Betrachtungen zur filipinischen Sprache

1.1 Warum Filipino statt Tagalog?

Wir verwenden stets den Begriff Filipino statt des Wortes Tagalog, das viel häufiger gebraucht wird. Was sind die Unterschiede zwischen beiden? Und was veranlasst uns, das Wort Filipino vorzuziehen?

Tagalog ist der Name einer Region im mittleren Teil der nördlichen Insel Luzon, die Hauptstadt Manila liegt etwa in der Mitte der Tagalogregion. In dieser Region wird eine mehr oder weniger einheitliche Sprache (bzw. Dialekt) gesprochen, die ebenfalls Tagalog genannt wird. Wegen ihrer großen Verbreitung - und weil die Hauptstadt Manila in der Mitte der Tagalogregion liegt - ist diese Sprache Ziel ausdehnter Studien, Beschreibungen und Forschungen gewesen und auch heute noch. Wenn man Leute in der Tagalogregion auf der Straße fragt, was sie untereinander sprechen, wird jeder antworten: "Tagalog". Tagalog ist also etwas historisch Gewachsenes, Weitverbreitetes und allgemein Anerkanntes.

Filipino ist etwas grundsätzlich Anderes. Es ist ein Begriff jüngeren Datums, und wurde von oben durch die Regierung eingeführt, zuerst 1973 als Pilipino und später zu Filipino abgewandelt. In der philippinischen Verfassung ist Filipino als Landessprache festgelegt, die Schulkinder haben in ihren Stundenplänen und Zeugnissen Filipino als Schulfach. Trotzdem wird das Wort Filipino wenig gebraucht oder gar gemieden.

Filipino ist ein offizieller Name für die Landessprache, die sprachlich mit Tagalog fast identisch ist. Nur unbedeutende tagalogspezifische Dinge sind weggefallen, und nur Weniges wurde von anderen Sprachen bzw. Dialekten übernommen. Der Unterschied ist geographisch und gesellschaftspolitisch. Eine Landessprache soll ihrem Wesen nach im ganzen Land gesprochen und geschrieben werden. Aus diesem Grund wurde ein nicht mit einer bestimmten Region verbundener Name gewählt, auch wenn die Sprache aus einer Region kommt und keine Kunst- oder Mischsprache ist. Die Akzeptanz dieses Namens ist nach wie vor klein, viele Leute aus dem Tagalogsprachgebiet sehen keinen Grund, ihre Sprache plötzlich anders zu nennen. Und außerhalb des Tagalogsprachgebietes wird der Name Filipino häufig nicht als neu betrachtet, sondern als aus Manila verordneter Etikettenschwindel.

Eine besondere Erwähnung verdienen die philippinischen Gemeinschaften im Ausland, vorwiegend in Kalifornien, Hongkong und Kanada. Zwar werden dort die meisten Sprecher ihre Sprache als Tagalog bezeichnen. Da sich dort Menschen mit allen philippinischen Dialekten finden und die Tagalog-spezifischen Eigenarten weitgehend verschwunden sind, wäre die Bezeichnung Filipino für ihre abgewandelte neue Umgangsmuttersprache vermutlich angemessener.

Eine gesellschaftspolitische Betrachtung ist relevanter und komplizierter. Die Philippinen waren nahezu 50 Jahre Kolonie der Vereinigten Staaten; bis heute bestehen enge Beziehungen der Philippinen zu den USA wie zu keinem anderen Land. In den Städten der amerikanischen Westküste gibt es eine große Zahl von Gemeinschaften philippinischer Emigranten, deren enge Beziehungen zu ihren Familien im Mutterland gepflegt bleiben, in der Regel wird finanzielle Unterstützung geleistet. Andererseits bestehen zu asiatischen Nachbarländern fast keine Kontakte. Die Philippinen sind auch heute noch fast einseitig auf die Vereinigten Staaten ausgerichtet, und einflussreiche Kreise und ein erheblicher Teil der Bevölkerung möchte das beibehalten und stärken. Eine eigene Landessprache ist diesen Bestrebungen sicher nicht förderlich, und daher braucht man auch keinen Namen für eine solche Sprache. Tagalog soll ein regionaler Dialekt bleiben, der nicht für das gesamte Land geeignet ist. Als Folge davon soll amerikanisches Englisch dann die Landessprache werden.

Aus dem Vorgesagten folgt, dass es keine zwingenden Gründe gibt, den Namen der Sprache Tagalog durch Filipino zu ersetzen. Andererseits gibt es Gründe, genau dies zu tun. Wir glauben, dass eine starke Landessprache für die Entwicklung der Philippinen auf gesellschaftlichem, kulturellem und auch wirtschaftlichem Gebiet förderlich ist, und deshalb schließen wir uns der kleinen Gruppe derer an, die eine Landessprache ernsthaft wollen und diese Filipino nennen.


1.2 Warum und für wen ist diese Arbeit geschrieben?

Die erste dieser Fragen kann mit Hilfe des nachfolgenden historischen Abrisses beantwortet werden. Statt der Antwort zur zweiten Frage kann ich (der Autor Armin Möller) nur einige Gedanken dazu äußern.

Diese Arbeit hat eine Vorgeschichte: Im Jahr 1973 wurde ich von meinem Arbeitgeber von Hamburg nach Eindhoven, Niederlande, versetzt. Ich kannte dieses Land schon recht gut und wusste, dass es für einen Deutschen mit Englischkenntnissen keine Verständigungsprobleme geben würde. Trotzdem wurde mir von meinem Arbeitgeber ein dreiwöchiger Ganztagskurs in der niederländischen Sprache angeboten. Ich nahm dieses Angebot gern an, anschließend abonnierte ich eine niederländische Tageszeitung und bat meine Arbeitskollegen, mit mir kein Deutsch mehr zu sprechen. So lernte ich die niederländische Sprache recht gut. Für meine Umgebung wurde ich sprachlich einer der ihren. Sie brauchten nicht mehr die Sprache zu wechseln, wenn ich an einem Gespräch teilnahm. Selbst in einem Unternehmen mit Englisch als Konzernsprache werden viele informellen Gespräche geführt, die in der Muttersprache der Partner einfacher und erfolgreicher verlaufen.

