Den Titelsatz 'Ich habe kein Geld' hört man oft in den Philippinen. Wenn ein Filipino Geld hat, gibt er es schnellstens aus, und dann sagt er wieder - siehe oben. Uns interessiert weniger das Fehlen des Geldes, sondern das Vorhandensein einer grammatischen Besonderheit, mit der Fehlen oder Vorhandensein ausgedrückt werden. Solche Sätze werden Existenzsätze genannt.
Die bisher betrachteten Sätze haben die Existenzphrase als Prädikat, und der
"Besitzer" ist das Subjekt. Seltener sind Existenzsätze, in denen die Existenzphrase
das Subjekt bildet. Nicht alle Existenzsätze besitzen ein Subjekt. Außerdem können Existenzphrasen als Beifügung zu Substantiven dienen. Da die obigen Beispiele alle "aus dem Leben gegriffen" sind (vielleicht mit Ausnahme
der Gedichtzeile), können sie gut
als Sätze zum Lernen dienen. Wir fügen hinzu, dass mayroọn und
walạ die Antworten auf Fragen nach dem Vorhandensein sind. Die filipinische Sprache besitzt drei Existenzwörter:
mayroọn
mit der Kurzform may; dazu kommen walạ und marami
{Syntax 4-3}. Mit Existenzwörtern (Ausnahme ist die Kurzform may, die
stets ohne Ligatur verwendet wird) werden oft Interklitkonstruktionen gebildet
{Syntax 11-6.7}. In der Regel bildet die Existenzphrase das Prädikat des Satzes, seltener sein
Subjekt {Syntax 2-4.6 (3)}.
Auch kann die Existenzphrase ein Substantiv als Attribut ergänzen
{Syntax 6-7.6}. Eine Verbform kann das Kernwort der Existenzphrase bilden
{Syntax 4-4.3}.
May tatlọng kapatịd ang kaibigan
ko.
Dieser Satz 'Meine Freundin hat drei Geschwister.' beschreibt
das Vorhandensein der Geschwister. Dazu wird may vor den entsprechenden
Gegenstand (hier tatlọng kapatịd) gesetzt; wir nennen may
tatlọng kapatịd eine Existenzphrase. Der "Besitzer" kann
als Subjekt hinzugefügt werden, hier ang kaibigan ko.
![]()
Walạng kapatịd ang kaibigan
ko.
In dem Satz 'Meine Freundin hat keine Geschwister.' steht
das Existenzwort walạ, um ein Nichtvorhandensein zu
beschreiben.
![]()
Walạ akọng pera.
Dieser Satz 'Ich habe kein Geld.' ist einer der häufig
gebildeten Sätze mit Existenzinterklit. Diese Sätze sind möglich, wenn der Besitzer
(oder Nicht-Besitzer) mit einem persönlichen Fürwort ausgedrückt wird.
![]()
Mayroọn ka bang pera?
Das oben erwähnte Existenzwort may ist eine Kurzform, die keinen Interklit
bilden kann. Man muss dann wie im Beispiel die Vollform mayroọn
verwenden 'Hast du Geld?' oder auf den Interklit
vezichten und sagen May pera ka ba?
![]()
May magandạ akọng bulaklạk.
In dem Satz 'Ich habe schöne Blumen.' kann mit Hilfe
der Beifügung magandạ ein Interklit gebildet werden.
![]()
Marami pa akọng gagawịn.
'Ich habe noch viel zu tun.' wird mit einem Existenzsatz
augedrückt. Er enthält das Existenzwort marami in einem Existenzinterklit.
Daher steht die Ligatur bei akọ und nicht bei marami.
Dass hier das Verb gagawịn das sonst übliche Substantiv
(oben z.B. pera) ersetzt, erstaunt uns nicht mehr, nachdem wir
Lektion 6 gelernt haben. Diese Sätze werden gern gebildet,
man kann elegant verschweigen, was man in Wirklichkeit noch zu tun hat.
Sino ang may sabi sa iyọ?
In diesem Fragesatz 'Wer hat dir etwas gesagt?' kann das
Subjekt nicht erfragt werden. Der erfragte "Besitzer" des Sagens sino
wird deshalb zum Prädikat, und die Existenzphrase may sabi wird
zum Subjekt mit ang (siehe Lektion 6).
![]()
May tubig na.
'Jetzt gibt es Wasser.' ist ein wichtiger Satz in den
Philippinen, da die Wasserversorgung häufig ausfällt. Wenn Wasser da ist, kann jeder
es gebrauchen. Daher ist die Angabe eines "Besitzers" nicht erforderlich, der Satz
ist subjektlos.
... at kinuha niyạ ang bahaging may
lason.
'... und sie nahm die Seite mit dem Gift.'. Natürlich ist
von Schneewittchen die Rede, die wir in Filipino Busilak getauft haben,
was 'unschuldig', aber auch 'einfältig'
bedeutet. Das Substantiv bahagi
wird durch die Existenzphrase may lason ergänzt. Dazwischen kommt - wie
bei Ergänzungen üblich - eine Ligatur (siehe Lektion 12).
![]()
Paalam, Inạng walạng
habạg.
Vom Märchen zur philippinischen Revolution 1898. Diese Zeile aus einem Gedicht von
A. Bonifacio 'Lebe wohl, Mutter ohne Gnade.' bezieht sich
ironisch auf das "Mutterland" Spanien. Inạ wird mit walạng
habạg ergänzt, wieder mit Ligatur.
![]()
Kapatịd na maraming pera.
In dem Ausdruck 'Der Bruder mit dem vielen Geld' wird
marami 'viel' als Existenzwort
verwendet.
14.2 Sätze zum Lernen
May tubig ba? Mayroọn. - Walạ.
Gibt es Wasser? Ja. - Nein. Magandạ ka ba? Oo. - Hindị.
Bist du hübsch? Ja. - Nein. (Mit oo oder
hindị werden Fragen nach Eigenschaften
beantwortet.)
14.3 Grammatik
Die filipinische Sprache von
Armin Möller
http://www.germanlipa.de/fil_lern/14.htm
20. März 2011
Die filipinische Sprache - Ende von Wir lernen
Filipino (Lektion 14)
Seitenbeginn
Übersicht Sprachkurs
Fisyntag