HTML>
(1) Wenn wir Prädikat (panagurị) und Subjekt (paniyạk, {2A-101}) in der filipinischen Sprache betrachten, gibt es eine Anzahl syntaktischer Besonderheiten. Die auffallendste ist, dass Prädikat und Subjekt häufig die Wörter ay bzw. ang vorangestellt werden. Dies betrachten wir als so wichtig für die Syntax der Sprache, dass wir diese Tatsache unserem Strukturmodell zugrunde gelegt haben. Die Prädikatphrase (pariralang panagurị, Schlüssel {P-P}) und die Subjektphrase (pariralang paniyạk, Schlüssel {P-S}) sind wichtige Bestandteile davon. Eines der syntaktischen Prinzipien der filipinischen Sprache ist, dass Prädikat und Subjekt besonders gekennzeichnet werden können. Wir betrachten Prädikat und Subjekt als Funktionsphrasen, die Bestimmungswörter (Phrasenmarkierer, panandạ) besitzen, ay für die Prädikatphrase und ang für die Subjektphrase. ang kann dem Prädikat zugefügt werden, wir sprechen dann von nichtkanonischem ang {2-2.5}.
(2) In der filipinischen Sprache enthält ein Satz nur dann ein Verb, wenn es semantisch erforderlich ist. Die Syntax verlangt kein Verb (eine Entsprechung zu den früher als 'Kopula' bezeichneten Verben, wie das deutsche Verb 'sein', ist nicht vorhanden) {2A-102}, daher gibt es verblose Prädikate {2A-103 Θ}. Die grammatikalische Kongruenz zwischen Prädikat und Subjekt beschränkt sich in der filipinischen Sprache auf die Argumente; weitere Kongruenzen werden nicht vorgenommen {13-4.2 Θ}.
(3) In der filipinischen Sprache besitzt das Subjekt einen Fokus;
damit verbunden ist die Eigenschaft des Subjektes, dass es ein hohes Maß von Bestimmtheit
ausdrückt {2-3} {2A-104
}. Diese
Eigenschaft des Subjektes hat weitreichende Konsequenzen für den filipinischen
Satzbau. In allen Fällen, in denen eine Nominal- oder ähnliche Phrase kein
hohes Maß an Bestimmtheit besitzt, kann diese Phrase nicht Subjekt sein. Zur Lösung
dieses Problemes besitzt die Sprache unter anderem die Möglichkeit, dass Prädikat und
Subjekt ihre syntaktische Funktion tauschen können {2-2.3}, so dass die Phrase mit der fehlenden Bestimmtheit das
Prädikat bilden kann. Den durch das Prinzip der Bestimmtheit des Subjektes bestimmten
Satzbau finden wir überall in der filipinischen Sprache. Auffallend ist er nur für den
nicht filipinisch denkenden Leser, dem das Prinzip der Bestimmtheit des Subjektes fremd
ist und der die daraus resultierenden Folgen als etwas Besonderes betrachtet. Im
Filipino werden Prädikat und Subjekt nicht eigentlich getauscht; es wird
von Beginn an ein Satzbau
gewählt, der das Prinzip der Bestimmtheit des Subjektes erfüllt. Es besteht also eine
formale Symmetrie von Prädikat und Subjekt {2-2.4}. Jede
Phrase, die das Prädikat bilden kann, kann auch Subjekt sein und umgekehrt. Nicht alle
der so gebildeten Sätze sind jedoch grammatikalisch. Sätze, die das Prinzip der
Bestimmtheit des Subjektes verletzen, werden verworfen.
Die Folgerung daraus ist, dass nahezu jede Inhaltsphrase Prädikat oder Subjekt im
filipinischen Satz bilden kann. Es besteht keine feste Zuordnung zwischen
morphologischen Wortarten und ihrer syntaktischen Verwendung in der filipinischen
Sprache {2A-105
}. Das Prädikat kann weder mit einem Verb identifiziert
werden noch das Subjekt mit einer Nominalphrase.
Eine andere Frage ist, ob derselbe Phrasentyp in einem Satz gleichzeitig Prädikat und Subjekt bilden kann. Es ist deutlich, dass dies für Nominalphrasen der Fall ist, während es für andere Phrasen nur selten möglich ist.