Im Jahr 1986 wurde ich dann nach Manila, Philippinen versetzt. Ich kannte das Land überhaupt nicht. Meine Erfahrungen, wie wichtig die Kenntnis der Muttersprache des Gastlandes ist, bewogen mich, diesem Thema besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Von allen Seiten wurde bekräftigt, dass man in den Philippinen Englisch spricht und ich mir deshalb keinerlei Gedanken bezüglich der Sprache machen müsse. Diese Ansicht wurde anfangs bestätigt. Wir wohnten in Makati in einem international orientierten Sonderbezirk, und meine Kollegen und Mitarbeiter sprachen ein gutes und fließendes Englisch, das häufig besser als meine damaligen Englischkenntnisse war.

Im Lauf der Zeit fiel mir jedoch einiges auf. Meine Sekretärin unterhielt sich mit ihren Freunden nicht in Englisch. In der Betriebskantine (die ich unerlaubterweise manchmal besuchte, obwohl ich in den besonderen Raum für die Betriebsleitung gehörte) war zwar das Speisenangebot in Englisch angeschlagen, aber untereinander sprach niemand Englisch. Nun wusste ich, dass unsere Belegschaft aus den verschiedensten Teilen des Landes zusammengewürfelt war (als internationale Firma bewarben sich bei uns die besten Kräfte aus dem ganzen Land). In Makati hatte ich von Ausländern gelernt, dass die Einheimischen viele verschiedene Dialekte sprächen, die untereinander unverständlich seien und zu anspruchsvolleren Gesprächen nicht taugten. Zur landesweiten Kommunikation seien die Filipinos auf Englisch angewiesen. Dieses Wissen passte nicht ganz zur Kantinenrealität. Und so wurde ich hellhöriger. Ich erfuhr, dass bei betriebsinterner Schulung die Arbeitsunterlagen in Englisch seien, aber zum besseren Verständnis alles in Tagalog wiederholt werde. Das widersprach nun aller Theorie: Alles wurde in einem Dialekt wiederholt, den angeblich die aus anderen Provinzen Kommenden nicht verstanden und der für kompliziertere Sachverhalte ungeeignet war. Von da an beschäftigte ich mich mit Sprachen und Sprachverhalten in den Philippinen.

Wie damals in Eindhoven wollte ich eine gute Tageszeitung in der Landessprache abonnieren, aber so etwas gab (und gibt es auch heute) nicht. Bücher, um Tagalog zu lernen, waren die große Ausnahme. Selbst die Beschaffung von Wörterbüchern bereitete einige Schwierigkeiten. Gute Privatlehrer setzten ihren Stolz darin, mir ihre ausgezeichneten Englischkenntnisse vorzuführen, mit denen sie auch schwierige Tagalogtexte übersetzen konnten. Bitten an meine Arbeitskollegen, mit mir nur noch Tagalog zu sprechen, habe ich gar nicht erst geäußert. Vermutlich hätte man an meinem Verstand gezweifelt (auch wären meine damaligen Sprachkenntnisse nicht genügend gut gewesen). So begann ich mir eigene Notizen zu machen, zunächst Wörterlisten, dann Mustersätze, da offenbar die Grammatik an eingen Punkten von der englischen abwich. Ein Lichtblick in diesem eher düsteren Bild waren die Wörterbücher von Vater Leo English, der seine Aufgabe offenbar darin sah, den Wortschatz des Tagalog und seine Anwendung sorgfältigst und sehr ausführlich darzustellen { LJE}. Er unterscheidet sich dabei von vielen anderen Wörterbüchern im Markt, die ausschließlich helfen sollen, Englisch zu lernen. Eine gute Tagaloggrammatik habe ich bis heute nicht in einer philippinischen Buchhandlung gefunden.

War mir in den Niederlanden der Wert, Nutzen und die Wertschätzung einer gepflegten und geliebten Muttersprache bewusst geworden, so wurde ich nun mit dem genauen Gegenteil konfrontiert. Es gab offenbar so etwas Ähnliches wie eine Muttersprache, und diese war sicher nicht Englisch. Diese Art Muttersprache wurde offenbar tagtäglich verwendet, wurde aber kaum geschätzt und wenig gepflegt. Häufig wurde ihr Vorhandensein überhaupt geleugnet (man habe nur viele Dialekte), in der Schule werde Englisch gelehrt, Amts- und Geschäftssprache sei Englisch, aber diese nicht vorhandene Sprache wurde - zumindest bei bestimmten Gelegenheiten im täglichen Leben - von jedermann benutzt.

Dieses Spannungsfeld ließ mich nicht mehr los, und ich versuchte insbesondere zu erfahren, was die Folgen dieser Situation seien. Auch hier wieder ein sehr zwiespältiges Bild. Mir wurde von vielen Seiten versichert, dass die Englischsprachigkeit der Philippinen große Vorteile in der globalisierten Welt habe und zu Entwicklung und Fortschritt des Landes beitrage. Alle Indikatoren zeigen, dass solche Erfolge völlig ausblieben, da das Land im Vergleich zu seinen Nachbarländern schlechter abschneidet (natürlich lässt sich nicht beweisen, dass die Philippinen mit einer starken Muttersprache nicht noch schlechter dastehen würden). Zusammenfassend habe ich die Schlussfolgerung gezogen, dass die Philippinen kein englischsprechendes Land geworden sind, sondern ein doppelt-halbsprachiges Land geblieben sind, was verheerende Folgen für die soziale, kulturelle und auch wirtschaftliche Entwicklung hat.

