschaften von mag- gebildet sind und nicht aufgrund syntaktischer Präferenzen für bestimmte Argumentstrukturen. mag- Verben können syntaktische und phonologische Berechtigung haben, daher sind echte und uneigentliche mag- Verben oft nur schwer zu trennen. Wir finden folgende Gruppen von uneigentlichen mag- Verben, die wir im Anhang {8A-131} näher betrachten.
(2) Übersicht der mag- Verben
(3) Einen deutlichen Schwerpunkt bilden die mag- Verben mit Täterfokus und Tatobjektfunktion als Objunkt {VA10/fa|fp} [1]. Stark verallgemeinernd können sie damit gegen die -um- Verben als Aktivverben ohne Objunkt ({VA00} und {VA01}) abgegrenzt werden [1|2], aber die lexikalischen Abweichungen können groß sein (Beispiel bumilị - magbilị {7A-103}). Vergleichbar mit den {VA10/fa|fp} Verben sind uneigentliche {VA00|fa} Verben [3]. Werden mag- Konstruktionen noch um ein lokatives oder Empfängeradjunkt ergänzt, entstehen {VA11/fa|fp|fl}, {VA11/fa|fp|fb} [4] und seltener uneigentliche {VA01/fa|f..} Verben {8A-131 (4)}.
Neben diesem Schwerpunkt gibt es wenige mag- Zustandsverben {VA00/fs} {8A-132 (1)} und eine Anzahl echte mag- Verben mit Adjunkt [5]; oft ist nicht ersichtlich, warum in diesen Fällen mag- Verben gebildet werden. Selten sind mag- Verben, die sowohl mit Objunkt oder Adjunkt verwendet werden [6|7]. Ausnahmen sind einige mag- Verben ohne Objunkt, deren -um- Verb aber ein Objunkt besitzt [8|9].
(4) In einer Anzahl von Wortfamilien werden regelmäßig Passivverben verwendet und nur dann ein Aktivverb mit Präfix mag-, wenn die Verwendung eines Aktivverbs zwingend vorgeschrieben ist. So wird in der Familie von bukạs das Passivverb buksạn verwendet. Ausnahmen sind die Frage nach dem Täter [10a] und die Ableitung des Gerundiums pagbubukạs, weil beides mit Passivverben nicht möglich ist {12-4.4} {7-6.5}.
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(5) mag- Verben können nicht nur vom Wortstamm abgeleitet sein, sondern auch von Verben (die stets Affixe besitzen, Beispiel magpumilit |mag+(um+pilit)| {8-8.3}) oder von Adjektiven mit Affix (Beispiel magmalupịt |mag+(ma+lupit)|). Auch können mag- Verben zu Nominalphrasen mit Attribut gebildet werden (magmagandạng umaga, magdalawạng isip {8A-131 (4)}).
(6) {Θ} Die Affixe mag- und pag- (siehe auch {7-4.2.1 Θ (5)}):| Die filipinische Sprache von Armin Möller http://www.germanlipa.de/filipino/sy_V_09.htm 23. November 2009 |