Die Funktion von Prädikat und Subjekt im Satz behandeln wir in {13-2}. Dort werden auch Nicht-Regelsätze betrachtet. Dazu zählen wir Sätze mit Subjektinterklit {13-2.3.1} und Sätze ohne Subjekt {13-2.3.2}.
(4) In der linguistischen Forschung wurde und wird vermutlich auch heute
noch die Frage des Vorhandenseins von Subjekten in der filipinischen Sprache diskutiert.
Ausgangspunkt der Diskussion war, dass in indogermanischen Sprachen Aktivsätze mit dem
Täter als Subjekt die wesentliche Rolle spielen. Also wurde das Subjekt mit dem Täter
identifiziert,
was in der filipinischen Sprache mit ihrem Vorzug für Passivkonstruktionen zu Konflikten
führen musste. Dies hat zu umfangreichen Arbeiten über dieses Thema geführt.
{
Kroeger 1991 p. 25 ff.} hat die Begriffe grammatisches Subjekt und Täter
sauber
getrennt. Darüber hinaus hat er eine syntaktische Vorrangstellung des Subjektes erarbeitet,
inbesondere gegenüber den Phrasen, die wir als Objunkte bezeichnen. Diese Untersuchungen
unterstützen unser Strukturmodell, in dem Prädikat und Subjekt eine herausragende Stellung
einnehmen.
(1) Die überwiegende Mehrzahl der filipinischen Sätze besitzt ein Verb als Prädikat [1]. Jedoch gibt es regelmäßig Sätze ohne Verb, es gibt keine Entsprechungen zu den in indogermanischen Sprachen vorhandenen Verben wie 'sein' oder 'to be' {2A-102}. Dadurch können Nicht-Verbphrasen das Prädikat bilden [2-4]. Die Interrogativpronomen sino, anọ, kanino und nasaạn bilden Prädikate [5a 6a], mit ihnen können Nominalphrasen [5b] und Adjunkte [6b] als Prädikat erfragt werden {12-2.1}. Interrogativadjektive können als Prädikat [7] oder als attributiver Bestandteil des Prädikates in Fragen verwendet werden [8] {12-2.2}.
|
(2) In den Sätzen [1-8] steht das Prädikat
am Satzanfang (kanonischen Reihenfolge, {13-2.1.1}). Die filipinische Sprache besitzt ein Bestimmungswort
ay, das das Prädikat kennzeichnen und ihm vorausgehen
kann {2A-211
}. Steht das Prädikat am Beginn des Satzes, wird dieses
Bestimmungswort nicht verwendet. Wird von der
kanonischen Reihenfolge abgewichen, steht also das Subjekt vor dem Prädikat, so wird dem
Prädikat das Bestimmungswort ay vorangesetzt [9 10]. Ebenfalls wird ay
häufig verwendet, wenn bei kanonischer Reihenfolge vor dem Prädikat andere (in der Regel
unabhängige) Phrasen [11 12] oder Teilsätze [13-15] stehen. Nach
kürzeren Phrasen vor dem Prädikat wird im Allgemeinen auf ay verzichtet [16]. Die
Beispiele [14 15] machen deutlich, dass ay vor das gesamte Prädikat, und nicht
vor dessen Kernwort gesetzt wird (vgl. {10-3.1.1
[2]}).
|
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Bestimmungswort ay nur dann verwendet wird, wenn ein nicht am Satzanfang stehendes Prädikat einer besonderen Markierung bedarf. Dies geschieht unabhängig vom Inhalt der Prädikatsphrase (hier unterscheidet sich ay von dem Bestimmungswort ang der Subjektphrase).
Abweichender Gebrauch von ay {2A-213}.