Wenn ich ein philippinisches Rechenbuch für Erstklässler in die Hand nehme, und sehe, dass es in englischer Sprache verfasst ist, überkommt mich stets ein klammer Gedanke. Ich bin in der DDR in die Schule gegangen. Wenn man mich gezwungen hätte, mit Hilfe eines russischsprachigen Rechenbuches von einer radebrechend russisch sprechenden Lehrerin das Einmaleins zu lernen, hätte ich mit Sicherheit nicht erfolgreich ein Studium der Naturwissenschaften absolvieren können, das für mich das Tor zur Welt wurde. Diese Gefühle wurden bestätigt, als in einer Strategiebesprechung der philippinischen Elektronikindustrie einer meiner Kollegen sagte: "Wir Filipinos haben englischsprechende Ingenieure, aber die Chinesen haben gute Ingenieure."

Da ich aus verschiedenen Gründen den Filipinos sehr verbunden bin und seinen Menschen ein besseres Leben wünsche, möchte ich in meinem bescheidenen Rahmen zu diesem Ziel beitragen. Ich glaube, dass eine ausgeprägte, geschätzte und gepflegte Muttersprache dazu gute Dienste leisten könnte. (Um Missverständnisse zu vermeiden, auch die breite Kenntnis von Englisch als Fremdsprache neben einer Muttersprache ist unabdingbar, um einen angemessenen Platz in unserer modernen Welt einzunehmen.) Ich bin Realist genug, zur Zeit kaum jemanden zu sehen, der ernsthaft für diese Muttersprache einzutreten und dafür zu arbeiten bereit ist. Im Gegensatz, ich sehe an vielen Stellen entgegengesetzte Bemühungen. Trotzdem bin ich Optimist zu hoffen, dass eines Tages sich dieses Bild ändern werde und ich zu einer solchen Änderung einen kleinen Beitrag liefern konnte. In den letzten Jahren sind in der Welt Veränderungen eingetreten, an die vorher niemand ernsthaft geglaubt hat. Nachherein hat sich herausgestellt, dass ich (in Dresden geboren) kein Träumer war, als ich stets das geteilte Deutschland als widernatürlich betrachtet habe. Vielleicht bin ich auch diesmal kein Träumer.

Aus dieser Zielstellung heraus folgt, dass sich meine Arbeit an Filipinos wendet. Das kann verständlicherweise eine deutschsprachige Arbeit nicht leisten. Eine englischsprachige Arbeit, um eine philippinische Muttersprache zu fördern, ist unter den gegebenen Umständen ein Widerspruch in sich selbst. Die Arbeit muss in Filipino vorliegen, um den von mir gewünschten Erfolg nicht von vorn herein auszuschließen. So sehe ich meine deutschsprachige Arbeit als persönliches Konzept zu einer Syntax in filipinischer Sprache an. Dass selbst nach fast zwanzig Jahren in den Philippinen meine Sprachkenntnisse noch Schwächen aufweisen, ist eine erste zu überwindende Hürde. Weiterhin fehlt es an Vorbildern, komplizierte Sachverhalte in Filipino darzustellen. Auch Personen, die die intellektuellen Fähigkeiten zu einer solchen Arbeit besitzen, haben wenig Übung und Erfahrung in systematischer und konsistenter Arbeit. Eine letzte Schwierigkeit sind fehlende interessierte Leser, deren kritische Bemerkungen zu Verbesserungen beitragen könnten. Vielleicht bin ich auch in dieser Sache kein Träumer, die ersten in Filipino vorliegenden Kapitel mögen noch nicht gut sein, aber sie erscheinen mir gut genug, diesen Weg fortzusetzen.

Nachdem ich kurz zu umreißen versucht habe, was die Ziele meine Arbeit sind, möchte ich darstellen, welche Ziele ich nicht verfolgen kann. Eine streng wissenschaftliche Arbeit benötigt Zugang zu qualifizierten Bibliotheken und engen Kontakt zu Fachkollegen. Beides ist mir verschlossen oder wäre nur mit zu erheblichem Aufwand zu erreichen, so dass ich auf dieses Ziel verzichte. Damit möchte ich nicht ausschließen, dass Teile meiner Arbeit wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Aus der Not eine Tugend machend, arbeite ich an breiten Beispielsammlungen, und stelle wissenschftliches empirisches Arbeiten in den Vordergrund und verzichte weitgehend auf die Anpassung an Modelle der "klassischen" indoeuropäischen Linguistik. Naheliegend wäre der Gedanke, dass ich bei meiner Arbeit an Deutsche denke, die die filipinische Sprache lernen möchten. Dies ist nach meinen Erfahrungen auszuschließen, da dies kaum jemand tun möchte. Damit wurde ich des Zwanges enthoben, bei der Darstellung didaktische und systematische Gesichtspunkte gegeneinander abzuwägen.

Zum Abschluss einige Gedanken zur Art der Gestaltung. Da ich keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebe, unterliege ich nicht den traditionellen Zwängen wissenschaftlichen Publizierens. So konnte ich mich frühzeitig entschließen, das Medium Internetwebseite zu wählen und seine Stärken konsequent auszunutzen. Dazu gehört die Verwendung von Farben und Tabellen. Im Zeitalter der Mega- und Gigabytes gibt es keine seitenmäßige Beschränkung mehr (dafür habe ich mich mit Bildern sehr zurückgehalten, da diese in weniger entwickelten Gegenden das Internet sehr langsam machen können). Das System der Verweise (Links) erlaubt es, auch sehr spezielle Einzelheiten beizufügen, ohne das allgemeine Bild zu stören. Interaktive Programme (Such- und Übersetzungshilfen) benutze ich intern, habe jedoch bisher noch keinen Anlass gesehen, sie öffentlich zugänglich zu machen. Moderne Programme besitzen eine große Flexibilität; insbesondere kann man Unterschiede zwischen Bildschirm- und Druckseitenlayout programmieren. So war es nur ein geringer Zusatzaufwand, Dateien im pdf-Format zu erstellen, die als Bücher in A4-Format gedruckt werden können.

