{7A-101} Gruppeneinteilung der Verben
Die folgende Tabelle enthält einige Beispiele der Gruppeneinteilung in den verschiedenen Kategorien.
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{7A-102 Θ} Zeitformen und Partizipien
Für die überwiegende Zahl der filipinischen Partizipien ist charakteristisch, dass kein morphologischer Unterschied zwischen ihnen und den Zeitformen der Verben mit globaler Wirkung besteht. Daher ist der Gedanke naheliegend, nur von einer Klasse Verb/Partizip zu sprechen (die besonderen Partizipien ausgenommen). Dieser Gedanke wird dadurch gestützt, dass die Mehrheit der Partizipkonstruktionen als verkürzter Ligatursatz betrachtet werden kann, dessen Zeitform syntaktisch zum Partizip in der verkürzten Konstruktion geworden ist.
Dieser morphologischen Klasse Verb/Partizip kann man zwei unterschiedliche Namen geben. Es ist berechtigt zu sagen, die filipinische Sprache besitzt keine Verben, sondern benutzt stattdessen stets Partizipien. Ebenso kann man sagen, dass es Zeitformen der Verben gibt, die als Partizipien verwendet werden. Wir betrachten diesen Unterschied als rein terminologisch und nicht sachlich. Wir benutzen in unserer Arbeit die zweite Ausdrucksweise, da damit ein begrifflicher Unterschied zwischen Zeitformen der Verben mit globaler Wirkung und besonderen Partizipien vorhanden bleibt.
Trotz des fehlenden morphologischen Unterschieds benutzen wir den Begriff Partizip als syntaktische Beschreibung für eine Gruppe von Verwendungen der Zeitformen {7-6.4}, bei denen das Verb seine globale Wirkung im Satz verloren hat {2-4.3}. Ein weiterer Grund dafür ist, dass der Infinitiv nur selten als Partizip stehen kann, so dass hier keine syntaktische Identität zwischen Zeitform (einschließlich Infinitiv) und Partizip besteht.
{7A-103} Verben der Wortfamilie(n) bili
Die Verbsyntax des Stammwortes bilị ist unregelmäßig.
Offenbar hat dies L.J. English {
LJE} veranlasst, das Stammwort zu teilen in
bilị1 = 'purchasing or buying price' und
bilị2 = 'sale; act of selling'. Die
folgende Tabelle zeigt einige der Verbableitungen von bilị.
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Wegen dieses besonderen Verhaltens vermeiden wir Verben der Wortfamilie bilị als Beispiele.
{7A-211
} Aktiv und Passiv in Filipino und Bahasa
Indonesia
Es ist zweifelhaft, ob die Begriffe 'Aktiv' und 'Passiv' der filipinischen Sprache angemessen sind. Zunächst muss eingeschränkt werden, dass es sich nur um rein syntaktische Begriffe handeln kann, die weder mit einem semantischen "Aktivismus" oder "Passivismus" in Verbindung gebracht werden können. Diese Einschränkung wird dadurch leichter akzeptabel, da die filipinischen Begriffe tahasan = 'Geradeweg-Form' und balintiyạk = 'gebrochene Direktheit ???' weniger Anlass zu dieser Interpretation geben. Die aus dem Spanischen übernommenen Begriffe aktibo und pasibo sollten auf alle Fälle vermieden werden.
Es bleibt also die Frage, ob die filipinische Sprache zwei deutlich unterscheidbare Genera der Verben besitzt. Einer Bejahung dieser Frage stellen sich eine Anzahl Hindernisse entgegen.
Trotzdem verwenden wir in unserer deutschsprachigen Syntax die Begriffe 'Aktiv' und 'Passiv' (im Sinne eines 'T-' und 'B-Genus', die keine Gradmesser für semantische Aktivität sein wollen), weil sie nach unserer Meinung zu einer sinnvollen Gliederung der filipinischen Verben beitragen.
Zitat {
Wohlgemuth BI}:
'Das sogenannte "Passiv"
Die Frage, ob es beim Verb der BI eine Diathese "Aktiv-Passiv" gibt, ist sehr umstritten, und kann hier nur fragmentarisch angesprochen werden. In der Übersetzung bereiten manche Formen besondere Schwierigkeit, weil sie zwar einem anderen Konstruktionstypus angehören, aber kaum als passivisch aufzufassen sind. ...
Es handelt sich bei diesem System eher um ein (für die austronesischen Sprachen typisches) Fokussystem, bei dem entweder der Handlungsträger im Vordergrund der Satzaussage steht (Subjektfokus; "Aktiv") oder das Handlungsobjekt (Objektfokus; "Passiv").
Dieses System wird also nicht nur zur "Aktiv-Passiv"-Differenzierung genutzt, sondern zur Hervorhebung bzw. Kennzeichnung des Gesprächsgegenstandes. Der Sprecher kann sich damit (höflicherweise) in den Hintergrund rücken, oder die Betonung eher auf den Vorgang als auf den Handelnden legen.'