(1) Die wichtigste Eigenschaft des filipinischen Subjektes ist, dass es einen besonderen Schwerpunkt des Satzes oder Fokus darstellt {2-3.1}. In der überwiegenden Zahl der Fälle wird das Subjekt in der filipinischen Sprache von einer Nominalphrase gebildet [1]. Doch finden sich regelmäßig auch andere Phrasen als Subjekt [2-4], in den nächsten Abschnitten sind Beispiele und deren Begründungen. Hier wird es wichtig, das Kurzwort ang als Bestimmungswort und Fokusmarkierer des Subjektes (und nicht als Artikel für Substantive) zu betrachten {6A-631 Θ}. Wenn das Bestimmungswort ang vor dem Subjekt steht, ist es das erste Wort des Subjektes [1]. ang wird regelmäßig als Fokusmarkierer des Subjektes verwendet, wenn das Subjekt kein Nomen (Substantiv oder Pronomen) ist [2-4]. Unmittelbar vor Pronomen [6] und vor Namen mit einem Artikel si oder sinạ [7] steht es nicht, in allen anderen Fällen wird es auch vor Nomina gesetzt [1 5]. Einzelheiten dazu in Abschnitt {2-4.1}. Ersetzt ein Teilsatz das Subjekt, so wird häufig eine -ng/na Ligatur statt ang verwendet [8] {2-4.9}.
|
(2) Da mit ang das syntaktische Subjekt nicht nur markiert wird, sondern ihm auch semantisch eine Bestimmtheit zugewiesen wird, besitzt ang auch einen semantischen Wert [9-12]. Das filipinische Subjekt drückt stets einen Grad von aktuellem Vorhandensein oder Bestimmtheit aus {2-3.1}. Ist die Bestimmtheit des Subjektes semantisch unerwünscht, so wird der Satz syntaktisch verändert [11|9] (und nicht etwa ang vor dem Subjekt weggelassen). Weitere Beispiele in Abschnitt {2-2.3}. Wegen seiner Bestimmtheit kann das Subjekt in der filipinischen Sprache nicht erfragt werden {12-4.3}.
| |||||||||||||||||||||
(3) Vorwiegend umgangssprachlich kann statt des Bestimmungswortes ang das vorangehende Wort ein Suffix -ng erhalten {*} {14-2.5.8.2}. Davon wird vor allem Gebrauch gemacht, wenn ang keine besondere Bestimmtheit ausdrückt und eine rein syntaktische Funktion besitzt [13]. Dies ist auch der Fall in Fragesätzen wie [14-16] {12-2.1 (2)}.
{*} Vermutlich besteht keine syntaktische Beziehung zu der -ng Form der Ligatur, da obiges Suffix -ng nicht durch die na Form der Ligatur ersetzt werden kann.
|
(4) Besteht das Subjekt aus einer Aufzählung, so kann ang vor das gesamte Subjekt gesetzt werden [17]. Um die Bestimmtheit der einzelnen Teile zu betonen,kann ang wiederholt werden [18].
|
(5) In Sätzen mit Verb als Prädikat hängt die semantische Funktion des Subjektes vom Fokus des Verbs ab [19-23]. Dabei ist es syntaktisch unerheblich, ob das Subjekt den zum Verb gehörigen Täter darstellt {7-3.4}.
|
(1) Wie in der Einleitung {2-1 (3)} erwähnt, können
in der filipinischen Sprache Prädikat und Subjekt ihre Funktion tauschen
(pagpapalitạn ng panaguri
at paniyạk) {2A-231
}. Die das Prädikat bildende Phrase
kann in einem geänderten Satz Subjekt werden, und das Subjekt wird zum Prädikat. Zunächst
möchten wir einige Bespiele vorstellen, die alle voll grammatikalisch sind [1|2 3|4 5|6].
Wir betrachten vorerst nicht, welche Konstruktionen wann und wie häufig verwendet werden
(für alleinstehende Aussagesätze wie in den Beispielen werden einige der Konstruktionen
gemieden). Beispiel [7|8] zeigt, dass der Funktionstausch
von Prädikat und Subjekt nicht auf Sätze mit globalem Verb beschränkt ist.