Da mir bewusst ist, dass ich kaum Leser habe, will ich durch die Darstellung im Internet dem Lesen meiner Arbeit zumindest keine regionalen Grenzen setzten. Am Ende noch ein letzter Widerspruch: In meiner philippinischen Zielgruppe kenne ich niemanden, der gleichzeitig Internetzugang hat und an meiner Arbeit in filipinischer Sprache interessiert ist. Als Optimist möchte ich mich korrigieren: Ich kenne heute noch niemanden.


14.1 Über englische, Tagalog und Filipino Alphabete

In der philippinischen Literatur über Grammatik nimmt die Frage des richtigen Alphabetes und des Buchstabierens weiten Raum ein. So widmet ein Grammatiklehrbuch { Santiago 2003-B} diesem Thema 63 Seiten, verglichen mit 24 Seiten für die Syntax (die deutsche DUDEN Grammatik hat zwei Absätze über das Alphabet und mehr als 400 über die Syntax). Im Wesen geht es um die Frage, inwieweit das Alphabet filipinisch sein soll oder mehr der englischen Sprache nahestehen soll. Es scheint, dass hier eine prinzipielle Diskussion über einen sprachlichen Unilateralismus geführt wird mit dem Motto "Am einfachsten ist es, wenn alle Menschen gleich denken, handeln und sprechen" (und "alle gleich" bedeutet beinahe selbstverständlich Amerikanisch-Englisch). Nicht gesehen oder a priori abgelehnt wird ein multikultureller Ansatz mit dem Motto "Menschen und Völker sind verschieden, und die Aufgabe ist, das Leben mit diesen Unterschieden zu gestalten." Es verwundert nicht, dass diese Diskussion emotionsgeladen geführt wird, in den Kapiteln über die Alphabete finden sich Wendungen wie 'lächerlich' (nakakatawa) und 'unschöne Wörter' (hindi magagandang salita) und man bemüht einen 'Respekt des Landes' (respeto ng bayan) und schließlich 'vorherrschende' oder 'gegenwärtige Tradition' (umiiral na tradisyon bzw. kasalukuyang tradisyon). Warum gerade die Frage des Alphabetes so gewichtig ist, ist nicht deutlich. Vielleicht liegt ihr ein Gedanke zugrunde wie "Wenn die Filipinos schon nicht englisch sprechen, sollen sie wenigstens englisch buchstabieren". Um es anders auszudrücken: "Kapag Ingles ang inginalan sa mga letra ng alpabeto, magagamit natin ito bilang mabisang kasangkapan sa ating pangangailangang intelektwal sa kasalukuyang panahon." {W Santiago 2003-B 3.2.4} ('Wenn wir die Buchstaben des Alphabetes englisch benennen, erhalten wir damit ein wirksames Werkzeug für unsere intellektuellen Notwendigkeiten in der heutigen Zeit.')

Dies Alles war Anlass für uns, zu diesem Thema einige Gedanken zusammenzustellen.

Ein Alphabet ist eine Liste von Buchstaben, die in der geschriebenen Sprache die Laute der gesprochenen Sprache darstellen (Zitat aus { Oxford 1995}: 'The set of letters used in writing a language'). Wegen der Unterschiede zwischen Lauten, Graphemen und Buchstaben kann ein Alphabet keine Liste von Lauten oder Graphemen sein. Um Buchstaben einfach beim Sprechen darzustellen, hat man Buchstabenwörter gebildet, die dem Lautwert (bzw. einem häufigen Lautwert) des Buchstabens ähnlich sind und leicht aussprechbar sind. So erhalten wir für eine Sprache zwei Alphabete, das geschriebene Alphabet als Liste der Buchstaben und das gesprochene Alphabet als Folge der Buchstabenwörter.

Für eine Vielzahl Sprachen wird das lateinische Alphabet verwendet (Im Englischen häufig als 'Roman alphabet' bezeichnet). Die deutsche, englische usw. Sprachen verwenden das lateinische Alphabet, es gibt kein englisches, deutsches usw. Alphabet. Genauer gesagt, diese Sprachen verwenden das geschriebene lateinische Alphabet. Da die einzelnen Buchstaben in den verschiedenen Sprachen unterschiedliche Lautwerte haben, sind die gesprochenen Alphabete unterschiedlich. Das englische Ey-bi-si weicht erheblich von kontinentalen gesprochenen Alphabeten (z.B. das deutsche A-be-tse) ab, da in der englischen Sprache die Lautwerte erheblich von denen der kontinentalen Sprachen abweichen.

Nun zu den Philippinen. Die spanischen Mönche brachten das lateinische Alphabet und benutzten es, um die philippinische Sprache schriftlich darzustellen. Sie verwendeten dabei vorzugsweise die Buchstaben-Laut-Beziehungen der lateinischen und spanischen Sprache. Da a der bei weitem häufigste Vokal in der philippinischen Sprache (bzw. den Sprachen) ist, benutzten sie diesen Vokal zur Bildung der Buchstabenwörter. Eine Anzahl Buchstaben des lateinischen Alphabets erschienen als nicht notwendig, um die philippinsche Sprache gut schriftlich darzustellen. So kamen sie zu folgendem gesprochenen Tagalog Alphabet:

ABaKaDaE GaHaILaMa
NaNgaOPaRa SaTaUWaYa

Mit der Einführung des amerikanischen Erziehungssystemes in den Philippinen kam das vollständige lateinische Alphabet (es wurde dann englisches Alphabet genannt). Damit wurde das Problem gelöst, dass auch Fremdwörter in der Sprache dargestellt werden können, ohne ihre Schreibweise der in der filipinischen Sprache üblichen anzupassen. Die Reihenfolge der Buchstaben wurde, zunächst zögernd, den internationelen Gepflogenheiten angepasst.

