Wir lernen Filipino - Sprachkurs - Lektion 5

5.1 Ako ay Pilipino. Prädikat und ay

Vom Deutschen her sind wir gewohnt, dass das Prädikat des Satzes ein Verb ist. In modernen Grundschulen lernt man heute "Das Verb ist der König des Satzes." Für Filipino müssen wir etwas anderes lernen. Ein Verb bildet oft das Prädikat, wie die bellenden Hunde und krähenden Hähne der Lektion 3 gelehrt haben. Die nächsten Sätze zeigen, dass die filipinische Sprache auch andere Prädikate besitzt. Alle diese Sätze sind verblos, was im Deutschen undenkbar wäre.

Nun haben wir noch ein zweites Thema zum Stichwort Prädikat. Ebenso wie das Subjekt hat auch das Prädikat ein Bestimmungswort, das Wörtchen ay. In unseren obigen Beispielen ist es nie aufgetaucht, und das ist kein Zufall. Als Überschrift für diese Lektion haben wir den Anfang des patriotischen Liedes Akọ ay Pilipino 'Ich bin Filipino' von George Canseco gewählt. ay wird nur selten und dazu verwendet, um bestimmte Effekte zu erzielen. Und genau das hat der Verfasser von Akọ ay Pilipino gewollt. In der täglichen Umgangssprache kommt ay fast nicht vor. Andererseits gibt es Sprachlehrkurse, wo man ay auf nahezu jeder Seite mehrfach findet. Wir beschäftigen uns mit dem "normalen" Filipino und nicht mit poetischem oder Sprachlehrkursstil. Dann begegnet uns ay selten. Unser nächster Satz hat also wieder kein ay:


5.2 Sätze zum Lernen

Hier zwei Sätze im "filipinischen" Filipino, in denen ay verwendet wird. In beiden Sätzen steht das Prädikat vor dem Subjekt, und vor dem Prädikat steht noch eine andere Phrase.

Sana'y sumikat ang araw.  Wenn nur die Sonne scheinen würde. (Nach Vokalen wird ay häufig zu 'y verkürzt.)
Pagkagising ay kumain siyạ ng almusạl.  Nach dem Aufwachen hat er gefrühstückt.

5.3 Grammatik

Zur Bildung des filipinischen Prädikates sind mehrere Wortarten und auch Phrasen geeignet {Syntax 2-2.1}. Dazu gehören neben Verben Substantive, Adjektive und Adjunktphrasen. Das Verb spielt also keine "Königsrolle" in der filipinischen Sprache. Deshalb ist die Struktur des filipinischen Satzes prinzipiell anders als im Deutschen.

Anders als das Subjekt, besitzt das filipinische Prädikat keine Bestimmtheit an sich. Unbestimmte Dinge können das Prädikat bilden. Das schließt nicht aus, dass Bestimmtes das Prädikat sein kann. Diese Bestimmtheit kann sich aus dem Sinnzusammenhang ergeben, oder "Bestimmtheitsmacher" zeigen die Bestimmtheit an {Syntax 2-3.2}

ay ist ein Bestimmungswort, das das Prädikat im filipinischen Satz anzeigt (vergleichbar mit ang für das Subjekt). Steht das Prädikat am Beginn des Satzes - und das ist normalerweise im Filipino der Fall - steht kein ay. Es ist nicht erforderlich, da dieser Normalfall keiner besonderen Prädikatsanzeige bedarf. Steht das Prädikat nach dem Subjekt, so muss es mit ay eingeleitet werden {Syntax 13-2.1.2}. Stehen andere Satzteile vor dem Prädikat, so kann ay verwendet werden, um den Beginn des Prädikates anzuzeigen.

Der westliche Stil mit vielen Sätzen in der Reihenfolge Subjekt - ay - Prädikat wird von seinen Verfechtern "formales Filipino" genannt {Syntax 13-6.1}.



Die filipinische Sprache von Armin Möller   http://www.germanlipa.de/fil_lern/5.htm   25. Juli 2010 / 28. März 2011

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