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Alle Sätze [1-8] sind in kanonischer Reihenfolge ({C-../PS}, {13-2.1.1}). Vom Funktionstausch von Prädikat und Subjekt zu unterscheiden sind Sätze in nichtkanonischer Reihenfolge (in den Beispielen [1|9 7|10] werden Prädikat und Subjekt nicht getauscht).
| ||||||||||||||||
(2) Die Prädikat und Subjekt bildenden Inhaltsphrasen können untergeordnete Phrasen besitzen. Bei Tausch von Prädikat und Subjekt werden sie mitgetauscht, bleiben also Bestandteil ihrer übergeordneten Phrase. Ist z.B. das Prädikat vor dem Tausch ein Verb (bzw. eine Verbphrase), so tauschen nur Prädikat und Subjekt ihre Funktion {2A-232 Σ}. Die weiteren Argumente des Verbs werden nicht geändert. Sie sind dann Teile des Subjektes und nicht länger des Prädikates [11|12]. Ähnliches gilt für Phrasen, die Adjektiven [13|14] oder Nomina zugeordnet sind [15|16]. Naturgemäß werden unabhängige Phrasen durch einen Tausch von Prädikat und Subjekt nicht beeinflusst (kahapon in [17|18]).
| |||||||||||||||||||
(3) Der Funktionstausch von Prädikat und Subjekt ist eine Möglichkeit, das Prinzip der Bestimmtheit des Subjektes zu gewährleisten {2-3.1}. In Fragesätzen kann das Subjekt nicht erfragt werden, und die zu erfragende Phrase muss häufig durch Funktionstausch zum Prädikat gemacht werden [19 21 22] {1A-202 Σ}. Oft wird im Antwortsatz der Tausch beibehalten [19|20].
| |||||||||||
(4) Durch den Funktionstausch von Prädikat und Subjekt kann die Unbestimmtheit zum Prädikat verlagert werden; damit kann verhindert werden, dass Phrasen ohne Bestimmtheit das Subjekt bilden [23|24 25-27]. Damit kann die semantische Verbindung zu aktuellem Vorhandensein verringert werden. Dies ist in der Regel der Fall bei allgemeinen Gattungsbegriffen [28]. Wird jedoch der Gattungsbegriff als die Gesamtheit von bestimmten Personen betrachtet, bleibt er bestimmt und kann das Subjekt bilden [29a|b].
| |||||||||||||||||
(5) Der Tausch von Prädikat und Subjekt wird zur Erzielung rhetorischer Effekte eingesetzt. Der Tausch kann vorgenommen werden, um ein Subjekt, das kein ang besitzt (Pronomen [30-33] oder Name mit vorangehendem si [34]), stärker hervorheben zu können. Durch den Tausch wird das Subjekt zum Prädikat. Dieses wird an den Satzbeginn gesetzt, und erhält damit die erwünschte Hervorhebung. Das frühere Prädikat - häufig eine Verbphrase oder ein Adjunkt - wird dann zum Subjekt und erhält ein vorangestelltes ang.
|
Tausch von Prädikat und Subjekt und europäische Sprachen
{2A-233
}.
Eine wichtige Konsequenz aus der Tauschbarkeit von Prädikat und Subjekt ist, dass alle Phrasen, die in der filipinischen Sprache das Prädikat bilden können, auch Subjekt sein können und umgekehrt. Dadurch entsteht eine formale Symmetrie zwischen Prädikat und Subjekt {2A-241 Θ}. In Abschnitt {2-2.1} wurde gezeigt, dass außer Verbphrasen auch Nicht-Verbphrasen das Prädikat bilden können. Neben Verbphrasen können diese aus der Symmetrie heraus auch das Subjekt des Satzes sein. Die Symmetrie beschränkt sich ausschließlich auf die Syntax. Wegen der Bestimmtheit des Subjektes besteht keine semantische Symmetrie [1|2].
|
Aus historischen Gründen haben wir diesen Abschnitt in Kapitel {2} 'Subjekt und Prädikat' belassen; logisch gehört er zu Kapitel {10-2.2} 'Proklitische Adverbien'. Ebenso wäre 'adverbiales ang' eine treffendere Bezeichnung als 'nichtkanonisches ang' .