Vermutlich unbedachterweise, wurden gleichzeitig auch die englischen Buchstabenwörter als Buchstabenwörter für die filipinische Sprache eingeführt. Damit wurde ein ernsthafter Fehler begangen. Die Lautwerte der meisten Buchstaben sind in der filipinischen Sprache völlig anders als in der englischen Sprache. Dazu ein Beipiele: Im englischen general besitzt das Anlaut-g den Lautwert [dʒ] und es macht Sinn, den Buchstaben G im englischen gesprochenen Alphabet [dʒi:] auszusprechen. In der filipinischen Sprache hat der Buchstabe den Lautwert [g] und es ist völlig widersinnig, ihn im gesprochenen filipinischen Alphabet als [dʒi:] und nicht als [ga] auszusprechen.

Durch die fälschliche Übernahme des gesprochenen englischen Alphabetes für die filipinische Sprache ging eine wesentliche Eigenschaft des gesprochenen Alphabetes verloren, die enge Beziehung zwischen Laut und Buchstabe. So versucht man heute einem philippinischen Erstklässler beizubringen, dass das Wort hayag eyts-eyway-eydyi bzw. [eɪtʃ eɪ wʌɪ eɪ dʒi:] zu buchstbieren ist und nicht ha-a-ya-a-ga bzw. [ha a ja a ga], das der Aussprache des Wortes hayag [hajag] entspricht. Es ist kaum zu vermuten, dass dies pädagogisch und sachlich sinnvoll ist.

Ein weiterer Fehler wurde begangen, die Buchstabenverbindung ng (Graphem) in das Alphabet aufzunehmen. n und g sind zwei verschiedene Buchstaben, die in der filipinischen Sprache zur Darstellung eines Lautes verwendet werden. Da ein Alphabet eine Buchstaben- und keine Graphem- oder Lautliste ist, kann ng in einem Alphabet nicht vorkommen. Niemand kommt auf die Idee, das Graphem th in ein "englisches" Alphabet aufzunehmen, obwohl th in der englischen Sprache zur Darstellung nur eines Lautes verwendet wird.

Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, dass in den Philippinen häufig das spanische ñ als Buchstabe des filipinischen Alphabetes betrachtet wird. Das ist wenig verständlich, da - von wenigen Ausnahmen abgesehen - dieser Buchstabe in Filipino nicht verwendet wird. Das spanische Español wird in Filipino Espanyol geschrieben.

Unser Vorschlag ist daher, die den filipinischen Lauten entsprechenden Buchstaben als Buchstabenwort filipinisch auszusprechen, und die Buchstabenwörter der Buchstaben, die in der filipinischen Sprache nicht vorkommen, dem Englischen anzulehnen. Des weiteren haben ng und ñ keinen Platz in einem filipinischen Alphabet keinen Platz, wie oben dargestellt wurde.

Damit kommen wir zu folgendem gesprochenen Alphabet der filipinischen Sprache (ähnliche Vorschläge finden sich bei { Romero 2004 vol. 1 p. 7} und bei { Alcantara 2006 p. 15}):

ABaCiDaEEf GaHaIJeyKaLaMa
NaOPaQyuRaSaTaU ViWaExYaZey

Da dieses Alphabet alle lateinischen Buchstaben enthält, lassen sich damit alle filipinischen Wörter, alle Lehnwörter, alle Abkürzungen und die meisten Fremdwörter buchstabieren. Um einige Beispiele zu nennen: ba-a-ta-a für bata, ha-a-ya-a-ga für hayag und na-e-sa-ta-la-e für Nestle. Ob diese Wörter in philippinischen Ohren schön klingen oder das oben zitierte eyts-eyway-eydyi schöner klingt als ha-a-ya-a-ga, vermögen wir nicht zu entscheiden. Sicher wird das zunächst etwas ungewohnt klingen. Aber es ist nicht unlogisch, nichtenglische Fremdwörter wie Nestle (deutsch-französisch) oder thyroid (altgriechisch) nicht englisch zu buchstabieren.

Eine besondere Frage sind Mehrfachbuchstaben in filipinischen Wörtern, in Fremdwörtern und in Abkürzungen. Hier ist der Gebrauch von Wörtern wie doble möglich, vielleicht nicht immer sinnvoll. So wird man vermutlich ma-a-na-ga-ga-a für mangga voziehen vor ma-a-na dobleng ga-a, jedoch gibt dobleng ma da-a für MMDA durchaus Sinn. Eine weitere Frage ist, ob man in diesem Zusammenhang auch ein Wort triple oder tatlo verwenden sollte. So könnte man dann maaari als ma-a-a-a-ra-i oder ma tripleng a ra-i (ma tatlong a ra-i) und KKK als tripleng ka oder ka-ka-ka buchstabieren.

Sonderzeichen in Fremdwörtern, die unangepasst in andersprachige Texte eingefügt werden, bilden stets ein Problem beim Buchstabieren. Entweder lässt man das Besondere des Zeichens weg, oder man benennt den Buchstaben wie in der Originalsprache (sofern man das weiß). Beispiele sind das französische Wort François, das ef-ra-a-na-ci-o-i-sa oder ef-ra-a-na ci-sedil o-i-sa buchstabiert werden kann, die deutschen Umlaute wie in Möller (ma-o dobleng la e-ra oder ma o-umlaut dobleng la e-ra) und schließlich das spanische piña (pa-i-na-a oder pa-i enye a). Letzteres Problem wird im Allgemeinen gelöst, indem man aus dem spanischen Fremdwort ein Lehnwort macht, also pinya.