{7A-212 Θ} Zustandsverben und Genus 'Stativ'
Problematisch ist der syntaktische Begriff des Täters bei Zustandsverben {7-3.2.3}. Die besonderen Eigenschaften der Zustandsverben legen es nahe, in der filipinischen Sprache ein weiteres Genus 'Stativ' einzuführen. Eine Abgrenzung zwischen Aktiv und Stativ ist kaum möglich {7A-3231}, und der fließende Übergang zwischen Aktiv bzw. Stativ und Passiv bleibt {7-2.4}. In der Affigierung unterscheiden sich Zustandsverben von anderen Aktivverben nur schwerpunktmäßig, aber nicht vollständig. Hinzu kommt, dass es - wenn auch wenige - Passivkonstruktionen gibt, die einen Zustand beschreiben {7-3.2.3 [10]}. So verzichten wir auf den Stativ als besonderes Genus und beschreiben Zustandsverben als eine besondere Gruppe innerhalb des semantischen Systemes von Fokus und Funktion. Damit betrachten wir das Thema Zustandsverben als semantische Feinheit und nicht als morphologische Kategorie; Zustandsverben bilden eine Modalität der filipinischen Verben. Die Zustandsverben sind dann Aktivverben, und der Besitzer des Zustandes wird syntaktisch einem Täter sehr ähnlich. Diese Zuordnung wird dadurch unterstützt, dass mit Hilfe der Affixaffixe mang-, -um- und mag- ebenfalls einige Zustandsverben gebildet werden.
{7A-213} Häufigkeit von Aktiv und Passiv
Wir haben 2005 eine statistische Untersuchung der Häufigkeit von Aktiv und Passiv vorgenommen {W Akt-Pass}. In den meisten Texten wird in über 80 % der Fälle (wenn eine Wahlmöglichkeit besteht) das Passiv vorgezogen.
(2) In unserem Werkstatt-Korpus (Grammatikbücher ausgenommen) haben wir 31-mal den Stamm bigạy gefunden mit folgender Verteilung:
| 24 Sätze | Passiv | bigyạn 11, ibigạy 7, maibigạy 3, ipagbigạy 1, Wortstamm 2. |
| 5 Sätze | Aktiv | magbigạy 5. |
| 2 Sätze | Gerundium | |
(3) In der philippinischen Sprachengruppe Bisaya {1A-131} wird das Passiv weniger als in Tagalog-Filipino verwendet. Ein falsch gebildeter Aktivsatz wird von Tagalog-Muttersprachlern abwertend kommentiert mit Pangịt iyọn, Bisayang salitạ iyụn ('Das ist schlecht, das ist Bisaya-Sprache.').
{7A-221 Θ} Beziehung zwischen Verb und Subjekt
Eine genaue Betrachtung zeigt, dass eine Beziehung zwischen Verb und Subjekt nicht besteht, sondern zwischen Verb und der das Subjekt bildenden Nominalphrase. Diese Betrachtungsweise wird wichtig, wenn Prädikat und Subjekt getauscht werden {2-2.3}. Dann bildet die Verbphrase das Subjekt, und die das Prädikat bildende Nominalphrase ist Argument des Verbes.
{7A-222
} Zuordnung von Objunkten und Adjunkten
zu Verbphrasen
(1) In der linguistischen Forschung ist die Zuordnung von Phrasen zur Verbphrase wichtig. Es wird zwischen Kernphrasen (Argumente der Verben, pang-ubod na parirala ng sugnạy) und peripheren Phrasen (freie Phrasen, oblikong parirala) unterschieden. Zahl und Art der Kernphrasen bestimmen die syntaktische Klassifizierung (transitiv und intransitiv, bzw. S-A-O). Hier besteht ein Problem in der filipinischen Sprache, da diese Einteilung nicht eindeutig vorgenommen werden kann. Wir stellen fest, dass in der Literatur der Begriff Argument häufig bei Adjunkten sehr eng gefasst wird. Viele Phrasen, die in unserer Darstellung Argumente sind, werden dort als periphere Phrasen betrachtet.
(2) Wir möchten auf unsere "morphologische" Definition des
Argumentes näher eingehen {7-2.2 (3)}.
Demnach ist sa alạk
in [1a 1b] ein Argument, weil es in Satz [1c] das fokustragende Subjekt bildet.
Die Beispiele [2 3] werden bei {
Nolasco 2006} in dem
Abschnitt über Tradisyunal na pagsusuri
'traditionelle Analyse' betrachtet. In Satz [2] ist man geneigt,
das Adjunkt als frei zu
bezeichnen. Wenn man die Sätze [2|3] vergleicht, kann man sagen (Nolasco tut das nicht),
dass das Adjunkt in [2] Argument ist, weil es zum Subjekt des Satzes [3] werden kann.
Wenn man jedoch Satz [3] als wenig grammatikalisch betrachtet (es bestehen Zweifel an der
Bildung eines Verbs pakainan mit lokalem Fokus),
bleibt das Adjunkt in Satz [2] peripher.
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Angesichts der vielen Möglichkeiten der filipinischen Sprache, Phrasen in den Fokus zu setzen, führt obige Definition dazu, dass der Begriff des Argumentes (der Kernphrase) weit gefasst wird. Wir betrachten das nicht als Schwäche unserer Definition. Im Gegenteil, damit wird die Vielfalt dieser Sprache bei der Bildung von Passivverben angemessen beschrieben. Hinzu kommt, dass es die filipinische Sprache selbst ist, die bei Adjunktphrasen keine Eindeutigkeit zulässt. Die gleiche Form der Adjunkte wird für Kernphrasen und auch für periphere Phrasen verwendet, es gibt dabei weder morphologische noch syntaktische Unterschiede.
(3) Stark vereinfachend, lässt sich folgender Vergleich zwischen unserem Ansatz und dem S-A-O System mit den entsprechenden transitiven und intransitiven Konstruktionen aufstellen.
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Folgt man der Arbeit von Nolasco, ist dieses Schema zu modifizieren:
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(4) Bei {
Schachter 1972 p. 283} werden
Adjunktphrasen als 'directional complement' als Argumente
betrachtet. Eine ähnliche Betrachtung finden wir bei {
Aganan 1999},
siehe {1A-612
(3)}.
| Die filipinische Sprache von Armin Möller http://www.germanlipa.de/filipino/sy_V_01A.htm 21. April 2010 |