(1) Im filipinischen Satz ist ang das Bestimmungswort des Subjektes. Damit erhält es eine besondere Gewichtigkeit im Satz: ang markiert den Satzschwerpunkt, es wird auch als Fokusmarkierer bezeichnet. Außerhalb dieser syntaktisch eindeutigen Situation kann ang auch eingesetzt werden, um anderen Phrasen eine besonderen Stellenwert zuzuerkennen. Wir bezeichnen dies als nichtkanonisches ang (di-karaniwang ang).
Da Prädikat und Subjekt im filipinischen Satz ihre Rollen tauschen können, besteht bereits eine syntaktische Symmetrie zwischen diesen Phrasen. Diese Symmetrie kann semantisch dadurch verstärkt werden, dass beide Phrasen durch ang eingeleitet werden [1 2] (Nominal- oder Äquationalsatz). Auch kann dem Prädikat besonderes Gewicht gegeben werden, indem es durch Verwendung von ay ang zu einem weiteren Satzschwerpunkt gemacht wird [3]. Dabei kann dem Prädikat ein höherer Grad von Bestimmtheit, wie er dem Subjekt zueigen ist, zugesprochen werden. In Satz [4] wird nicht dem gesamten Prädikat, sondern nur seiner Existenzphrase ein Zusatzgewicht gegeben.
| |||||||||||||||
(2) In unserem Verständnis legt ang seinen Charakter als
Bestimmungswort ab, wenn es nichtkanonisch verwendet wird
{2A-256
}. Es ist dann ein proklitisches Adverb (Alleinwort)
ohne weitere syntaktische Funktion, es wird also kein Ersatzbestimmungswort für das
Prädikat. Als Adverb ergänzt nichtkanoninisches ang den Inhalt des Prädikates
(da es dessen Bestimmtheit erhöht). Wir begründen diese Annahme damit, dass der
Prädikatmarkierer ay vor nichtkanonischem ang nicht entfällt [3]. Ebenso
bleibt die einen Ligatursatz einleitende Ligatur erhalten,
wenn die erste Phrase im Ligatursatz das Prädikat mit nichtkanonischem ang ist
[2]. In Satz [4] bleibt die Ligatur nach dem zum Prädikat gehörigen Adverb vor dem
nichtkanonischen ang der Existenzphrase erhalten.
(3) Während nichtkanonisches ang in der Umgangssprache und in der allgemeinen Schriftsprache recht selten sind, findet es sich regelmäßig in Schul- und ähnlichen Lehrbüchern (sog. westlicher Stil {13-6.1}).
Vom nichtkanonischen ang unterscheidet sich mehrfaches Auftreten von ang, das durch mehrere Teilsätze in einem Satz entsteht, wenn diese jeder für sich ein Subjekt enthalten. Die Identifizierung der Teilsätze wird dadurch erschwert, da sie häufig keine Verben besitzen.
(1) In den vorigen Abschnitten wurden die Begriffe Fokus (fokus) und Bestimmtheit (katiyakạn) verwendet. Wegen ihrer Bedeutung für die Struktur der filipinischen Sprache sollen damit zusammenhängende Fragen hier zusammenfassend behandelt werden.
Unter Fokus verstehen wir den Sachverhalt, dass eine bestimmte Phrase besonderes Gewicht erhält, unabhängig davon, wo sie im Satz positioniert sind. Diese Eigenschaft besitzt in der filipinischen Sprache das Subjekt, ein syntaktischer Begriff. Mit diesem Fokuskonzept fügt sich die filipinische Sprache in die Familie der austronesischen Sprachen ein. Das Vorhandensein eines Fokus ist als Teil der Syntax zu verstehen.
(2) Den Begriff Bestimmtheit beziehen wir auf Personen und Dinge. Wir verstehen darunter Eigenschaften, etwas Besonderes, Unterscheidbares und damit in gewissem Sinn Einzigartiges zu sein. Leichter zu erklären ist der Begriff der Unbestimmtheit. Hier sind keine eigentlichen Personen oder Dinge gemeint, sondern die Eigenschaft, einer Gruppe von Personen oder Dinge anzugehören. Die Begriffe Bestimmtheit und Unbestimmtheit gehören zur Semantik; mit obiger Beschreibung sind sie nicht auf Nominalphrasen beschränkt {2-3.1 [7]}. In der filipinischen Sprache drückt das Subjekt einen hohen Grad von Bestimmtheit aus, diese Bestimmtheit an sich (katiyakạng likạs) kann vom Subjekt nicht entfernt werden. Andere Phrasen sind an sich unbestimmt, können jedoch durch bestimmte Maßnahmen eine Bestimmtheit erhalten {2-3.2}.