15.1 Neue Wörter für Filipino

Die Philippinen und damit auch ihre Sprache befinden sich im Umbruch. Die Globalisierung des 21. Jahrhunderts erreicht das Land. Wegen der langen kolonialen Abhängigkeit und des daraus folgenden kolonialen Denkens wird von vielen unter Globalisierung eine freiwillige Amerikanisierung des Landes verstanden. Das drückt sich vorwiegend in der Sprache aus. Der ausschließliche Gebrauch des amerikanischen Englisch wird dann als Vorbedingung für die erfolgreiche Teilnahme an einer globalisierten Welt angesehen. Für die breite Masse, die trotz Englischunterricht in den Schulen diese Sprache nicht gelernt hat, wird ein Filipino angeboten, das (noch) die filipinische Grammatik besitzt, aber möglichst viele englische Wörter enthält.

Andererseits werden Befürchtungen geäußert, dass ein solcher Weg nicht zu einer guten Zukunft für die Philippinen führen kann, sondern zu dauerhalter Abhängigkeit und Unterlegenheit führt. Da die prinzipielle Zielrichtung umstritten ist, bleiben die Diskussionen im Prinzipiellen verhaftet. Nun entwickelt sich Sprache nicht aufgrund gesetzlich festgelegter Prinzipien, sondern in einer Gemeinschaft von Menschen, die bestimmte Wörter und Sätze mögen und daher gebrauchen, während sie andere vermeiden. Wenn man also Sprachverhalten steuern und verändern möchte, sollte man nicht nur den Gesetzgeber oder Gerichte bemühen, sondern auch verstehen lernen, warum Menschen bewusst oder unbewusst ein bestimmtes Sprachverhalten anstreben. Wenn dieses Sprachverhalten nicht den als notwendig betrachteten Erwartungen entspricht, so sollten den Menschen attraktive Angebote gemacht werden, damit sie freiwillig und vielleicht unbewusst ihr Sprachverhalten in die erwünschte Richtung entwickeln.

In den Philippinen haben wir festgestellt, dass viele Menschen eine tiefe Zuneigung zum amerikanischen Englisch entwickelt haben, der eine entsprechende Abneigung gegen die eigene Muttersprache entspricht. Diese Einstellung hat sich nicht nur aus rationellen Gründen entwickelt, sondern ist emotionell tief verwurzelt. Amerikanisches Englisch wird mit Begriffen wie persönliche Zukunft, wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftliche Akzeptanz verbunden, während die eigene Muttersprache in Zusammenhang mit Erfolglosigkeit, Armut und geistiger Rückständigkeit gesehen wird. Will man also Sprachverhalten ändern, so hat man hier zu beginnen. Da die Mehrheit der Filipinos ihre Muttersprache so sieht, sollte man in einem demokratischen Land nicht erwarten, dass eine Regierung aus höherer Einsicht eine Sprachenpolitik betreibt, die von der Mehrheit nicht verstanden und getragen wird.

Ist die Sprache Filipino bereits ein historischer und unrealistischer Traum, der nicht mehr in das moderne Leben des 21. Jahrhundert passt? Wir glauben nicht, aber wir befürchten, dass diese Sprache zu einem solchen nostalgischem Traum werden kann. Unser Ansatz ist nicht, gesetzlich zu regeln, welche Sprache im Schulhof gesprochen werden soll, sondern insbesondere jungen Menschen ihre Muttersprache attraktiv zu machen und ihr die Stigmen Erfolglosigkeit, Armut und geistige Rückständigkeit zu nehmen. Junge Menschen wollen modern sein, in einer modernen Welt mit modernen Dingen leben. Modern sein wird dann in den Philippinen in der Regel als Nachahmung alles Amerikanischen gesehen, reine Nachahmung ohne Anpassung an das eigene Selbst, welches dabei zwangsweise versteckt und verdrängt werden muss.

Gibt es noch oder wieder Bereiche, wo philippinischen jungen Menschen ihr eigenes Selbst und ihre eigene Muttersprache so wertvoll gemacht werden können, dass sie ihre Sprache gern und freiwillig benutzen werden? Wir wissen es nicht, aber haben festgestellt, dass es diesen jungen Menschen nicht einfach gemacht wird. Zunächst kann ihnen niemand deutlich sagen, was Filipino eigentlich ist oder sein soll. Diese fehlende Deutlichkeit wird durch ein diffuses Gefühl ersetzt, dass Filipino ein Tagalog mit englischen Wörtern sei; diese Fremdwörter werden häufig als neue filipinische Wörter bezeichnet. Das offizielle filipinische Alphabet ist ein logischer Schritt in diese Richtung, da es zu englischen und nicht zu filipinischen Wörtern passt. Publikationen, auch wissenschaftliche, in filipinischer Sprache verwenden ohne Not englische Wörter (chapter statt kabanata), manchmal in einer schwerverständlichen Orthografie (Beispiele vawel statt patinig und fangsyon statt tungkulin). Der Leser muss also erst Englisch lernen, um die filipinische Publikation verstehen zu können; und er mag sich fragen, warum der Autor nicht in Englisch schreibt, wenn er so gern englische Wörter verwendet. Wir können uns nicht vorstellen, dass ein solches Verständnis von Filipino jemals breit akzeptiert wird.