(3) Zwischen Fokus, dem syntaktischen Begriff, und Bestimmtheit, dem semantischen Begriff, bestehen Wechselwirkungen. In der filipinischen Sprache werden beide im Subjekt vereinigt, das im Bestimmungswort ang einen Fokusmarkierer besitzt, der gleichzeitig eine semantische Bestimmtheit des Inhaltes des Subjektes ausdrückt. Es besteht völlige Kongruenz, wenn ein mit ang markiertes und damit im Fokus stehendes Subjekt eine Nominalphrase ist, die semantische Bestimmtheit besitzt.
(4) Die Frage erhebt sich, wie die Sprache mit Unbestimmtheit umgeht, die nicht als Subjekt in den Fokus gesetzt werden darf. Andererseits erhebt sich die Frage, was mit Bestimmtem geschehen soll, das sich nicht als Subjekt eignet.
(5) {Θ} Oben wurde der Begriff der Bestimmtheit auf Personen und Dinge bzw. deren Eigenschaften beschränkt. Eine weitere - für uns noch offene - Frage ist, ob eine Bestimmtheit des Subjektes auch wirksam ist, wenn dieses nicht zu dieser Klasse gehört. Anders ausgedrückt, lautet die Frage, ob alle Phrasen bestimmt und damit semantisch verändert werden, wenn sie das mit ang markierte Subjekt werden {*}. Wir haben eine solche Veränderung nicht allgemeingültig feststellen können (Beispiel {10-5.1 [8]}). Falls dies tatsächlich richtig ist, ist die Kennzeichnung bestimmter Phrasen mit dem Bestimmungswort ang eine rein syntaktisch formale, um die Funktion der Phrasen im Satz deutlich zu machen.
{*} Die Annahme, dass alle mit ang eingeleiteten Phrasen zu Nominalphrasen werden, trägt nicht zur Beantwortung dieser Frage bei {2A-105} .
(1) Die filipinische Sprache besitzt mehrere Möglichkeiten, Phrasen zum Subjekt werden zu lassen bzw. ihnen einen Nicht-Subjekt-Platz im Satz zuzuweisen. Mit anderen Worten, Phrasen können in den Fokus gesetzt werden oder aus ihm genommen werden. Das mächtigste Werkzeug sind die Verben, die dies durch unterschiedliche Affigierung erreichen [1|2]. Eine weitere Möglichkeit ist der Tausch von Prädikat und Subjekt [3|4] {2-2.3}. Satz [6] ist schlecht, weil kauntị lang nicht bestimmt sein darf; Satz [7] umgeht das Problem, indem kauntị lang zum Prädikat ohne Bestimmtheit gemacht wird. Eine Anzahl Sätze lassen die Wahl zwischen Subjekt und Objunkt zu [8|9]. In Fragesätzen wird das Prädikat erfragt, um Bestimmtheit in der Frage zu vermeiden [10] {12-4.2}.
|
(2) Personennamen besitzen einen hohen Grad von Bestimmtheit, unabhängig davon, wie sie syntaktisch im Satz stehen. Sie sind mit dem Artikel si als einzigartig und damit bestimmt gekennzeichnet. Aus dieser Sicht ist es verständlich, dass Personennamen keines weiteren Bestimmtheitsmarkierers bedürfen. Vor ihnen steht kein ang, was zur Folge hat, dass auch die Subjekt- und Fokusmarkierung entfällt [11|12]. Auch vor Personal- und Demonstrativpronomen steht kein Bestimmungswort ang [11|13]. Dies mag damit zusammenhängen, dass sie als 'Pro-Nomen' für ein Nomen stehen, das stets etwas Bestimmtes ist. Hinzu kommt, dass diese Pronomen enklitisches Verhalten zeigen können [14] (Interklit {11-6}), was nicht kompatibel mit einem vorangestellten Bestimmungswort ist.