Ein weiterer Punkt kommt hinzu. Der filipinische Wortschatz ist in Sprachfamilien aufgebaut, das Verständnis der Wörter wird durch ihre Verwandtschaft erleichtert. Dies ist besonders beim Erlernen der Sprache durch Kinder wichtig. Ihnen erscheint dann die Welt der zu erlernenden Begriffe als ein wohlgewobenes Netz; das Kind lernt keine Einzelwörter, sondern passt sie unbewusst logisch in Wortfamilien ein (was dann auffällt, wenn die Sprache unlogisch ist und Kinder das logisch richtige Wort bilden; Beispiel hugasin). Fremdwörter bleiben für Kinder fremdartige Lautkombinationen, die man ohne Sinnzusammenhang auswendig lernen muss. Ihr unnötiges Lehren in einem frühen Stadium behindert vermutlich die Sprachentwicklung des Kindes.

Um der Undeutlichkeit über Filipino zu begegnen, erscheint es notwendig, einige grundsätzliche Regeln für den filipinischen Wortschatz zu entwickeln. Eine Regel, dass englische Wörter immer dann verwendet werden, wenn sie in den Philippinen verstanden werden, führt letztendlich zu einer Sprache, von derem eigenem Wortschatz nur noch ay und mga übrigbleiben. Die Regeln müssen also sorgfältiger erstellt werden. Als Diskussionsbeitrag stellen wir unsere Gedanken vor, wie wir die Zukunft des filipinischen Wortschatzes sehen.

Bei ausländischen Wörtern, die in der filipinischen Sprache verwendet werden, besteht das Problem der phonologischen und morphologischen Anpassung. Beispiele dafür sind, dass die filipinische Pholologie kaum ein stimmhaftes <s> [ z ] oder Schwa [ ə ] kennt; dementsprechend fehlen orthografische Darstellungen für diese Laute. Ein morphologisches Problem ist, dass einsilbige ausländische Wortstämme nicht zur philipinischen Sprache passen und daher schwer zu affigieren sind. Hinzu kommt, dass in der filipinischen Sprache das Prinzip von Übereinstimmung von Phonologie und Orthografie gilt, das in der englischen Sprache kaum eine Rolle spielt. In der Regel wird also eine enge Anpassung ausländischer Wörter den Zusammenhang mit dem Ursprungswort lockern oder gar zerstören, während ohne oder bei schwacher Anpassung das Wort ein Fremdkörper in der filipinischen Sprache bleibt.

Wir geben einige Beispiele zur ersten Gruppe. Mit bahaghari wird ein Naturphänomen so deutlich umschrieben, dass in der filipinischen Sprache für ein englisches Wort rainbow kein Platz ist. Die filipinischen Wörter guro, pagsusulit und tala sind so deutlich, dass für die englischen Wörter teacher, eksam und star kein Bedarf besteht, zumal bei der pholologischen Anpassung Probleme auftreten. Aus englischen ['ti:tʃə, 'ti:tʃər] wird orthografisch <titser> mit etwa ['tit.sɛr]; aus dem stimmhaften englischen [ɪg'zam] wird stimmloses <eksam> [ʔɛk'sam]. Wegen der Konsonantenkombination in star wird filipinisch zweisilbiges <star>, <istar> [ʔis'tar] gebildet. Auch gibt es in vielen Fällen keinen vernünftigen Grund, spanische Wörter zu verwenden (boto statt halal). Wörter, die nicht dem filipinischen Wortschatz angehören, sind nicht in einsprachige filipinische Wörterbücher aufzunehmen, sie gehören in zweisprachige Wörterbücher.

In der zweiten Gruppe werden ausländische Wörter verwendet, weil es keine passenden filipinischen Entsprechungen gibt, die allgemein akzeptiert werden. In der filipinischen Sprache werden oft englische Fremdwörter auch dann vorgezogen, wenn der Begriff keinen besonderen Bezug zu einem englischsprachigen Land hat (Beispiele broken family, Holy Week) und also kein rationaler Grund vorliegt, englische Wörter zu verwenden. Wir glauben, dass in vielen Fällen treffende filipinische Wörter bereits bestehen, die jedoch nicht genügend verbreitet werden. Deshalb sollte bei den Wörtern der Gruppe 2 in einsprachigen filipinischen Wörterbüchern das filipinische Wort gleichberechtigt neben dem ausländischen Wort stehen und nicht als Erklärung oder Übersetzung betrachtet werden. Einige Werkzeuge zur Wortbildung betrachten wir weiter unten. Bei der Suche nach passenden filipinischen Wörtern sollten auch dritte Sprachen konsultiert werden. Ein Beispiel könnte 'to save a file' sein, das im Deutschen mit 'eine Datei speichern' beschrieben wird, was zu filipinisch itimbak ang talaksan führen könnte.

Die dritte Gruppe umfasst ausländische Wörter, die dauerhafter Bestandteil der filipinischen Sprache bleiben oder werden sollen. Hier ist die Frage der Anpassung besonders sorgfältig zu prüfen. Wenig Probleme bieten Wörter wie carrot ['karət] mit <karot> ['ka.rot]. Ein weiteres Beispiel ist basketball, aus dem <basketbol> wird. Da in der englischen Sprache lange Vokale nicht selten sind, wird vermutlich eine orthografische Darstellung dieser Laute im Filipino unumgänglich werden; eine einfache Doppelung scheidet aus, da sie bereits für Hiatus verwendet wird (doon - tool, möglicherweise <tūl>). Ohne Zweifel sind diese Wörter in einsprachige filipinische Wörterbücher aufzunehmen.

Eine weitere Gruppe sind ausländische Fachausdrücke, Namen und Redewendungen (Beispiele Umlaut; Mona Lisa; J'y suis, j'y reste). Sie gehören nicht zum filipinischen Wortschatz, obwohl sie in der filipinischen Sprache verwendet werden. Werden sie in einsprachigen filipinischen Wörterbüchern aufgeführt, so sind sie gesondert zu kennzeichnen.

Die vorgeschlagene Einteilung ist nicht als statisch zu betrachten. Ständig werden neue Wörter von außen kommen und ständig wird verändertes Leben in den Philippinen neue sprachliche Formen erfordern (um ein Beispiel zu nennen, die deutsche Sprache bildet jedes Jahr etwa 1000 neue Wörter). Um die filipinische Sprache lebendig zu erhalten, sind viel mehr neue filipinische Wörter erforderlich, die durch angepasste neue Lehnwörter ergänzt werden. Welche der für die Menschen im Lande neuen Wörter akzeptiert werden und ob sie diese in ihre Muttersprache aufnehmen, kann erst gesehen werden, nachdem ihnen solche Wörter angeboten werden.

An dieser Stelle möchten wir noch zwei Versuche betrachten, die wir als Irrwege ansehen. Um phonologische Probleme zu vermeiden, wird manchmal versucht, ein englische Wort zu hispanisieren und statt eines englischen Fremdwortes ein spanisches zu verwenden. Wir verstehen die Wertschätzung vieler Filipinos für die schöne spanische Sprache, betrachten ein solches Vorgehen jedoch als Anachronismus. Manchmal werden von (englischen) Wortgruppen abgeleitete Buchstabenabkürzungen als eine problemfreie Neuschöpfung betrachtet. Das mag für Institutionen eine sinnvolle Namengebung sein. Für Begriffe oder gar Tätigkeiten bleibt eine Abkürzung zunächst ein sinnleerer Ausdruck, der nicht oder nur langsam wie ein sinnhaltiges Wort empfunden wird.

Wo sollen also die fehlenden neuen filipinischen Wörter herkommen? Vermutlich ist der Bedeutungswandel von bestehenden Wörtern die wichtigste Quelle neuer Begriffe in den Vereinigten Staaten und damit in der englischen Sprache. Hier kann der Filipino sich zu Recht den US-Amerikaner zum Vorbild nehmen. So hat sich zum Beispiel das mailbox vom Blechkästchen zum Computerspeicher gewandelt. Bei diesem Wandel hat man die Funktion des mailbox, Nachrichten zu empfangen, beibehalten, während die technische Realisierung sich vollständig geändert hat. Dies ist ein für die filipinische Sprache besonders interessanter Ansatz, da im täglichen Leben bei Innovationen häufig die Funktion gleich bleibt und sich nur die technische Realisierung ändert (Beispiel supot und plastic bag). Daraus kann gelernt werden, dass der Amerikaner ein altes Wort für einen neuen Begriff akzeptiert, selbst wenn das alte Wort früher oder daneben etwas anderes beschreibt. Eine in den Philippinen oft gehörte Ansicht wie die, dass ein plastic bag nicht genau ein supot ist und deswegen mit einem ausländischen Wort bezeichnet werden muss, würde dem Amerikaner undenkbar erscheinen.

Den Bedeutungswandel, den ein Wort in einer Fremdsprache durchmacht, kann man in der eigenen Sprache nachvollziehen. Bedingung dafür ist, dass man die Fremdsprache und deren eigene Weiterentwicklung genügend versteht. Längst ehe Toilettenpapier erfunden wurde, gab es im Englischen das Wort tissue mit dem Gegenstück himaymay in Tagalog. So sollte es folgerichtig und naheliegend sein, das toilette tissue heute auch himaymay zu nennen, und nicht den Leuten nachzureden, die sagen, dass die Amerikaner für tissue (1) und tissue (2) das gleiche Wort verwenden können, dass jedoch himaymay (2) in Filipino tisyu heißen muss.

Eine Variante des Bedeutungswandel ist die Zusammenfügung bestehender Begriffe zu einem neuen Begriff (Beispiel hedge fund). Diese Möglichkeit kann in Filipino ebenso eingesetzt werden, da zusammengesetzte Wörter fester Bestandteil der filipinischen Sprache sind. Einige neue Zusammensetzungen sind informell bereits entstanden und bedürfen nur systematischer Prüfung, Sammlung und Verbreitung. Ein Beispiel ist sabon pang-ikot statt (washing machine) detergent.

Eine besonders flexibles Werkzeug zur Wortbildung in der filipinischen Sprache sind Präfixe. Das filipinische Präfix pang- wird häufig zur Wortbildung verwendet. Für neue Produkte können entsprechend ihrer technischen Funktion neue allgemein verständliche Begriffe geschaffen werden (Beispiele pampaypay statt elektrik pan, panlambot statt conditioner). Die Tatsache, dass der neue Begriff die Funktion anschaulich beschreibt, statt nur eine ausländische Laut- bzw. Buchstabenfolge zu sein, mag helfen, diesen Neuschöpfungen Akzeptanz zu verleihen. Diese Form der Wortbildung ist nicht auf das Präfix pang- beschränkt, wie die folgenden Beispiele zeigen: palamigan statt ref (das Filipino-englische Wort für fridge), tuusin für bank account und perahan statt ATM.

Mit diesen wenigen Beispielen möchten wir nur aufzeigen, dass es möglich ist, neue filipinische Wörter für die moderne Welt zu finden und deren Gebrauch vorzuschlagen. Die philippinische akademische Gemeinschaft hat im letzten Jahrhundert diesen Weg erfolgreich beschritten. Wir führen als Beispiel die Linguistik an; es gibt kaum einen linguistischen Fachausdruck, der nicht eine sinnvolle Entsprechung in Tagalog/Filipino hat. Die Verfechter einer Landessprache Filipino müssen einen solchen Weg heute wieder gehen, Schritt für Schritt, Wort für Wort in Kleinarbeit die Sprache erneuern und sehr bald neue und moderne filipinische Wörter für die Welt von heute anbieten. Nur damit können sie zunächst ihre Fachkollegen, dann die Öffentlichkeit und schließlich die Jugend dieses Landes zu einer Landessprache Filipino einladen und für sie begeistern.


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Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/filipino/betracht.htm   03. März 2007 / 23. Oktober 2013

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