|
Bilden zwei dieser Nomina (Personennamen oder Pronomen) Prädikat und Subjekt des Satzes, so bleiben doch Prädikat und Subjekt unterscheidbar, da ein nach dem Subjekt stehendes Prädikat mit dem Bestimmungswort ay markiert wird (bzw. würde) [15|16|17].
|
(3) Ein nicht mit ang markiertes Subjekt ist schwächer im Fokus als ein markiertes [18]. Soll dieser schwache Fokus verstärkt werden, kann das Subjekt an den Beginn des Satzes gestellt werden und so entsprechendes Gewicht erhalten [19]. Die nichtkanonische Reihenfolge wird hier zu einem Mittel, Gewichte innerhalb der bestehenden Regeln der Syntax zu verändern. In den Sätzen [20|21 20|22] wurden Prädikat und Subjekt getauscht und das Prädikat wurde kanonisch an den Satzanfang gestellt. Ein Bestimmtheitsmarkierer si des Prädikates am Satzanfang schafft besonderes Gewicht. Ein Vergleich mit Sätzen liegt nahe, bei denen das Prädikat ein zusätzliches Gewicht durch Hinzufügen von ang erhält {2-2.5}.
|
Existenzphrase anstelle eines unbestimmten Tatobjektes bei Passivverben {4-4.3}.
Die Frage der Bestimmtheit des Prädikates (besser: des Bestimmtheitsgrades) stellt sich, wenn dieses eine Nominalphrase ist. Seinem Wesen nach ist das Prädikat weniger bestimmt als das Subjekt [1]. Es kann bestimmter gemacht werden, bis es eine völlige Gleichheit mit dem Subjekt erreicht, kann jedoch nicht bestimmter als dieses werden. Falls letzteres erwünscht wird, müssen Prädikat und Subjekt getauscht werden. In der Regel wird die Bestimmtheit erhöht, indem die Nominalphrase entsprechend geändert wird. Dazu können folgende Werkzeuge dienen:
Eine besondere Form der Erhöhung der Bestimmtheit des Prädikates ist, es an das Subjekt anzugleichen, indem es ein zusätzliches ang erhält (nichtkanonisches ang {2-2.5}). Das Bestimmungswort ay beeinflusst nicht den Grad der Bestimmtheit des Prädikates.
|
(1) Objunkt- und Adjunktphrasen (ebenso Subjunkte und Disjunkte) stehen nicht im Fokus und schaffen keine Bestimmtheit. Daher können Subjekte in diese Phrasen umgewandelt werden, wenn Unbestimmtheit ausgedrückt werden soll. Andererseits können Nominalphrasen, die das Objunkt oder Adjunkt bilden, mit den gleichen Werkzeugen bestimmter gemacht werden, die im vorigen Abschnitt für das Prädikat aufgezeigt wurden. Dies gilt auch für Existenzphrasen [1-3]. Jedoch können bestimmte Personen (mit si oder als Pronomen) nicht in Existenzphrasen stehen [4|5].
(2) Möglicherweise ist die Bestimmtheit eines Adjunktes [6] etwas höher als die eines Objunktes [7].
|
In den vorangegangenen Abschnitten haben wir die Beziehung zwischen Fokus und Bestimmtheit betrachtet. Dies ist nur für Nominal- und vergleichbare Phrasen vorgenommen worden, da wir den Begriff Bestimmtheit nur auf Personen und Dinge angewandt haben. Bildet eine Nicht-Nominalphrase das Subjekt, so erhält sie stets das Bestimmungswort ang, ist also deutlich fokusmarkiert {2-2.2}. Dann steht keine Nominalphrase im Fokus, der ihr eine Bestimmtheit zumessen würde. Somit können Sätze gebildet werden, die nur unbestimmte Nomina besitzen [1-3]. Satz [3] zeigt, dass eine Existenzphrase das Subjekt bilden kann und somit erlaubt, dass keine der Nominalphrasen Bestimmtheit besitzt.
|
| Die filipinische Sprache von Armin Möller http://www.germanlipa.de/filipino/sy_P-P_1.htm 12. April 2010 |